90min-Ranking: Die 5 besten defensiven Mittelfeldspielerinnen der Frauen-Bundesliga-Hinrunde

Helene Altgelt
Nicht nur in der Frauen-Bundesliga eine der Besten, sondern weltweit: Lena Oberdorf
Nicht nur in der Frauen-Bundesliga eine der Besten, sondern weltweit: Lena Oberdorf / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages
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Rund 400 000 Euro überwies der FC Barcelona im Sommer nach Manchester, eine Rekordsumme im Frauenfußball. Das Besondere daran: Keira Walsh ist keine torgefährliche Stürmerin oder technisch versierte Flügelspielerin, sondern auf der Sechs zuhause. Der Transfer zeigte, wie wichtig eine gute defensive Mittelfeldspielerin heutzutage ist. Auch in der Frauen-Bundesliga tragen die Sechserinnen als Abräumerinnen und erste Station im Angriff eine besondere Verantwortung - das ist das 90min-Ranking:


Das gesamte Ranking und alle Positionen im Überblick

Die 5 besten Torhüterinnen
Die 5 besten Rechtsverteidigerinnen
Die 5 besten Innenverteidigerinnen
Die 5 besten Linksverteidigerinnen
Die 5 besten defensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten zentralen Mittelfeldspielerinnen

Die 5 besten offensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten Rechtsaußen
Die 5 besten Linksaußen
Die 5 besten Stürmerinnen


1. Lena Oberdorf (VfL Wolfsburg)

Lena Oberdorf
Lena Oberdorf in Aktion in der UWCL / Martin Rose/GettyImages

Lena Oberdorf machte da weiter, wo sie bei der EM aufgehört hatte, als sie als beste junge Spielerin ausgezeichnet wurde: Sie grätschte, lief, antizipierte und nahm der Wolfsburger Viererkette so einen guten Teil der Arbeit ab. Ihre Grätschen, bei denen das Timing fast immer stimmt, sind der Graus einer jeder Stürmerin. Oberdorf gehört aber nicht nur dort, sondern auch bei den abgefangenen Bällen zu den besten Spielerinnen der Frauen-Bundesliga, was ihre gute Übersicht unterstreicht. Oberdorf selbst sagt, dass sie weiter daran arbeiten will, und die Früchte dieser Sonderschichten sind bereits zu sehen.

Mit immer noch jungen 21 Jahren ist Oberdorf als Spielerin außerdem gereift. Sinnbildlich dafür die Gelbe-Karten-Statistik: Letztes Jahr holte sie sich noch neun gelbe Kartons im Wolfsburger Trikot ab, in der Hinrunde wurde sie dagegen nur ein einziges Mal verwarnt.

Dazu entwickelt sich Oberdorf am Ball stetig weiter, spielte diese Saison bereits einige Zuckerpässe und bewies ihre gute Übersicht so auch am offensiven Ende des Feldes. Durchschnittlich sechs von diesen Pässen spielt sie pro 90 Minuten, ein Top-Wert. Auch in puncto Torgefahr, besonders mit dem Kopf, gehört Oberdorf zu den besten defensiven Mittelfeldspielerinnen der Liga. Mit jeder Saison scheint sich die Liste ihrer Schwächen weiter zu verringern - ein Punkt, der noch verbleibt, ist die Passgenauigkeit. Aber man kann davon ausgehen, dass sie auch daran noch arbeiten wird.

2. Sarah Zadrazil (Bayern München)

Sarah Zadrazil
Sarah Zadrazil ist zu einer echten Führungsspielerin für Bayern geworden. / Daniel Kopatsch/GettyImages

"Sarah hat in den letzten zwei Jahren beim FC Bayern gezeigt, wie wichtig sie für dieses Team ist. Sie ist bei uns der Mittelfeldmotor, gerade im Defensivbereich, das zeichnet sie aus", sagte Bayerns Sportliche Leiterin Bianca Rech im November.

Da war die Vertragsverlängerung von Sarah Zadrazil in München gerade druckreif geworden. Das Lob von Rech zeigt, wie schnell sich Zadrazil bei Bayern etabliert hat, es ist leicht zu vergessen, dass sie erst seit zweieinhalb Jahren beim Vizemeister spielt. Damals kam Zadrazil von Turbine Potsdam, der Wechsel war für sie ein großer Schritt und mit einigen Unsicherheiten verbunden.

"Ich wusste nicht, ob ich bei Bayern spielen würde, denn der Kader dort ist stark besetzt. Man kann nicht zu Bayern gehen und erwarten, dass man jedes Spiel in der Startelf steht", sagte Zadrazil nach einem Jahr in München in einem Interview zu ihren Zweifeln vor dem Wechsel. In jedem Spiel stand Zadrazil auch diese Saison nicht in der Startelf, aber die 29-Jährige war schon sehr nah dran: Neunmal in zehn Spielen gab Bayern-Trainer Alexander Straus ihr von Anfang an sein Vertrauen.

Mit Straus hat Bayern eine sehr erfolgreiche Hinrunde hinter sich, deren Highlight der Sieg gegen Barcelona in der Allianz-Arena war. Zadrazil stand auch da 90 Minuten auf dem Rasen und wusste mit ihrer Zweikampfstärke zu überzeugen. Das passt auch zu Zadrazils Selbstbild: "Ich glaube, ich bin auch ein Arbeitstier im Mittelfeld. Ich versuche, vor der Abwehr abzuräumen und in der Spielgestaltung sind im zentralen Mittelfeld dann andere gefragt. Ich schaue, dass ich denen den Rücken freihalte", sagte sie im Gespräch mit web.de.

