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EM 2020

Zeit für eine EM-Überraschung? Diese Teams könnten es Griechenland nachmachen

Dominik Hager
Jun 10, 2021, 1:52 PM GMT+2
2004 feierten völlig überraschend die Griechen: Welches Team hat die Chance, es Charisteas und Co gleichzutun?
2004 feierten völlig überraschend die Griechen: Welches Team hat die Chance, es Charisteas und Co gleichzutun? / Milos Bicanski/Getty Images
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Die letzte wirkliche Sensation bei einem großen Turnier ist mittlerweile schon ganze 17 Jahre her. Bei der EM 2004 in Portugal wurde Griechenland völlig überraschend Europameister. Mit Otto Rehhagel und seinem Team hatte damals wahrlich niemand gerechnet. Doch die defensiv kaum überwindbaren Griechen zogen ins Finale ein und bezwang Gastgeber Portugal dank Angolos Charisteas mit 1:0. Wir schauen uns mal an, welche Teams bei der kommenden EM 2020 für ähnlich viel Furore sorgen könnten.

1. Dänermark

Christian Eriksen
Die Dänen um Christian Eriksen präsentierten sich zuletzt extrem stark. Überraschen uns die Nordeuropäer auch bei der EM? / CHRISTOF STACHE/Getty Images

29 Jahre ist es mittlerweile her, als die Dänen die große Fußball-Sensation schafften und Deutschland im EM-Finale 1992 bezwangen. Dabei wären die Nordeuropäer gar nicht für das Turnier qualifiziert gewesen, zumal das Team in der Qualifikation an Jugoslawien gescheitert war. Als dort der Krieg ausbrach kamen die Dänen nach dem Ausschluss der Jugoslawen doch noch zu ihrer Chance.

Heute sind die Voraussetzungen jedoch erstmal grundlegend besser als vor knapp 30 Jahren. Die Dänen schafften die Qualifikation als Gruppen-Zweiter hinter der Schweiz und überzeugten auch in den letzten Spielen. Im Jahr 2021 stehen bislang vier Siege gegen Israel (2:0), Moldau (8:0), Österreich (4:0) und Bosnien-Herzegowina (2:0). Lediglich gegen Deutschland kassierte die Elf von Trainer Kasper Hjulmand einen Gegentreffer und musste sich mit einem 1:1 begnügen.

Bei den Resultaten wird bereits klar, dass die Stärke der Dänen in der Defensive liegt. Verwunderlich ist dies nicht, zumal das Team mit Kasper Schmeichel (Leicester City) einen ganz erfahrenen Schlussmann im Kasten stehen hat. In der Innenverteidigung haben die Dänen mit Milans Simon Kjaer und Chelsea-Star Andreas Christensen zwei absolut international erprobte Innenverteidiger im Kader. Jannik Verstergaard und Joachim Andersen stellen zudem weitere starke Alternativen dar.

Ein weiteres Prunkstück des Teams ist das Mittelfeld. Der frühere Münchner Pierre-Emile Höjbjerg hat eine tolle Entwicklung hinter sich gebracht und ist bei den Spurs Stammspieler. Gemeinsam mit dem Dortmunder Thomas Delaney wird er den Laden im Mittelfeld zusammenhalten. Für die kreativen Momente ist hingegen Christian Eriksen zuständig, der zwar keine gute Saison hinter sich hat, grundsätzlich aber ein genialer Spielgestalter ist.

Lediglich die Offensive ist vielleicht nicht ganz auf dem Niveau der Top-Teams. Mit Yussuf Poulsen (Leipzig), Kasper Dolberg (Nizza) und Martin Braithwaite stehen aber dennoch Spieler zur Verfügung, die auf höchstem Niveau kicken. Ein richtiger Knipser fehlt aber leider ein wenig.

Trotzdem ist davon auszugehen, dass sich die Dänen in der Gruppe mit Belgien, Finnland und Russland zumindest auf Rang zwei einfinden. In der K.o.-Phase wird man zwar meist Außenseiter sein, mit der starken Defensive und gutem Teamwork aber stets eine harte Nuss darstellen. Die Dänen haben ähnlich wie bei der U21-EM absolut die Chance, alle zu überraschen.

2. Österreich

David Alaba
Können Alaba und Co bei der EM endlich zu einer Einheit werden? / Christian Hofer/Getty Images

Zwar pflegt man zu sagen, dass Österreich und Fußball in etwa so gut zusammenpasst, wie Weißwürste und Ketchup, jedoch sollte man die Alpenrepublik diesmal nicht unterschätzen. Eine Überraschung wäre es jedoch sicherlich, wenn die Österreicher wirklich weit kämen, zumal der letzte Einzug in eine EM-K.o.-Phase mittlerweile 57 Jahre her ist.

Zumindest schaffte das Team hinter den Polen relativ klar den Einzug ins Turnier. Allerdings gewann man im Jahr 2021 lediglich ein Spiel gegen die Färöer-Inseln (3:1). In den letzten beiden Testspielen (0:1 gegen England und 0:0 gegen die Slowakei) passte zumindest aber die Defensiv-Leistung.

Zwei Dinge, die den Fans zudem Hoffnung machen können, ist zum einen die vergleichsweise schwache Gruppe, mit Holland, der Ukraine und Nordmazedonien und zum anderen der eigentlich recht gut besetzte Kader. Tatsächlich befinden sich zahlreiche Leistungsträger aus der Bundesliga im österreichischen Team.

