Frauenfußball: UWCL-Quali im Blick - Darauf kommt es für Frankfurt in der Rückrunde an

Helene Altgelt
TSG Hoffenheim v Eintracht Frankfurt - FLYERALARM Frauen-Bundesliga
TSG Hoffenheim v Eintracht Frankfurt - FLYERALARM Frauen-Bundesliga / Christof Koepsel/GettyImages
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Die Frauen von Eintracht Frankfurt wollen 2023 erneut in die Champions League einziehen und ihren Status als eines der Top-Teams der Bundesliga festigen. Das Team von Niko Arnautis kann bei einem Rückstand von nur zwei Punkten auf Bayern München von der Vize-Meisterschaft träumen, auch der VfL Wolfsburg auf Platz eins ist noch nicht völlig enteilt. Andererseits drängen auch Freiburg und Hoffenheim in die Top 3. Worauf kommt es für die Eintracht in der Rückrunde an?


"Vielen Dank an 23.200 Zuschauer:innen", leuchtete es am 16. September im Deutsche-Bank-Park auf. Es lief der erste Spieltag der Frauen-Bundesliga, und Frankfurt hatte beim Spiel gegen Bayern München prompt einen neuen Zuschauerrekord aufgestellt. Der bisherige Topwert wurde um fast 10.000 Fans überboten, die Stimmung in der Arena war hervorragend.

Eintracht Frankfurt v FC Bayern München - FLYERALARM Women's Bundesliga
Neuer Zuschauerrekord bei Frankfurt gegen Bayern / Alex Grimm/GettyImages

Was auch an dem lag, das auf dem Rasen passierte: Frankfurt hielt gegen die favorisierten Bayern sehr gut mit, zeigte sich gegen den FCB zunächst etwas nervös, dann aber mutig. Die Eintracht stellte Bayerns Verteidigung immer wieder vor Probleme und hätte vor der Pause, nur an den Spielanteilen gemessen, die Führung verdient gehabt.

In der zweiten Hälfte ging es dann hin und her, und obwohl die Frankfurt-Fans nicht mehr über ein Tor ihres Teams jubeln konnten, blieb es ein gelungener Auftakt mit weißer Weste.

Frauen-Bundesliga: Gute Ausbeute mit knappen Ergebnissen

Damit unterstrich die SGE ihre Ambitionen für die neue Saison. Frankfurt wollte nicht mehr bloß in einzelnen Spielen mithalten - letzte Saison hatte die Eintracht gegen Bayern mehrere unterhaltsame Offensivspektakel geboten -, sondern über die gesamte Spielzeit ein ernsthafter Konkurrent der zwei Großen sein. In den letzten Saisons hatten Unkonzentriertheiten und Formschwankungen die Eintracht um viele Punkte gebracht, sodass sie ihr Potenzial nicht ganz ausspielten.

In der Hinrunde 2022 sah das zumindest auf dem Papier anders aus: Neben dem Auftaktspiel ließ Frankfurt in nur zwei Begegnungen Punkte liegen, gegen die Top-Teams Wolfsburg und Hoffenheim. Ausrutscher wie etwa das 0:1 gegen Bremen letzte Saison leistete sich die Eintracht nun nicht mehr. Allerdings standen einige dieser Erfolge auf tönernen Füßen, ganz souverän wirkten die Adlerträgerinnen nicht immer. So etwa beim 3:2 gegen Aufsteiger MSV Duisburg oder dem 0:1 gegen Leverkusen, und auch das Remis gegen Hoffenheim war eher schmeichelhaft für die SGE.

DFB-Pokal und UWCL: K.o.-Spiele liegen der Eintracht nicht

Zwei ärgerliche 1:2-Niederlagen sorgten dafür, dass Frankfurt inzwischen nur noch in einem Wettbewerb vertreten ist. Die weniger hohe Belastung im Vergleich zu Wolfsburg und Bayern kann sicherlich ein Vorteil sein, das Team hätte es wohl dennoch vorgezogen, im Pokal und der UWCL zu überwintern. Besonders das Ausscheiden in der Qualifikationsrunde für die Champions League war eine bittere Pille für die Eintracht, die lange um diese Chance in der Königsklasse gekämpft hatte. Nach 90 Minuten Dominanz schoss Ajax sie mit einem Traumtor in der Nachspielzeit eiskalt raus.

Ajax schlug sich allerdings auch in der weiteren Qualifikation gegen Arsenal wacker, das Ausscheiden könnte man daher als unglücklich, aber keinen Weltuntergang bezeichnen. Zwei Monate später blamierte sich Frankfurt in Leipzig dann aber mit einer Niederlage im Pokal-Achtelfinal gegen den Zweitligisten RB. Leipzig war über Strecken sogar spielbestimmend, der SGE gelang nach der frühen Führung fast gar nichts mehr.

Diese zwei Niederlagen, zusammen mit dem herben 0:5 in Wolfsburg, trüben das Eintrachter Hinrundenfazit. Dass diese drei Spiele ernüchternd waren, macht eine Bewertung auch schwierig: War das nun eine fast perfekte Hinrunde mit Makeln? Oder zeigen diese Spiele, dass Frankfurt in der Bundesliga meist keine Probleme hat, aber vom höchsten Niveau doch noch ein Stück weit entfernt ist?

