90min-Ranking: Die 5 besten Innenverteidigerinnen der Frauen-Bundesliga-Hinrunde

Helene Altgelt
Eine der besten Innenverteidigerinnen der Hinrunde: Glottis Viggosdottir
Eine der besten Innenverteidigerinnen der Hinrunde: Glottis Viggosdottir / Jan Hetfleisch/GettyImages
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Innenverteidigerinnen sind selten die großen Stars eines Teams, für den Erfolg aber unverzichtbar. "Die Offensive gewinnt Spiele, die Defensive gewinnt Titel", lautet nicht zu Unrecht auch ein bekanntes Sprichwort. So ist es wenig überraschend, dass die Topteams der Frauen-Bundesliga, Bayern und Wolfsburg, auch die wenigsten Gegentore kassiert haben. 90min wirft einen Blick auf die besten Leistungen der Innenverteidigerinnen in der Hinrunde.


Das gesamte Ranking und alle Positionen im Überblick

Die 5 besten Torhüterinnen
Die 5 besten Rechtsverteidigerinnen
Die 5 besten Innenverteidigerinnen
Die 5 besten Linksverteidigerinnen
Die 5 besten defensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten zentralen Mittelfeldspielerinnen

Die 5 besten offensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten Rechtsaußen
Die 5 besten Linksaußen
Die 5 besten Stürmerinnen


1. Die neue Abwehrchefin: Glodis Perla Viggosdottir (FC Bayern)

Glodis Viggosdottir
Zur Abwehrchefin gereift: Glodis Viggosdottir / Sebastian Widmann/GettyImages

Als Glodis Viggosdottir 2021 nach München wechselte, galt sie vor allem als Verstärkung des Kaders in der Tiefe. Bianca Rech, sportliche Leiterin der FC Bayern Frauen, sagte damals: "Um die Belastungen und Herausforderungen in der kommenden Saison zu meistern, benötigen wir einen qualitativ guten und breit aufgestellten Kader." Saki Kumagai, im gleichen Transferfenster verpflichtet, galt damals als künftige Stammspielerin in der Innenverteidigung.

Anderthalb Jahre später ist Viggosdottir zur unangefochtenen Abwehrchefin von Bayern geworden. Viggosdottir stand bisher jede Minute in der Frauen-Bundesliga auf dem Platz, ist zur Führungsspielerin gereift. Die Isländerin bezeichnete sich bei ihre Verpflichtung als "körperlich starke Innenverteidigerin, die sicher am Ball ist und ein gutes Auge für das Spiel hat", und hat dies inzwischen mehrmals unter Beweis gestellt.
Herausragend ist besonders ihre Spieleröffnung, mit der sie geschickt immer wieder das Spiel verlagert und Räume findet. Viggosdottir hat von allen Frauen-Bundesliga-Spielerinnen die meisten Pässe in das letzte Drittel gespielt und damit auch die höchste Distanz erzielt.

Die 27-Jährige ist aber keine bloße Schönwetter-Verteidigerin, sondern hat sich auch gegen den Ball nochmal gesteigert. Viggosdottir erlaubt sich kaum Unsicherheiten, ist stark in den Zweikämpfen und klärt dank ihrer guten Antizipation viele Bälle.

2. Die Quereinsteigerin: Sjoeke Nüsken (Eintracht Frankfurt)

Sjoeke Nuesken
Sjoeke Nüsken wächst in ihre neue Rolle herein / Christof Koepsel/GettyImages

Das Experiment mit Sjoeke Nüsken als Innenverteidigerin war eine riskante Wette von Eintracht-Trainer Niko Arnautis. Die 21-Jährige war schließlich zuvor mit ihrer Übersicht und Ballsicherheit ein wichtiger Bestandteil des Frankfurter Mittelfelds. Nach der Hälfte dieser Frauen-Bundesliga-Saison kann man sagen: Eine perfekte Innenverteidigerin ist Nüsken sicher noch nicht, aber das Potential ist vorhanden. Nüsken hat sich im Vergleich zum Anfang der Saison bereits sehr gesteigert.

Wie auch Viggosdottir hat Nüsken diese Saison alle Spiele absolviert, und auch sie hat ihre Stärken im Spielaufbau. Dass Nüsken eigentlich eine Mittelfeldspielerin ist, ist ihrem Spiel anzusehen: Wenn sie etwa einen perfekten Pass auf die schnellen Frankfurter Stürmerinnen schlägt, oder das Heft in die eigene Hand nimmt und ins Mittelfeld dribbelt.

Nicht immer gingen diese Aktionen gut, und Nüsken kann es sich auf ihrer neuen Position weniger leisten, ins Risiko zu gehen. Trotzdem konnte die 21-Jährige meist überzeugen. Ein wichtiger Grund dafür ist ihre Spielintelligenz : Mit durchschnittlich 3,3 abgefangenen Bälle pro Spiel gehört Nüsken zur absoluten Bundesliga-Spitze. Ihre weitere Entwicklung ist in jedem Fall etwas, auf das man in der Rückrunde ein Auge haben sollte.

