90min-Ranking: Die 5 besten Rechtsverteidigerinnen der Frauen-Bundesliga-Hinrunde

Helene Altgelt
Lynn Wilms vom VfL Wolfsburg konnte in der Hinrunde voll und ganz überzeugen
Lynn Wilms vom VfL Wolfsburg konnte in der Hinrunde voll und ganz überzeugen / Christof Koepsel/GettyImages
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Volle Kraft nach vorne! Traditionell sind Rechtsverteidigerinnen eher für die Defensive zuständig, im modernen Fußball wird von ihnen aber auch Unterstützung im Angriff gefordert. Auch im 90min-Ranking der besten Rechtsverteidigerinnen der Frauen-Bundesliga-Hinrunde sind alle Spielerinnen offensivstark. Wie sie sich vorne einschalten, ist aber ganz verschieden: Ob mit Ballmitnahmen, Flanken oder langen Bällen.


Das gesamte Ranking und alle Positionen im Überblick

Die 5 besten Torhüterinnen
Die 5 besten Rechtsverteidigerinnen
Die 5 besten Innenverteidigerinnen
Die 5 besten Linksverteidigerinnen
Die 5 besten defensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten zentralen Mittelfeldspielerinnen

Die 5 besten offensiven Mittelfeldspielerinnen
Die 5 besten Rechtsaußen
Die 5 besten Linksaußen
Die 5 besten Stürmerinnen


1. Flanken und Offensivdrang: Lynn Wilms (VfL Wolfsburg)

Lynn Wilms
Voll in Wolfsburg angekommen: Lynn Wilms / Christof Koepsel/GettyImages

"Ich würde mich als moderne Verteidigerin beschreiben, ich kann auf der kompletten rechten Seite spielen. Ich verteidige gerne, aber schalte mich auch gerne in die Offensive ein. Ich schieße auch Ecken und lege gerne auf. Ich möchte immer wichtig für das Team sein. Und ich bin mit viel Emotion und Leidenschaft dabei, investiere sehr viel Energie ins Spiel. Wenn ich auf dem Platz bin, hört man mich wahrscheinlich", sagte Lynn Wilms
zu Beginn ihrer Zeit in Wolfsburg.

Anderthalb Jahre später kann man sagen, dass sie diese Stärken auch im grünen Dress komplett zeigt. Wilms ist die offensiv effektivste Rechtsverteidigerin der Frauen-Bundesliga geworden. Die 22-Jährige steuerte bereits drei Vorlagen bei, was vor allem ihren buttwerweichen Flanken geschuldet ist. Im Schnitt führen fast vier von Wilms' Aktionen im Spiel zu einem Torschuss (Quelle: fbref.com) - Höchstwert unter den Rechtsverteidigerinnen.

Mit diesem Offensivdrang hat sich Wilms einen Stammplatz vor der etwas konservativer agierenden Joelle Wedemeyer erkämpft. Inzwischen hat sie sich sehr gut in das Wolfsburger Ensemble eingefügt, harmoniert mit Svenja Huth auf der rechten Seite.

Defensiv kann Wilms noch ein wenig zulegen, besonders gegen schnelle Flügelspielerinnen. Ihre Fähigkeit, zu antizipieren, macht aber bereits viel wett. Wilms kann so einige brisante Situationen lösen, auch wenn sie vorher nicht ideal positioniert war. Dass die Niederländerin die meisten Bälle abgefangen hat, zeigt ihre Intelligenz auf dem Platz.

2. Führungsspielerin mit Laufstärke und signature move: Ally Gudorf (1. FC Köln)

Ally Gudorf
Ally Rudorf in Aktion / Christof Koepsel/GettyImages

"Wenn ich mich in den kommenden Jahren gut entwickle, kann die Nationalmannschaft ein Thema werden", sagte Ally Gudorf vor der Saison im 90min-Interview. Ein ambitioniertes Ziel für die 21-Jährige, aber dem ist sie mit einer starken Hinrunde bereits ein großes Stück näher gekommen. Gudorf hat sich mit couragierten Leistungen in die Herzen der Effzeh-Fans und ins Blickfeld von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg gespielt.

