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DFB-Team

England vs. Deutschland: Die Teams im Head-to-head-Vergleich

Dominik Hager
Traditionell eine knappe Kiste: Wer hat beim "Head-to-head"-Vergleich das Nachsehen?
Traditionell eine knappe Kiste: Wer hat beim "Head-to-head"-Vergleich das Nachsehen? / Cameron Spencer/Getty Images
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England gegen Deutschland ist ein Achtelfinal-Kracher, wie er im Buche steht. Für beide Teams wird das Traditions-Duell womöglich die schwierigste Partie auf dem Weg ins EM-Finale. Gänzlich überzeugen konnten jedoch bislang beide Teams nicht, was die Ausgangslage nur noch spannender macht. Anhand eines Head-to-head-Vergleichs wollen wir uns zunächst ansehen, welche Nation auf dem Papier die besseren Chancen auf den Sieg hat.


Jordan Pickford – Manuel Neuer

Bislang war Manuel Neuer bei der EM noch kein positiver Faktor, während sich Jordan Pickford zumindest noch nichts zu Schulden kommen lassen hat und sogar ohne Gegentor blieb. Allerdings ist der DFB-Keeper zweifelsfrei der bessere und komplettere Torhüter und kann im Achtelfinal-Duell eine entscheidende Rolle spielen.

Der Bayern-Schlussmann ist routiniert genug, um sich aus seinem Fehler im Spiel gegen die Ungarn nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Everton-Keeper Pickford verfügt über weitaus weniger K.o.-Spiel-Erfahrung.

Punkt für Deutschland: 0-1


Kyle Walker – Joshua Kimmich

Beide sind schwer zu vergleichen, zumal Kimmich der deutlich bessere Offensivspieler und Walker der stärkere Verteidiger ist. Der DFB-Star hat bisher ein Turnier mit Höhen und Tiefen hinter sich und nur gegen Portugal vollkommen überzeugt. Dennoch kann er mit seinen Flanken und Pässen auch gegen die Three Lions zur entscheidenden Waffe auf der rechten Seite werden.

Kyle Walker muss die deutsche Defensive dagegen nicht fürchten. Dafür ist der Manchester-City-Akteur aufgrund seiner Athletik und Erfahrung defensiv kaum zu überwinden. Unter dem Strich haben wir es mit einem Duell auf Augenhöhe zu tun, da Kimmich als Rechtsverteidiger weniger überzeugt als im Mittelfeld.

Punkteteilung: 0,5 - 1,5


John Stones - Matthias Ginter

John Stones hat sich bei Manchester City gut entwickelt, selbst wenn er kein absoluter Stammspieler ist. Angesichts der Konkurrenzsituation bei den Skyblues spielt er dennoch eine ganz gute Rolle. Matthias Ginter hat eine starke Hinrunde und mäßige Rückrunde absolviert und zeigte sich zumindest zu Turnierbeginn gut in Form. Gegen Ungarn schwächelte der Gladbacher jedoch ein wenig.

Beide Spieler bestechen durch ihre Zweikampfführung und ihre Abgeklärtheit, sind aber nicht die sprintstärksten. Für Stones spricht, dass er beim besseren Klub spielt und bei der EM bislang weitgehend fehlerlos unterwegs war.

Punkt für England: 1,5 - 1,5


Declan Rice - Mats Hummels

Angesichts der ungleichen Formationen kommen wir nicht umhin, diesen nicht ganz passenden Vergleich zu ziehen. Declan Rice gilt als einer der besten und talentiertesten Sechser der Premier League, wenngleich man sich fragen darf, ob der Hype nicht ein wenig übertrieben ist. Bei der EM fiel der Mittelfeldspieler von West Ham United noch nicht großartig auf.

Bei Hummels wechselten sich positive und negative Aktionen ab. Unter dem Strich stehen einerseits ein sehr guter Auftritt gegen Portugal, eine Vorlage gegen Ungarn und eine generell starke Präsenz. Auf der anderen Seite bleiben ein Eigentor gegen Frankreich, ein Stellungsfehler gegen Ungarn und deutlich sichtbare Tempo-Defizite hängen.

Hummels könnte der Spielertyp Harry Kane jedoch in die Karten spielen. Gefahr droht hingegen, wenn er gegen Spieler wie Foden oder Sterling allein verteidigen muss. Das Duell geht dennoch an den Deutschen.

Punkt für Deutschland: 1,5 - 2,5


Harry Maguire - Antonio Rüdiger

Antonio Rüdiger hat unter Thomas Tuchel eine ganz starke Rückserie in England gespielt. Im DFB-Dress wirkt der Chelsea-Star jedoch wacklig und zum Teil übermotiviert. Vielleicht ist es ja ein Vorteil, dass die Partie am Dienstag in London stattfinden wird.

Harry Maguire wird zwar oft verspottet, konnte seine Fehleranzahl in der abgelaufenen Saison, ähnlich wie Rüdiger, aber deutlich reduzieren. Bei der EM war der United-Kapitän aufgrund einer Verletzung erst einmal am Start. Gegen die deutsche Offensive könnte das Tempo-Defizit von Maguire durchaus ins Gewicht fallen.

