Der FC Bayern München wäre nicht der FC Bayern München ohne einen Uli Hoeneß, der den Verein zu der Weltmacht gemacht hat, die er heute darstellt. Jahrzehntelang war Hoeneß das starke Rückgrat, der überzeugte Macher und die meinungsstarke Stimme des deutschen Rekordmeisters, den er aus der Verschuldung in den Fußballolymp führte.
Umso größer ist das Ansehen, das der mittlerweile 74-Jährige nach wie vor in der Branche genießt und das einige seiner scharfen Aussagen seit Jahren mit einem Lächeln auf den Lippen und einem "So ist er halt, der Uli" abtut.
Doch manchmal, so finde ich, überschreitet auch die Münchner Vereinslegende ganz unnötig Grenzen des guten Geschmacks und hinterlässt große Fragezeichen.
Ein flotter Hoeneß-Spruch geht immer
Dass Hoeneß noch immer regelmäßig um die Ecke kommt und den einen oder anderen flotten Spruch auf den Lippen hat, amüsiert viele Außenstehende auch heute noch und bringt einigen Fußballfans, die den Altmeister noch aus seinen ganz großen Hochphasen kennen, nostalgische Momente und Gefühle zurück. Ein Blatt vor den Mund nahm Hoeneß noch nie und damit wird er im Alter nicht mehr anfangen - das mussten schon Freund und Feind am eigenen Leib erfahren.
Im Grunde wartet man auch bei jeder Folge Doppelpass auf Sport1 nur darauf, dass der 74-Jährige in der Leitung hängt, und seinem Frust über die Meinungen der anwesenden Expertenrunde am Hörer Luft verschafft.
Zugegeben, Hoeneß ist einer von dem Schlag Typ, den man sich in der mittlerweile viel zu glatt gebügelten Fußballwelt noch etwas öfter wünschen würde.

Und Hoeneß, der über einen reichen Erfahrungsschatz verfügt, wird nicht müde, Themen schonungslos anzusprechen, die so manch anderer nur zu denken wagt. Zurecht, denn nicht selten trifft der Ehrenpräsident des FC Bayern damit auch den Nagel auf den Kopf und stößt ein Weiterdenken an.
Manchmal kommen aber auch Aussagen von Hoeneß aus dem Nichts, die für mich weit am guten Geschmack vorbeigehen oder zumindest fragwürdig sind und mit denen der frühere Macher des FC Bayern vollkommen unnötig für großes Aufsehen und Gesprächsstoff sorgt.
Hoeneß verwundert mit Aussagen zu Bayern-Stars
Uli Hoeneß sorgte jüngst erst mit Aussagen zu Bayern-Star Konrad Laimer und den Vereinsikonen Arjen Robben und Thomas Müller für Aufsehen und stellenweise für verwunderte Blicke.
- Uli Hoeneß richtet scharfe Ansage an Konrad Laimer
- Seitenhieb gegen Laimer? Diesen PSG-Star würde Uli Hoeneß sofort verpflichten
Hoeneß teilt gegen Laimer aus
Laimer, mit dem man in München eigentlich gerne die gemeinsame Zusammenarbeit verlängern würde, zog zuletzt scharfe Worte von Uli Hoeneß auf sich und musste sich öffentlich gefallen lassen, dass Hoeneß von einem anderen Rechtsverteidiger schwärmte. War dies etwa als kleiner Seitenhieb des Ehrenpräsidenten zu verstehen?
Vor allem die scharfe Wortwahl des 74-Jährigen wirkte dabei mehr als unglücklich und unnötig, denn was wollte Hoeneß denn mit der Aussage "Spieler wie er müssen akzeptieren, dass es Grenzen gibt" mitteilen?

"Spieler wie er" – das klingt wie eine zur Schau gestellte Degradierung und Schmälerung dessen, was Konrad Laimer für den FC Bayern leistet und welchen großen Anteil er am aktuellen Erfolg des Rekordmeisters hat. Wie ich bereits zuletzt in einem anderen Kommentar erwähnte, liegt Laimers großer Wert für die Münchner nicht darin, dass er ständig auffällt, sondern dass es immer auffällt, wenn Laimer fehlt.
Ihm auf diese Art und Weise einen Schuss vor den Bug zu verpassen, dürfte die Verhandlungsbasis nicht sonderlich verbessern. Zudem wird man einem verdienten Spieler, der sich für den Klub zerreißt, damit nicht gerecht. Dass Hoeneß ihn derart an den Pranger stellt, ist für mich komplett daneben.
Hoeneß schmälert Schatten von Arjen Robben
Auch dass Hoeneß nun einen Michael Olise in gewissen Bereichen über Arjen Robben stellt, finde ich gewagt. Natürlich fasziniert und dominiert der 24-jährige Franzose derzeit in München und vielleicht ist Olise in manchen Attributen sogar etwas besser als Robben es war, doch im Vergleich zu dem, was ein Arjen Robben für den FC Bayern geleistet hat, finde ich es schwierig, sich in einem DAZN-Interview hinzusetzen und beim Thema Schussqualität und Präzision unbedrängt eine Äußerung wie "Arjen war auch ähnlich, aber..." zu tätigen und dabei Olise mehr Qualität zuzusprechen - in einem Bereich, den der Niederländer zu seinem machte.