3. Die Solide: Kathrin Hendrich (VfL Wolfsburg)

Kathrin-Julia Hendrich
Mit Erfahrung und Souveränität: Kathrin Hendrich / Martin Rose/GettyImages

Auch Hendrich spielte lange Zeit nicht in der Innenverteidigung: Wolfsburgs Nummer Vier wurde meist zwar in der Viererkette, aber auf rechts außen, eingesetzt. Seit etwa einem Jahr spielt die 30-Jährige nun auf der zentralen Position und fühlt sich dort pudelwohl. Hendrich interpretiert ihre Rolle teils etwas konservativer als ihre Kolleginnen, bringt sich aber durchaus auch offensiv mit ein. Ein Paradebeispiel dafür war das UWCL-Spiel gegen St. Pölten.

Hendrich mag nicht immer die Schnellste sein, aber das heißt nicht, dass es einfach wäre, an ihr vorbeizukommen. Mit gutem Zweikampfverhalten und starken Grätschen macht Hendrich Stürmerinnen das Leben schwer. Ihre größte Schwäche sind die Luftzweikämpfe, bei denen Hendrich oft den Kürzeren zieht. Aber bei Standardsituationen hat Wolfsburg viele kopfballstarke Spielerinnen zur Verfügung, sodass diese Schwäche bisher selten ausgenutzt wurde.

4. Die Robuste: Tainara (FC Bayern)

Tainara De Souza Da Silva
Tainara ist nach wenigen Monaten bereits gut in der Bundesliga etabliert / Sebastian Widmann/GettyImages

Zusammen mit Viggosdottir bildete Tainara in dieser Saison das vermutlich beste Innenverteidigungs-Duo der Frauen-Bundesliga. Nur drei Gegentore - zwei davon gegen Wolfsburg - sind ein Topwert. Tainara war erst im Sommer aus Bordeaux gekommen, konnte in München aber prompt überzeugen. Die Brasilianerin ergänzt sich gut mit Viggosdottir und zeichnet sich durch ihre Passsicherheit und Robustheit aus, geht gut in die Zweikämpfe. Gegenüber Kumagai ist sie zudem wendiger und athletischer.

Tainara kann auch offensiv für Gefahr sorgen, wie sie es bereits andeutete. Wie auch Viggosdottir konnte sie oft mit einem langen Pass einen Angriff einleiten. Tainara wurde auch mehrmals als Rechtsverteidigerin eingesetzt und machte dort mit defensiv soliden Leistungen ihren Job gut.

Die 23-Jährige hat noch Luft nach oben, was die Positionierung angeht, und der ein oder andere Stellungsfehler unterlief ihr noch. Dennoch ist es beeindruckend, wie schnell sie sich an die Frauen-Bundesliga und Alexander Straus' System angepasst hat. Mit 23 Jahren gehört sie zu den Jüngeren im Kader und wird sich sicher noch weiterentwickeln.

5. Alles abgefangen: Lisa-Marie Weiss (SV Meppen)

Lisa-Marie Weiss
Lisa-Marie Weiss weiß bei Meppen zu überzeugen / Lukas Schulze/GettyImages

Der SV Meppen ist eine der Überraschungen der Hinrunde: Mit einem jungen Team und einer neuen Trainerin, Carin Bakhuis, stehen die Emsländerinnen bisher auf Platz sieben. Für einen Aufsteiger mehr als nur ordentlich, Meppen zeigte sich bissig und sehr sattelfest in der Defensive. Die Verteidigung ist das Herzstück des Teams, das bisher nur zwölf Gegentreffer zugelassen hat. Das sind sieben weniger als Hoffenheim, fünf weniger als Freiburg, und auch das drittplatzierte Frankfurt hat sich ein Tor mehr gefangen. Damit macht Meppen auch eine gewisse offensive Harmlosigkeit wieder gut, denn nur zwei Teams haben weniger Tore erzielt als der SVM.

Dass eine Innenverteidigerin von Meppen in dieser Liste steht, ist also nur logisch. In punkto Spieleröffnung oder Präzision kann Abwehrchefin Lisa-Marie Weiss vielleicht nicht ganz mit Viggosdottir, Nüsken und Co. mithalten. Aber die 25-Jährige, die für Meppen jede Minute spielte, ist ein wichtiger Fels in der Abwehr. Weiß ist solide in den Zweikämpfen, ihre größte Stärke liegt aber im Abfangen von Bällen. Dort gehört sie zur Spitzengruppe der Frauen-Bundesliga und bereinigte so viel Gefahr.


Nicht vergessen werden sollten...

Bei Innenverteidigerinnen kann der Vergleich verschiedener Spielerinnen besonders schwer sein - so hat eine Abwehrspielerin bei Duisburg deutlich mehr zu tun als bei Bayern, und auch weniger Gelegenheiten, brillante Pässe in die Spitze zu spielen. Neben den fünf bereits genannten Spielerinnen taten sich noch weitere Innenverteidigerinnen hervor, die nicht unerwähnt bleiben sollten.

Bei Duisburg tat sich etwa der dänische Neuzugang Emilie Henriksen besonders hervor, die viel abräumte und auch in der Spieleröffnung solide war. Das Freiburger Abwehrduo mit Greta Stegemann und Samantha Steuerwald trug mit schönen langen Pässen viel zum Freiburger Offensivspiel bei, leistete sich aber auch den ein oder anderen Patzer. Im Werder-Trikot war die Österreicherin Katharina Schiechtl wohl die beste Verteidigerin und fast immer zur Stelle, wenn es etwas zu klären gab.


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