Punkteteilung: 2-3


Luke Shaw - Robin Gosens

Auf der linken Seite finden wir ein Duell vor, das nur ganz schwer zu bewerten ist. Luke Shaw ist nicht unumstritten und wurde zuletzt von José Mourinho verbal attackiert. Allerdings spielte der United-Akteur sowohl gegen Schottland als auch gegen die Tschechen durchaus ordentlich und hatte offensiv und defensiv gute Szenen.

Robin Gosens ist in der Offensive deutlich gefährlicher, aber was die Defensive angeht, ein Fragezeichen. Gegen die Portugiesen spielte der Atalanta-Star überragend, wohingegen gegen die Ungarn gar nichts stimmte. Welchen Gosens wir gegen die Engländer sehen, ist kaum vorherzusehen.

Punkteteilung: 2,5 - 3,5


Kalvin Philips - Toni Kroos

Kalvin Philips hatten vor der EM wohl nur wenige auf dem Zettel. Der Mittelfeldspieler von Leeds United agiert selbstbewusst, auffällig und ist eine der positiven Überraschungen bei den Engländern.

An Toni Kroos scheiden sich bekanntlich die Geister. Allerdings überraschte der Real-Star mit einer deutlich aggressiveren Herangehensweise, als wir das sonst gewohnt sind. Gegen dem Ball kann man Kroos bislang ein starkes Turnier bescheinigen. Nach vorne agiert er zum Teil noch zu passiv. Doppelpässe, wie bei seiner Großchance gegen Ungarn, sollte er noch viel häufiger probieren.

Dennoch ist Kroos einer der wenigen DFB-Kicker, der bislang in jeder Partie einigermaßen abgeliefert und zum Teil auch positiv überrascht hat. Das Problem in der Zentrale ist eher bei İlkay Gündoğan auszumachen.

Punkt für Deutschland: 2,5 - 4,5


Mason Mount - Leon Goretzka

Es ist davon auszugehen, dass sowohl Mason Mount als auch Leon Goretzka in die Startelf zurückkehren. Der Bayern-Star sollte nach seiner Verletzung immer besser in Schwung kommen und hatte gegen Ungarn schon gewaltige Aktien am Sieg.

Während Goretzka hauptsächlich über seine Physis und Torgefahr kommt, ist Mount eher der feine Techniker und Gestalter in Englands Offensive. Beide strotzen nach erfolgreichen und individuell starken Spielzeiten nur so vor Selbstvertrauen. Unmöglich zu sagen, wer im direkten Duell das bessere Ende für sich haben wird.

Punkteteilung: 3-5


Phil Foden - Kai Havertz

Wie in nahezu jedem Duell, handelt es sich hier auch um eine extrem knappe Kiste. Auf die ganze Saison bezogen, hat Phil Foden eigentlich besser gespielt als Havertz. Der junge Engländer kam sowohl in der Premier League als auch in der Champions League auf mehr Tore.

Das Momentum spricht jedoch eher für Kai Havertz, der im Champions-League-Finale traf und bei der EM schon zwei Tore erzielen konnte. Bei Foden scheint die Formkurve ein wenig runter zu gehen, was nach der langen Saison auch verständlich wäre.

Aufgrund der Tatsache, dass andauernde Punkteteilungen langweilig sind und wir das Duell ein wenig durch die deutsche Brille sehen, geht der Punkt an Kai Havertz.

Punkt für Deutschland: 3-6


Jack Grealish - Thomas Müller

Prinzipiell sollte das Duell eigentlich klar an Thomas Müller gehen. Trotz der starken Saison von Grealish sind die Zahlen von Thomas Müller die spektakuläreren. Allerdings spielt am Dienstag nicht Bayern gegen Aston Villa, sondern England gegen Deutschland.

Im DFB-Team muss Müller eine andere Rolle übernehmen und hat keinen Robert Lewandowski an seiner Seite. Gerade das Spiel von der linken Seite liegt dem Münchner nicht so ganz. Hinzu kommt, dass der 31-Jährige zuletzt angeschlagen war und gegen Ungarn nur eingewechselt werden konnte. Grealish ist ein toller Techniker und Vorbereiter und kann mit einem nicht ideal eingesetzten Müller mithalten. Nicht umsonst will Man City über 110 Millionen Euro für ihn bieten.

Punkteteilung: 3,5-6,5


Harry Kane - Serge Gnabry

Für beide Stürmer gilt, dass die EM bislang noch gar nicht nach ihrem Geschmack lief. Harry Kane hat nach seiner überragenden Saison noch Probleme ins Turnier zu kommen, während bei Gnabry auf der ungewohnten Neuner-Position auch der Motor stockt. Zu häufig tauchte der Bayern-Star völlig ab.

Trotz der schwachen Vorrunde geht Harry Kane als ganz klarer Sieger aus dem Duell hinaus. Seine Premier-League-Saison war pure Weltklasse (37 Scorer), während Gnabry Höhen und Tiefen hinter sich hat.

Selbst wenn Kane mal drei Spiele nicht trifft, gehört er zu dem besten Stürmern der Welt. Die Notbesetzung Gnabrys als deutsche Sturmspitze, kann in diesem Duell nicht mithalten.

Punkt für England: 4,5 - 6,5

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