Das Kölner Eigengewächs ist die Definition eines Flügelflitzers: Gudorf besticht durch ihre Laufstärke und ihren Anteil bei Kölns Angriffen. Der Großteil dieser läuft über sie, meist indem Gudorf den Ball von rechts ins Mittelfeld treibt. Nach innen zu ziehen ist ihr "signature move", der in vielen Fällen Platz für Kölns Angreiferinnen schafft.

Ihre Erfahrung als Rechtsaußen und Mittelfeldspielerin ist Gudorf dabei anzusehen. Sie scheut sich nicht, mal zu einem Dribbling anzusetzen, und gewinnt mit 54,3% die meisten davon - für eine Rechtsverteidigerin ungewöhnlich. Der Makel in ihrem Offensivspiel ist noch die fehlende Präzision, denn trotz einiger guter Möglichkeiten konnte Gudorf noch nicht über ihr erstes Bundesliga-Tor jubeln. Das Gleiche gilt auch für die Passgenauigkeit, wo sie noch zulegen kann.

Defensiv ist Gudorf dank ihrer bereits erwähnten Laufstärke aber oft auf der Höhe, macht ihre Schwächen mit viel Einsatz wett: Die 21-Jährige wirft sich in jeden Ball. Nach zehn Spielen steht sie bei 46 Grätschen und abgefangenen Pässen, was unter diesen sechs Spielerinnen ein Höchstwert ist. Mit diesem Einsatz reißt Gudorf auch die anderen mit und ist zu einer echten Führungsspielerin gereift.

3. Solide und stark bei langen Bällen: Sophia Kleinherne (Eintracht Frankfurt)

Sophia Kleinherne
Sophia Kleinherne / Omar Vega/GettyImages

Neue Saison, neue Viererkette: Das war Niko Arnautis' Motto vor der Saison, und so sieht die Frankfurter Verteidigung in dieser Spielzeit etwas umgewürfelt aus. Sjoeke Nüsken ist jetzt dauerhaft in der Innenverteidigung eingesetzt statt im defensiven Mittelfeld. Damit rückte Sophia Kleinherne auf die rechte Außenverteidigung. Ihre Erfahrung als Innenverteidigerin erklärt auch, warum sie die defensivste Rolle in dieser Liste einnimmt. Auf dieser Rolle macht es Kleinherne gut, klärt viel und hilft oft dem Innenverteidigungs-Duo Doorsoun/Nüsken. Bezeichnend dafür ist, dass sie die meisten Schüsse blockiert hat.

Kleinhernes defensive Leistungen gehen allerdings etwas auf Kosten ihres Engagements im Angriff. Die 22-Jährige ist nicht bekannt dafür, mit voller Wucht nach vorne zu stürmen. Dadurch entsteht bei der Eintracht eine Asymmetrie, denn Verena Hanshaw auf der linken Seite nimmt diese Rolle gerne an und steht oft weit vorne. Kleinherne bringt sich weniger mit Dribblings ein, spielt dafür aber sehr gute lange Bälle (Passgenauigkeit: 69,4%) und öffnet so Räume. Auch ihre Flanken sind meist gut.

Kleinherne wird bereits die WM im nächsten Sommer im Hinterkopf haben: Sie ist bereits Nationalspielerin und der Posten als Rechtsverteidigerin durch die Verletzung von Giulia Gwinn aktuell vakant. Bis zur Weltklasse-Rechtsverteidigerin ist es für Kleinherne noch ein Stück - dafür ist es ihr noch zu stark anzumerken, dass sie sich in der Innenverteidigung mehr zu Hause fühlt, sowohl defensiv als auch offensiv. Aber mit einer sehr guten Hinrunde kann sie sich in eine aussichtsreiche Position bringen.