Schwächen von Frankfurt: Daran müssen Arnautis und Co. arbeiten

Sveindis Jonsdottir, Sophia Kleinherne
Gegen schnelle Stürmerinnen in Schwierigkeiten: Die Frankfurter Defensive / Martin Rose/GettyImages

Die Klatsche in der VW-Arena zeigte besonders die defensiven Schwächen der SGE auf. Immer wieder spielten Wolfsburgs Stürmerinnen die Frankfurter Abwehr schwindelig, die nicht auf der Höhe war und stets einen Schritt zu spät kam. Das Innenverteidigungs-Duo aus Sara Doorsoun und Sjoeke Nüsken war eine Neuerung zu dieser Saison, zuvor kam Nüsken im Mittelfeld zum Einsatz.

Ein endgültiges Fazit kann noch nicht gezogen werden, aber ihr Positionsspiel verriet öfters, dass Nüsken eigentlich keine Innenverteidigerin ist. Nüskens Übersicht war dagegen ein großer Trumpf. Doorsouns Tempodefizite waren ein Problem der Eintracht gegen schnelle Teams. À propos Tempo: Die Konterabsicherung war in einigen Begegnungen eher alibihaft. Linksverteidigerin Verena Hanshaw trug zwar offensiv viel bei, fehlte aber in der Verteidigung in der ein oder anderen Szene. Trotz einer eigentlich hochkarätig besetzten Viererkette leistete sich Frankfurt zu viele Fehler, nur Duisburg und Bremen ließen mehr Tore nach individuellen Patzern zu. Andererseits könnte man auch sagen: Wenn viele Tore nach individuellen Fehlern gefallen sind, war die Grundstruktur nicht schlecht.

Die Offensive lief gegen Teams wie Potsdam wie geschmiert, stieß gegen größere Teams aber an ihre Grenzen. Wobei das Problem hier weniger bei den Einzelspielerinnen liegt: Prasnikar, Reuteler oder Freigang spielen eine gute Saison. Aber die Eintracht tat sich öfters schwer, aus dem eigenen Ballbesitz Chancen zu kreieren. "Im Stile eines Topteams", sagt man bei dominantem Ballbesitzfußball gerne, Frankfurt setzt eher auf Konter. Das ist per se nichts Schlechtes und lief diese Saison bereits deutlich besser als in den letzten Jahren. In einigen Spielen zeigte sich die Eintracht aber von der Spielanlage her limitiert und schaffte es zu selten, von dem Flügelspiel mit Kontern wegzukommen. Die Mittelfeld-Raute von Arnautis wirkte teils statisch.

Stärken: Darauf kann sich die Eintracht verlassen

Geraldine Reuteler
Eine der Leistungsträgerinnen diese Saison: Géraldine Reuteler / Christof Koepsel/GettyImages

Das Offensiv-Trio war in dieser Hinrunde einer der Garanten für den Frankfurter Erfolg. Prasnikar, Freigang und Reuteler harmonierten sehr gut zusammen. Besonders die Schweizer Nationalspielerin Reuteler hat nochmal einen Schritt nach vorne gemacht und sich als eine der besten Offensivspielerinnen der Liga etabliert. Dazu hat Frankfurt Spielerinnen wie Anyomi, Martinez und Wamser, die den Sturm nochmal beleben können. Die individuelle Qualität der Eintracht ist sicherlich eine der großen Stärken und ein Punkt gegenüber der Konkurrenz aus Hoffenheim und Freiburg.

Auch das Pressing von Frankfurt funktionierte in den meisten Spielen sehr gut. Frankfurt ist ein Team, das vor der Saison bis auf Merle Frohms nur wenige Leistungsträgerinnen ziehen lassen musste, der Stamm der Eintracht spielt seit mindestens zweieinhalb Jahren beim Verein. Das zeigt sich auch im Spiel gegen den Ball, das gut koordiniert und effektiv ist. Frankfurt ist im Pressing nicht ganz so aggressiv wie Wolfsburg oder Freiburg, aber gut organisiert. Auch mit dem Ball kommt der Eintracht diese Vertrautheit sicherlich zugute, womit zum Teil auch die besseren Ergebnisse zu erklären sind. Ein weiterer Grund ist das Glück des Tüchtigen, während Frankfurt letzte Saison auch in einigen Szenen Pech hatte.

Insgesamt hat sich Frankfurt als Team merklich stabilisiert, besonders das Auftreten gegen schwächere Gegner hat sich deutlich verbessert. In den wirklich wichtigen Spielen der Saison offenbarte die SGE trotzdem Schwächen, besonders in der Verteidigung. Die Spielanlage wird auch 2023 weiter Thema bleiben, auch wenn die Offensivspielerinnen immer besser harmonieren. Für die Rückrunde gilt es, unnötige Fehler so gut wie möglich zu vermeiden und sich Spiele wie das gegen Ajax nicht mehr aus der Hand nehmen zu lassen. In anderen Worten: Der Reifeprozess zum Top-Team geht weiter.


Das 90min-Ranking zur Hinrunde: Alle Positionen im Überblick

Die 5 besten Torhüterinnen
Die 5 besten Rechtsverteidigerinnen
Die 5 besten Innenverteidigerinnen
Die 5 besten Linksverteidigerinnen
Die 5 besten defensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten zentralen Mittelfeldspielerinnen

Die 5 besten offensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten Rechtsaußen
Die 5 besten Linksaußen
Die 5 besten Stürmerinnen


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