Der bekannteste Mann ist natürlich David Alaba, dem allerdings häufig vorgeworfen wird, im Nationaldress wesentlich schwächer zu spielen, als im Verein. Der perfekte Zeitpunkt ist für den 28-Jährigen also gekommen, die Kritiker verstummen zu lassen. Als aggressiver Abwehr-Leader wird auch Martin Hinteregger (Eintracht Frankfurt) eine wichtige Rolle spielen. Mit Stefan Lainer (Gladbach) verfügt das Team zudem über einen sehr konstanten und erfahrenen Rechtsverteidiger.

Im Mittelfeld ist Leipzigs Marcel Sabitzer der Dreh- und Angelpunkt. Eine wichtige Rolle wird jedoch auch Xaver Schlager einnehmen, der in Wolfsburg eine glänzende Saison hingelegt hat. Zuletzt meldete sich auch Leipzigs Laufwunder Konrad Laimer zurück, der dem Team lange gefehlt hat. Im offensiven Mittelfeld dürfen wir sehr gespannt auf das 21-jährige Mittelfeld-Talent Christoph Baumgartner sein, der mit 16 Torbeteiligungen zu den positiven Überraschungen in Hoffenheim zählte.

Vorne steht den Österreichern mit Sasa Kalajdzic die Neuentdeckung der abgelaufenen Bundesliga-Saison zur Verfügung. Der 2 Meter große Stürmer erzielte 16 Tore und gab sechs Vorlagen. Ein kleines Fragezeichen gibt es jedoch um die Form von Marko Arnautovic, der zuletzt lediglich in China kickte.

Nichtsdestotrotz hat unser kleines Nachbarland eigentlich eine sehr stark besetzte Mannschaft. Dies muss sich jetzt nur noch auf die Ergebnisse auswirken. Die Gruppe lässt den Einzug ins Achtelfinale eindeutig zu, was den Außenseiter zusätzliches Selbstvertrauen geben könnte. Was im Anschluss passiert, weiß keiner so genau.

3. Kroatien

Kroatien
Gelingt den Kroaten nach 2018 doch noch der ersehnte Triuphzug? / Isosport/MB Media/Getty Images

Es ist natürlich fragwürdig, Kroatien in den Kreise der Außenseiter-Teams aufzunehmen, zumal die Südeuropäer im Jahr 2018 den Sprung ins WM-Finale geschafft haben. Dies ist allerdings nun auch schon drei Jahre her und viele sprachen von einer einmaligen Chance, zumal das Team schon damals langsam in die Jahre kam.

Die Befürchtungen scheinen sich bestätigt zu haben. Das Jahr 2021 lief für die Kroaten jedenfalls alles andere als gut. Das Team konnte lediglich gegen Zypern (1:0) und Malta (3:0) gewinnen. In der WM-Quali patzte man jedoch gegen die Slowenen mit einer 0:1-Niederlage. Die letzten beiden Testspiele gegen Armenien (1:1) und Belgien (0:1) dürften die Euphorie auch nicht unbedingt gesteigert haben.

Tatsächlich hat der Vize-Weltmeister von 2018 gerade einmal drei der letzten zehn Spiele gewonnen. Von einer Mitfavoriten-Stellung hat sich die Elf von Zlatko Dalic demnach längst verabschiedet.

Bei der EM muss man Kroatien aber dennoch immer auf der Rechnung haben. Schließlich sprechen wir hierbei von einer absoluten Turnier-Mannschaft, die regelrecht auf Großveranstaltungen brennt und in der jeder Spieler die Bereitschaft mitbringt, sich für sein Land zu zerreißen. Nach dem Schmerz der Final-Niederlage gegen Frankreich 2018 wird das Team alles dafür tun, nicht als Verlierer vom Platz gehen zu müssen.

Von einer Leistungssteigerung darf also jeder ausgehen. Gerade erfahrene Kicker, wie Modrić oder Perišić werden sich in Testspielen nicht voll ausgepowert haben, bei einem Großereignis aber sicherlich noch den ein oder anderen Top-Auftritt im Tank haben.

Die Offensive ist mit Ante Rebić und Andrej Kramarić wirklich extrem stark und torgefährlich. Zudem haben auch die offensiven Mittelfeldspieler Vlasic (ZSKA Moskau) und Pasalic (Atalanta Bergamo) eine gute Saison gespielt.

Im Mittelfeld befinden sich neben Modrić mit Brozović (Inter Mailand) und Kovačić (Chelsea) zwei Spieler, die seit Jahren bei einem internationalen Top-Klub unter Vertrag sind und sich im besten Fußball-Alter befinden.

Sorgen macht bei den Kroaten lediglich die Abwehr. Kapitän Dejan Lovren hat seine beste Zeit hinter sich und ist zudem noch verletzt. Rechtsverteidiger Sime Vrsaljko spielt zudem bei Atlético Madrid kaum noch eine Rolle. Die Hoffnung liegt also auf der jungen Garde um Marseille-Profi Duje Caleta-Car und dem Leipziger Neuzugang Josko Gvardiol.

Kroatien ist definitiv eine der größten Wundertüten des Turniers. Vom Aus in der Vorrunde bis hin zum EM-Titel scheint eigentlich alles möglich zu sein.

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