90min-Ranking: Die 5 besten Linksaußen der Frauen-Bundesliga-Hinrunde

Helene Altgelt
Schnell, technisch versiert, torgefährlich: Das sind die besten Flügelspielerinnen der Frauen-Bundesliga
Schnell, technisch versiert, torgefährlich: Das sind die besten Flügelspielerinnen der Frauen-Bundesliga / Insidefoto/GettyImages
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Bis Anfang Februar ist die Frauen-Bundesliga noch in der Winterpause. Danach geht es in die Rückrunde und damit in die entscheidende Phase der Saison. Auf welche Akteurinnen gilt es zu achten? Dafür hat 90min für jede Position die Spielerinnen ausgewählt, die in den bisherigen 10 Spielen überzeugen konnten - ob im Mittelfeld, in der Defensive oder im Tor. Heute: die besten Linksaußen der Hinrunde.


Das gesamte Ranking und alle Positionen im Überblick

Die 5 besten Torhüterinnen
Die 5 besten Rechtsverteidigerinnen
Die 5 besten Innenverteidigerinnen
Die 5 besten Linksverteidigerinnen
Die 5 besten defensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten zentralen Mittelfeldspielerinnen

Die 5 besten offensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten Rechtsaußen
Die 5 besten Linksaußen
Die 5 besten Stürmerinnen


1. Géraldine Reuteler (Eintracht Frankfurt)

Geraldine Reuteler, Lara Prasnikar, Laura Freigang
Beeindruckendes Sturm-Trio: Geraldine Reuteler, Lara Prasnikar und Laura Freigang / Christof Koepsel/GettyImages

Géraldine Reuteler spielte die wahrscheinlich beste Hinrunde ihrer Karriere und war in einer starken Eintracht-Offensive die entscheidende Figur. Die 23-Jährige kam zu Beginn der Saison mit Selbstvertrauen von der Europameisterschaft zurück, wo sie mit der Schweiz zwar früh ausgeschieden war, aber sehr gute Leistungen gebracht hatte.

Daran konnte Reuteler in der Frauen-Bundesliga nahtlos anknüpfen: Nach einem starken Saisonstart wurde sie die 90min-Spielerin des Monats September. Auch in den Monaten Oktober, November und Dezember ließ Reuteler nicht nach und blieb der Dreh- und Angelpunkt in Frankfurts Sturm.

Für die Schweizerin sind ihre Technik, Übersicht und Schnelligkeit ihre größten Stärken, wie sie im März im 90min-Fragebogen sagte. Diese Stärken spielte sie in der Hinrunde sehr gut aus: Reuteler riss in vielen Spielen mit klugen Laufwegen zahlreiche Lücken und setzte ihre Kolleginnen gekonnt in Szene. Ihre Spielintelligenz unterstreichen ihre 23 Schlüsselpässe, die einen Spitzenwert in der Frauen-Bundesliga darstellen. Reuteler ist auch die Spielerin in der Liga, von der die meisten Aktionen zu einem Torabschluss geführt haben. Pro Spiel sind es bei ihr durchschnittlich sechs solcher Aktionen, ob durch ein Dribbling, einen Pass oder einen eigenen Schuss.

Aber Reuteler kann solche Pässe nicht nur spielen, sondern auch empfangen: Hier belegt sie in der Liga den zweiten Rang, was zeigt, wie intuitiv sie sich mit ihren Sturmpartnerinnen versteht. Dank ihres Tempos und ihrer technischen Qualitäten stellt Reuteler die gegnerische Defensive im Eins-gegen-eins vor enorme Schwierigkeiten. Hinzu kommt ihre wichtige Rolle im Gegenpressing, für das die 23-Jährige mit ihrer Laufstärke geradezu prädestiniert ist.

Bei dieser nahezu perfekten Hinrunde war es schwer, Schwächen in Reutelers Spiel auszumachen - am ehesten wären hier ihre Chancenverwertung und ihre Unterlegenheit in der Luft zu nennen, denn bei Luftzweikämpfen zieht die 1,61 Meter große Reuteler meist den Kürzeren. Aber dieses kleine Manko wird von ihren Stärken mehr als wieder wettgemacht. Falls Reuteler auch in der Rückrunde ihre Leistungen bestätigt, werden sicherlich einige Klubs bei der Eintracht anklopfen.

2. Sveindis Jonsdottir (VfL Wolfsburg)

Sveindis Jonsdottir
Schwer zu stoppen: Sveindis Jonsdottir / Martin Rose/GettyImages

Jonsdottir stand nur ein einziges Mal in der Frauen-Bundesliga in Wolfsburgs Startelf, war aber trotzdem eine der besten Linksaußen-Spielerinnen. Wer die Nummer 23 auf der Anzeigetafel aufblinken sah, wusste: Jetzt wird es ganz schwierig, hier noch etwas mitzunehmen.

Bei zehn Wolfsburger Siegen aus zehn Spielen kann man sagen: Keine unbegründete Befürchtung. Jonsdottir spielte dabei eine besondere Rolle, sie war dafür zuständig, den Sack komplett zuzumachen. Die isländische Nationalspielerin ist mit ihrer Schnelligkeit und Technik wie gemacht für die Rolle als Joker. Jonsdottir einzuwechseln, wenn die Beine der gegnerischen Verteidigerinnen schon müde sind, ist schon fast ein Cheat-Code. Der 21-Jährigen gelang nicht jedes Dribbling, aber wenn doch, war Wolfsburg fast immer in einer gefährlichen Angriffssituation. 