Daneben liegen Zadrazils Stärken im Passspiel, auch wenn sie selbst dafür keine Lorbeeren einheimsen will. Aber die Zahlen sprechen für sich: Mit 87,8% Passgenauigkeit ist die Österreicherin eine der sichersten Spielerinnen der Liga. Zadrazil hat sich dort seit ihrer Ankunft in München deutlich gesteigert und trägt, besonders gegen schwächere Gegner, inzwischen auch mehr und mehr zum Offensivspiel bei.

3. Elisa Senß (Bayer Leverkusen)

Elisa Senss
Kreativ und quirlig: Elisa Senß von Bayer Leverkusen / Jam Media/GettyImages

Elisa Senß ist dagegen eine defensive Mittelfeldspielerin, die sich weniger durch ihre Härte in den Zweikämpfen definiert. Die Bayer-Spielerin zeichnet sich dagegen durch ihre Kreativität, Ruhe und Übersicht aus. Senß, die im Sommer aus Essen gekommen, ist es immer zuzutrauen, den entscheidenden Pass in die Spitze zu spielen.

Die 25-Jährige ist auch technisch sehr versiert und geht gerne mal ins Dribbling. Dazu ist sie die Frauen-Bundesliga-Spielerin, die aufgrund ihrer quirligen Spielweise am meisten gefoult wurde - für eine defensive Mittelfeldspielerin eine ungewöhnliche Stärken. Senß spielt manchmal auch weiter vorne, fühlt sich aber auf der Sechs zuhause. Ihr Spiel ist erfrischend anders und sie traut sich auch mal, aus dem System auszubrechen und selbst etwas zu versuchen.

Defensiv hat Senß noch Luft nach oben, und andere schmeißen sich öfters in die Schüsse oder grätschen die Stürmerinnen weg. Das macht Senß aber mit anderen Qualitäten wett und hat ligaübergreifend die meisten Zweikämpfe gewonnen (135). Auch hier geht Senß, die nach ihrem Wechsel prompt Kapitänin geworden war, mit gutem Beispiel voran.

4. Tanja Pawollek (Eintracht Frankfurt)

Tanja Pawollek, Tainara
Kopfballstark: Tanja Pawollek (rechts) / Alex Grimm/GettyImages

Vor ziemlich genau einem Jahr gab Tanja Pawollek ihr Comeback. Acht Monate lang hatte die polnische Nationalspielerin davor nur zuschauen können, ein Kreuzbandriss setzte sie außer Gefecht. Die Eintracht vermisste Pawollek in dieser Zeit sehr. Trotz ihres jungen Alters ist die 23-Jährige bereits sehr erfahren, führt Frankfurt mit der Kapitänsbinde auf den Platz.

Pawollek ist weniger ein kreativer Freigeist wie Senß. Dafür ist sie bei Standards aber eine wichtige Waffe im Eintracht-Arsenal und strahlt vorne Gefahr aus. Bisher hat sie zweimal getroffen, was für eine defensive Mittelfeldspielerin kein schlechter Wert ist.

Was ihr vorne hilft, ist auch im defensiven Bereich Pawolleks größter Trumpf. Frankfurts Nummer 31 ist sehr stark in der Luft und räumt viel ab. Damit verschafft sie Dunst, Freigang und Co. eine Absicherung für das Spiel nach vorne. In Spielen ohne Pawollek hat sich schon öfters gezeigt, was ohne das unauffällige, aber wichtige Spiel von ihr passieren kann. Als Stabilisatorin ist Frankfurts Kapitänin für ihr Team unersetzlich - auch wenn die durchaus dazu beitragen könnte, das Eintracht-Offensivspiel variabler zu gestalten.

5. Katharina Piljić (SGS Essen)

Katharina Piljic
Mittelfeldtalent bei der SGS: Katharina Piljic / Oliver Hardt/GettyImages

Die SGS Essen ist als Kaderschmiede der Frauen-Bundesliga bekannt: Lena Oberdorf reifte dort vom Talent zur Bundesliga-Spielerin, auch Linda Dallmann, Nicole Anyomi und Marina Hegering spielten in Essen. Hegering, eigentlich meist Innenverteidigerin, spielt seit ihrem Wechsel nach Wolfsburg meist im defensiven Mittelfeld. Vielleicht ist es ja das Essen-Gen?

Denn dort fühlt sich auch ein weiteres Talent der SGS zuhause: Katharina Piljić ist mit ihren 19 Jahren bereits Stammspielerin bei Essen, und sie ist eine weitere Spielerin, die es sich lohnt, im Auge zu behalten. Piljic ist, was die Position angeht, flexibel und kann auch zentral in der Viererkette oder weiter vorne spielen. Auf der Sechs kann sie aber die beiden Positionen vereinen.

Piljić ist noch keine fertige Spielerin: Teils ist ihr ihre Unerfahrenheit noch anzumerken, wenn es ihr etwa nicht gelingt, den Ball zu klären. Auch Kopfballduelle sind nicht ihre größte Stärke. Aber Piljić hat schon einige sehr vielversprechende Ansätze gezeigt und ihr ist noch eine gute Entwicklung zuzutrauen.

Die SGS-Spielerin beherrscht bereits die Kunst, ihrem Team defensiv und offensiv weiterzuhelfen. Bei beidem hilft ihr ihre gute Antizipation. So hat Piljić etwa Top-Werte bei den abgefangenen Bällen und blockierten Schüssen, aber auch bei den offensiven Aktionen. Dazu kommen eine gute Technik, sowohl beim Dribbeln als auch beim Schießen. Diese Saison musste Piljić in einigen Spielen noch Lehrgeld zahlen, zeigte gegen Duisburg und Hoffenheim aber schon ihr Können.


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