4. Die Dynamische: Maximiliane Rall (Bayern München)

Maximiliane Rall, Ereleta Memeti
Maximiliane Rall (links) im Spiel gegen ihren Ex-Klub Hoffenheim / Simon Hofmann/GettyImages

In eine gute Position bringen will sich auch Maximiliane Rall, die sich ebenfalls Hoffnungen auf den Stammplatz bei der WM machen kann. Im Sommer 2022 fuhr sie zum Erstaunen vieler nicht mit zur EM, stattdessen war die Frankfurter Flügelspielerin Nicole Anyomi Gwinns Back-up. Wie Anyomi kommt auch Rall von einer offensiveren Position, wird diese Saison aber konstant bei Bayern als Rechtsverteidigerin eingesetzt.

"Dynamik" ist das Wort, das Rall am besten charakterisiert. Die 29-Jährige hat einen großen Zug zum Tor, zieht sehr gerne von der Eckfahne in den Strafraum. Auch beim Kontern ist Rall eine explosive Spielerin, die nur schwer zu stoppen ist. Allerdings macht die Bayern-Spielerin sich diese Stärken öfters selbst wieder zunichte, wenn ihr Abspiel zu ungenau ist. So schwer es ist, Rall zu stoppen, wenn sie einmal Fahrt aufgenommen hat, so schwer tut sie sich auch selbst im Kombinationsspiel nach vorne.

Defensiv fällt das Bild ebenfalls gemischt aus: Rall ist keine gelernte Verteidigerin, und das zeigen ihr Zweikampfverhalten und ihre Positionierung auch. Sie hat in diesen Bereichen schon Fortschritte gemacht, leistet sich aber dennoch einige Unsicherheiten. Ein Punkt für sie ist aber ihr Kopfballspiel, das ihr auch offensiv hilft - so erzielte Rall etwa das wichtige 1:2 für Bayern im Champions-League-Gruppenspiel gegen Benfica.

5. Flankenläufe und Zweikampfstärke: Michaela Brandenburg (Werder Bremen)

Michaela Brandenburg
Zum ersten Mal diese Saison in Grün: Michaela Brandenburg / Juergen Schwarz/GettyImages

Nach zehn Spielen steht Werder auf einem Abstiegsplatz, nur vier Punkte konnten die Bremerinnen bisher erwirtschaften. Wo der Schuh drückt, ist schnell festgestellt: Wie auch letzte Saison schon tut sich der SVW schwer, Tore zu erzielen. Nur sechsmal ließen sie das Netz zappeln, einige gute Chancen wurden auch ausgelassen. Kombiniert mit einigen vermeidbaren defensiven Fehlern ergibt das ein unglückliches Bild für Werder in der Winterpause.

Wer Schuld an der Misere ist, ist schon schwerer zu sagen - schließlich ist das Problem nicht nur der Chancenwucher der Offensive, sondern auch das Aufbauspiel. Ohne Michaela Brandenburg sähe das eventuell noch schwieriger aus: Die 25-Jährige, im Sommer aus Sand gekommen, ist Werders Motor auf rechts und treibt das Spiel der Grün-Weißen oft nach vorn. Ihre Flankenläufe machen Brandenburg zu einem unverzichtbaren Teil des Bremer Offensivspiels, auch dribbeln kann sie.

Brandenburg ist aber auch als Abwehrspielerin sattelfest und wurde auch schon als Innenverteidigerin eingesetzt. Sie ist sehr zweikampfstark und ihre Schnelligkeit hilft Brandenburg auch hinten. Wie bei den meisten Werder-Spielerinnen sind technische Fehler und die Passgenauigkeit Punkte bei Brandenburg, die es zu verbessern gilt. Dennoch kann die 25-Jährige noch zu einem wichtigen Trumpf im Abstiegskampf werden.


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