Mit Jonsdottir wirkt Fußball so einfach: Langer Pass auf die linke Seite, Annahme, Sprint über das halbe Feld, Hereingabe in die Mitte und Tor. Einfach und doch sehr effektiv. Mit diesem Spielzug war Jonsdottir eine der gefährlichsten Spielerinnen der Liga, was sich auch daran zeigt, dass sie den höchsten Expected Assists-Wert pro 90 Minuten hat. Hatte Jonsdottir weniger Platz, tat sie sich teilweise aber schwer und blieb oft hängen. Vor dem Tor könnte Jonsdottir sich noch etwas kaltschnäuziger zeigen, aber ihr großes Potenzial ist auch dort zu sehen.

3. Klara Bühl (Bayern München)

Klara Bühl, Sarai Linder
Klara Bühl im Zweikampf mit Hoffenheims Sarai Linder / Simon Hofmann/GettyImages

Für die hochtalentierte Klara Bühl war es eine Hinrunde mit Höhen und Tiefen. Dass die 22-Jährige an guten Tagen auch zur internationalen Spitze gehört, ist unbestritten. Bei der EM stellte sie das beeindruckend unter Beweis. Dort zeigte sich in manchen Szenen die beste Bühl-Version: Selbstbewusst, mit gelungenen Dribblings, gut im Abschluss. Mit ihren Tempoläufen stiftete Bühl immer wieder Unruhe und öffnete Räume für ihre Mitspielerinnen.

Aber selbst bei der EM zeigte sich manchmal die andere Bühl-Version: Die, die auch in der Bundesliga-Hinrunde nicht immer überzeugte, in manchen Szenen fahrig wirkte, einfache Pässe nicht zu den Sturmkolleginnen brachte und zu viele falsche Entscheidungen traf.

Mal glänzte Bühl, mal blieb sie 90 Minuten über blass. In anderen Spielen setzte sie sich mehrmals stark durch, nur um dann wieder überhastet abzuschließen. Diese Inkonstanz ist ihre größte Baustelle, ist für eine junge Spielerin wie Bühl aber vollkommen normal. Die Nummer 17 war trotz der schwankenden Leistungen eine wichtige Spielerin für Bayern, denn eine einzige geniale Aktion von ihr änderte oft das Spiel und überwog so die schwächeren Momente.

4. Ereleta Memeti (TSG Hoffenheim)

Ereleta Memeti
Ereleta Memeti zeigte gute Leistungen im Trikot der TSG Hoffenheim / Christof Koepsel/GettyImages

Für Ereleta Memeti erwies sich ihr Transfer vom SC Freiburg zur Konkurrenz aus Hoffenheim als sehr gute Entscheidung. Bei der TSG hat sich Memeti als Spielerin nochmal weiterentwickelt. Während ihre Abschlüsse in ihrer SCF-Zeit noch als Memetis größte Schwäche galten, hat sie in der Hinrunde bereits achtmal für Hoffenheim eingenetzt, je viermal in der Liga und im Pokal.

Memeti half der TSG aber nicht nur als Torschützin. Ihre größten Stärken sieht sie in anderen Bereichen, wie sie im 90min-Interview verriet: "Ich glaube, dass ich durch meine Technik und Schnelligkeit eine ordentliche Dribblerin bin und mich gut im Eins-gegen-eins und Eins-gegen-zwei behaupten kann. Außerdem wird oft gesagt, dass meine Gegner den Ball gar nicht sehen, weil ich seinen sehr tiefen Körperschwerpunkt habe und der Ball direkt unter mir liegt", sagte Memeti im Oktober.

Darüber hinaus ist Memeti eine clevere Spielerin, die viele Fouls zieht und Hoffenheim damit einige Chancen, ob durch Elfmeter oder Freistoß, ermöglichte. Im Passspiel hat sie allerdings noch Luft nach oben, denn in einigen Situationen vergab Memeti leichtfertig eine Gelegenheit zum Kontern.

5. Lydia Andrade (SV Meppen)

Lydia Andrade
Viele von Meppens Angriffen liefen über sie: Lydia Andrade / Christof Koepsel/GettyImages

Andrade kam im Sommer vom FC Zürich zum Aufsteiger Meppen und avancierte prompt zu einer Leistungsträgerin der Emsländerinnen. Den Sprung von der schweizerischen höchsten Spielklasse in die Frauen-Bundesliga schaffte sie gut, auch wenn der Anfang nicht ganz einfach war: "Das Tempo ist viel, viel höher. Das ist mir schon in der ersten Woche aufgefallen. In der Schweiz hast du Zeit ohne Ende. Die Bundesliga ist wirklich eine Top-Liga, das habe ich vorher nicht so wahrgenommen", sagte Andrade im 90min-Podcast Raus aus dem Abseits.

Andrade ist als schnelle Stürmerin auf der linken Seite eine wichtige Anspielstation für Meppen. Der SVM setzt viel auf Konter, daher spielt Andrade mit ihren Sololäufen und Dribblings nach einem langen Ball eine wichtige Rolle.

Andrade muss in einigen Bereichen noch zulegen, etwa bei der Passgenauigkeit und der Entscheidungsfindung. Teils vertändelt die 23-Jährige den Ball zu schnell - ihre Unbekümmertheit ist eine große Stärke von Andrade, hat aber auch ihre Nachteile. Trotzdem war sie mit ihrer Laufstärke und auch ihrem Engagement hinten, wo sie vorbildlich in der Defensive aushalf, eine wichtige Spielerin für Meppen.


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