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Eine Vertragscausa zu viel: Was der FC Bayern bei Laimer zu übersehen scheint

Der FC Bayern führt mit Konrad Laimer den nächsten zähen Vertragspoker. Zu Unrecht. Ein Kommentar.
Konrad Laimer
Konrad Laimer | Stuart Franklin - UEFA/GettyImages

Der FC Bayern München scheint es vom Gefühl her irgendwie nicht zu schaffen, anvisierte Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgern geräusch- und problemlos über die Bühne zu bringen.

Nach einigen Verlängerungs-Causas in der jüngeren Vergangenheit deutet nun auch bei der Personalie Konrad Laimer alles auf einen zähen Kaugummipoker hin, der nicht nur die Verantwortlichen und die Medien, sondern vor allem auch die Münchner Fans geraume Zeit beschäftigen wird.

Eberl wird bei Laimer deutlich: Kein gemeinsamer Nenner in Sicht

Erst am vergangenen Wochenende ließ FC Bayern-Sportvorstand Max Eberl durchklingen, dass Verein und Spieler derzeit weit voneinander entfernt sind und ein gemeinsamer Nenner nicht in Sicht sei.

"Es sind Gespräche, Vorstellungen - da kommt man im Moment nicht übereinander", gab Eberl zu verstehen. Ein Satz, der im Fanlager der Münchner gar nicht gut ankam, da man dort die große Hoffnung hegt, dass das Arbeitstier Laimer noch lange Teil der Bayern-Familie sein wird.

Max Eberl
Max Eberl | IBO OT/GettyImages

Gehaltsvorstellungen die große Hürde?

Doch woran hakt der Poker? Offenbar an den Gehaltsvorstellungen der Spielerseite, bei denen der FC Bayern nicht mitgehen möchte. Von zwölf bis 15 Millionen Euro war zuletzt die Rede - offenbar zu viel für den Geschmack des Vereins. Eberl sprach unter anderem auch davon, dass man sehen müsse, ob man eine Brücke zueinander findet.

Es wäre allerdings im Interesse des deutschen Rekordmeisters, in diesem speziellen Fall eine Brücke zu finden – notfalls auch eine zu bauen –, denn gerade bei Konrad Laimer sollte man nicht damit beginnen, abrupt einzureißen, was man zuvor in aller Öffentlichkeit aufgebaut hatte.

Ein Blick mit dem Upa-Maßstab

Bereits wenige Monate zuvor hatte ich den Eindruck, dass sich der FC Bayern in den Vertragsverhandlungen mit Dayot Upamecano hat auf der Nase herumtanzen lassen und dem Vertragspoker selbst den Spielraum eröffnete, so undurchsichtig, wechselhaft und teils fragwürdig zu werden.

Dayot Upamecano
Dayot Upamecano | F. Noever/GettyImages

Schon damals hätte ich mir eine deutlich klarere Linie und früher einen festeren Stand gewünscht, da ich die große Gefahr sah, dass sich die Münchner damit in aller Öffentlichkeit angreifbar für eben solche Vertragstheater machen. Dank des Upamecano-Deals hat nun alle Welt gesehen, wie weit man es mit Max Eberl und Co. treiben kann, ehe sich der Verein auf die Hinterbeine stellt.

Dass nun auch die Laimer-Seite - übrigens vollkommen zurecht - versucht, das Maximum aus dem FC Bayern heraus zu holen, war doch klar und absehbar.

Jammern braucht man an der Säbener Straße deshalb aber sicherlich nicht. Die aktuelle Flughöhe in Sachen Vertragsverhandlungen sowie den dabei herrschenden Ton hat der FC Bayern selbst zu verantworten und muss sich nicht wundern, wenn auch andere auf den Zug aufspringen und die eine oder andere Pistole auf der Brust anzudeuten scheinen. Diesen Fahrtwind nun bei Laimer wieder einfangen zu wollen, ist für mich der richtige Hebel zur falschen Zeit und beim falschen Spieler.

Der FC Bayern hat sich für genau solche Themen selbst angreifbar gemacht oder zumindest angreifbar machen lassen und will nun offenbar ausgerechnet bei Konrad Laimer ein Exempel statuieren, um diesem ewigen Eiertanz ein Ende und ein Zeichen nach außen zu setzen, dass man den großen FCB nicht nach Belieben ausnehmen kann wie eine Weihnachtsgans.

Dieser Schritt hätte jedoch bereits bei Dayot Upamecano erfolgen müssen, der aus meiner Sicht weitaus ersetzbarer gewesen wäre als der Österreicher, wenn man die möglichen Alternativen betrachtet.

Laimers Stellenwert ist anders

Betrachtet man die Situation auf der Position des Innenverteidigers, so gibt es weltweit weitaus mehr Spieler mit vermeintlichem Bayern-Format, die einen Upamecano hätten ersetzen können - selbst in der heimischen Bundesliga. Man denke nur an die Überlegungen, Nico Schlotterbeck vom BVB zu verpflichten, an einen Luka Vuskovic oder an ablösefreie Optionen wie den Argentinier Marcos Senesi vom AFC Bournemouth.

Konrad Laimer und Dayot Upamecano
Konrad Laimer und Dayot Upamecano | Markus Gilliar - GES Sportfoto/GettyImages

Bei Laimer und den Rechtsverteidigern fehlen jedoch nicht nur innerhalb des Bayern-Kaders, sondern auch auf dem internationalen Transfermarkt die großen Alternativen.

Einen wie Laimer können die Bayern nicht so leicht ersetzen wie einen Upamecano – zumindest in meinen Augen, denn dafür ist die Spielweise des Österreichers zum einen zu eigen und zum anderen nicht gleichwertig ersetzbar. Zudem verfügt Laimer über den gewissen Biss, der sich nicht antrainieren lässt. Mit diesem ist er für Vincent Kompany als Zeichensetzer und Vorwegmarschierer von entscheidender Bedeutung. Nicht zu vergessen, dass Laimer seit seiner Ankunft in München bereits an 27 Treffern direkt beteiligt war, alleine an wettbewerbsübergreifenden 15 der laufenden Saison.

Dass der 28-jährige österreichische Nationalspieler, nebenbei erwähnt, nicht zwingend unangemessen hohe Forderungen stellt, lässt sich deshalb wöchentlich an seinen Leistungen erahnen.

Die Bayern packen beim falschen Spieler den Zollstock aus

Dass man in München nun ausgerechnet bei Konrad Laimer den Zollstock anlegt und genauestens auf den Wasserstand des finanziellen Pegels achtet, verstehe ich nicht.

Laimer hat bislang nie große Ansprüche gestellt oder ist in der Öffentlichkeit aufgefallen, weil er mit Abwanderungsgedanken zu vermeintlich klangvolleren Vereinen spielt. Der Österreicher erledigt seinen Job auf absolutem Spitzenniveau, ist ligaweit auf Rang vier der kicker-Noten aller Bundesligaspieler und damit der einzige Defensivspieler in den Top-5 dieser Wertung.

Das bedeutet wiederum auch, dass Laimer notentechnisch die klare Nummer eins unter allen Defensivspielern der Liga ist und dabei unter anderem auch Dayot Upamecano weit hinter sich lässt.

Konrad Laimer
Konrad Laimer | EyesWideOpen/GettyImages

Warum sollen die Leistungen des Österreichers am Ende also deutlich weniger wert sein als die von Dayot Upamecano, der dem Vernehmen nach ein Gehalt von 20 Millionen Euro erhält und damit weit über dem liegt, was Laimer zu fordern scheint? Und das, obwohl rund um Upamecano jede Menge Musik im Vorfeld abgespielt wurde und sein Abgang ja trotz der Vertragsverlängerung nicht ausgeschlossen ist.

Gerade aus sportlicher Sicht rechtfertigt es den FC Bayern also nicht, dass er bei Laimer plötzlich knauserig wird und den Löffel der monetären Wertschätzung kleiner werden lässt. Laimer liefert Woche für Woche im Stillen und Verborgenen, ist weitaus flexibler einsetzbar und der Mehrwert des 56-fachen Nationalspielers ist schwer bis kaum zu ersetzen für den Rekordmeister.

Was der FC Bayern bei Laimer zu übersehen scheint

Was der FC Bayern in dieser Personalie nämlich zu übersehen scheint, ist nicht der gefühlte oder offensichtliche, sondern der versteckte Mehrwert eines Konrad Laimer. Der Österreicher ist vielleicht kein Jamal Musiala, Michael Olise, Luis Diaz oder Harry Kane, der in jedem Spiel mit der großen Magie und Kunst des Fußballspiels auffällt. Laimer ist eher der stille Arbeiter im Schatten der Superstars.

Laimer ist zwar kein Olise aber weniger wichtig macht es ihn deshalb nicht unbedingt
Laimer ist zwar kein Olise aber weniger wichtig macht es ihn deshalb nicht unbedingt | Stefan Matzke - sampics/GettyImages

Doch genau darin liegt für mich eben der entscheidende Punkt. Laimer ist nicht so wichtig und wertvoll für den FC Bayern, weil er in jedem Spiel auffällt, sondern weil es in jedem Spiel auffällt, wenn Laimer nicht dabei ist. Und genau dieser Aspekt ist es, der Laimer in puncto Wichtigkeit nicht so weit hinter Spielern wie Kane oder Olise einordnen lässt.

Das Gleichnis vom Stuhl

Dabei muss ich an einen Stuhl denken. Betrachtet man diesen und fragt sich, welches Teil wohl das wichtigste ist um den Stuhl verwendbar, nützlich und wertvoll macht, so würden viele sicherlich die Sitzfläche nennen, andere wiederum die Lehne oder die Stuhlbeine.

Worauf vermutlich aber kaum jemand kommen würde, sind die Schrauben oder Nägel, die diesen Stuhl zusammenhalten. Und so jemand ist für mich Konrad Laimer. Nicht sonderlich auffällig und vielleicht keiner, der sofort ins Auge sticht, doch für das stimmige und erfolgreiche Endprodukt letztlich unabdingbar.

Dass der FC Bayern München ihm ausgerechnet jetzt die finanziellen Schranken aufzeigen möchte, ist meiner Meinung nach ein kompletter Fehlgriff und wird dem tatsächlichen (Mehr)Wert des ÖFB-Stars einfach nicht gerecht.

Goldene Marktregel: Die Nachfrage regelt den Preis

Wie bereits erwähnt, ist Laimers Wert nicht daran zu messen, wie auffällig er ist oder wie klangvoll sein Name über die Lippen geht, sondern daran, wie sehr das Münchner Spiel leidet, wenn er nicht dabei ist, und wie sehr es auffällt, wenn Laimer fehlt.

Das ist in meinen Augen ein vielleicht verstecktes, aber eben auch entscheidendes Kriterium, um den Österreicher zu ent- und belohnen.

Konrad Laimer verdient mehr (finanzielle) Wertschätzung
Konrad Laimer verdient mehr (finanzielle) Wertschätzung | F. Noever/GettyImages

Am Ende ist der Fußball nichts anderes als ein Markt, der sich wie andere Branchen an die Regeln des Marktes halten muss, und wer sich mit Märkten auskennt, weiß, dass die Nachfrage den Preis regelt.

Dass man einen Konrad Laimer nicht einfach so ersetzen kann und es definitiv spüren würde, wenn er fehlt, spricht dafür, dass man dem Arbeitstier seinen Gehaltswunsch vielleicht nicht vollständig erfüllt, ihm auf dem Weg zu einer Einigung aber noch ein gutes Stück näherkommt.

Wenn man bei Dayot Upamecano dazu bereit war, hat es auch ein Laimer verdient. Damit möchte ich keinesfalls die Wichtigkeit des Franzosen schmälern, sondern der von Laimer deutlich mehr Gewicht verleihen.


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