In diesem Zusammenhang den Niederländer zu erwähnen, bietet sich bei Olise sicherlich an. Robben aber in der Art und Weise, wie man es verkauft, in den Schatten des Franzosen zu stellen, finde ich aus Sicht für dessen Wertschätzung und seinen großen Verdiensten für den Verein aber schwierig. Olise steht im Schatten von Arjen Robben und wird das noch lange bleiben.
Das kann man durchaus machen, wenn man diese Meinung vertritt. Von daher ist das vielleicht einfach eine Geschmackssache bei mir. Dennoch bin ich der Meinung, dass man als Gesicht des FC Bayern einen solchen Vergleich nicht dazu nutzen sollte, einen noch recht jungen Akteur wie Olise - mit bislang noch recht wenigen Verdiensten - vor eine absolute Legende des Klubs zu stellen. Zumindest ist dies streitbar.
"Pressesprecher Müller" ging unter die Gürtellinie des guten Geschmacks
Was für mich aber noch weitaus schlimmer und unangebrachter war, waren die jüngsten Aussagen von Uli Hoeneß zu Vereinslegende Thomas Müller.
Hoeneß betitelte den mittlerweile in der MLS spielenden Müller, nun als "Pressesprecher” und führte damit einen groben Seitenhieb gegen den sportlichen und menschlichen Mehrwert des Offensivstars am Ende seiner Bayern-Zeit aus – aus dem Nichts und vollkommen unprovoziert.
Müller hat 25 Jahre lang die Knochen für den FC Bayern hingehalten, über 750 Pflichtspiele allein als Profi absolviert, mehr als 30 Titel gesammelt, in schweren Zeiten immer zum Klub gehalten und nie Theater gemacht, auch wenn er selbst fragwürdig behandelt wurde und allen Grund dazu gehabt hätte, ein Fass aufzumachen. Müller hielt den Münchnern loyal die Stange, stellte sich stets in den Dienst der Mannschaft und sagte auch in schwierigen Phasen nicht das, was er mit böser Zunge hätte sagen können.
Dass Radio Müller oft und gerne sendete, mag sein. Doch dabei darf nicht vergessen werden, dass der 36-Jährige den Verein stets mehr als ordentlich verkauft und vermarktet hat, was sicherlich auch im Sinne von Uli Hoeneß war.
Die Bayern wurden auch dank eines Thomas Müller als sympathische Weltmacht mit Familiencharme wahrgenommen. Das war etwas, das der FC Bayern vielen seiner namhaften Kontrahenten in der Elite des Weltfußballs voraushatte und gewissermaßen mit einem Alleinstellungsmerkmal kennzeichnete.
Dass Hoeneß eine derartige Aussage tätigt und damit quasi ausdrückt, dass Müller als Fußballer qualitativ nicht mehr zum FC Bayern gepasst hat und nur noch gut reden konnte, ist für mich ein Tritt unter die Gürtellinie, den Thomas Müller keineswegs verdient hat.
Hoeneß darf seine Meinung haben, aber...
Um das nochmal klarzustellen: Es geht mir nicht so sehr darum, dass Uli Hoeneß solche Ansichten hat und vertritt – es ist sein Recht, seine Meinung zu haben.
Ich verstehe nur nicht, warum Hoeneß, der als Ehrenpräsident und Aufsichtsratsmitglied noch immer eng mit dem FC Bayern verbunden ist und für viele sogar noch mehr als beispielsweise Präsident Herbert Hainer oder Sportvorstand Max Eberl das Gesicht des Vereins ist, in der Öffentlichkeit verdiente Spieler und Vereinsgrößen aus dem Nichts ankratzen muss, obwohl keiner von denen dem 74-Jährigen zuvor irgendetwas getan hat.
Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen und kann es keineswegs gutheißen. Für mich sind solche Aussagen unnötig, unverständlich und grenzen fast schon an Peinlichkeit.
Welchen Sinn und Zweck soll es haben, verdienten Vereinsgrößen und aktuellen Leistungsträgern derart ans Bein zu pinkeln? Dient es am Ende nur noch der eigenen Selbstdarstellung, oder verfolgt Hoeneß damit eine Intention, die nur er zu verstehen scheint? Ich werde daraus jedenfalls nicht schlau.

Uli Hoeneß ist eine unfassbar große und erfolgreiche Persönlichkeit des Fußballsports, den ich für seine Verdienste überaus bewundere und immer bewundert habe. Der Münchner Ehrenpräsident darf selbstverständlich auch seine Meinung zu allem und jedem haben. Ohne Frage.
In seiner Rolle und mit dem enormen Gewicht, das seine Worte noch immer haben, wäre es aus meiner Sicht allerdings manchmal geschickter, nicht jede Meinung auch in eine TV-Kamera zu äußern.
Der FC Bayern kann einen selbstbewussten, meinungsstarken und erfahrenen Uli Hoeneß noch immer gut gebrauchen – doch anders als früher scheint der Rekordmeister dies nur noch in Maßen zu vertragen, um sich nicht selbst und aus dem Nichts unnötige Störgeräusche ins Haus zu holen.
Da hilft dann irgendwann möglicherweise auch kein "So ist er halt, der Uli" mehr - auch wenn die Betroffenen sicherlich einzuschätzen wissen, wie sie die ein oder andere Aussage aufzufassen haben. Dem Image in der öffentlichen Wahrnehmung und innerhalb der eigenen Fangemeinde könnten solche Aussagen irgendwann dennoch schaden.
Weitere FC Bayern-News lesen:
