Für die Deutsche Nationalmannschaft wird es ernst. Nach den Testspielen gegen Finnland und die USA und einigen harten Trainingseinheiten geht es am 14. Juni mit dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Curacao los.
Noch sind nicht alle Fragezeichen geklärt, jedoch haben die letzten Wochen bereits einige Erkenntnisse zum Vorschein gebracht. Wir werfen einen Blick auf sechs Erkenntnisse aus der Vorbereitung.
1. Deutsche Offensivreihe noch auf der Suche – nur ein Star in Form
Auf dem Papier liest sich die Offensive mit Jamal Musiala, Florian Wirtz, Leroy Sané und Kai Havertz äußerst vielversprechend. Wie das jüngste Testspiel jedoch offenbart hat, stottert der Motor beim ein oder anderen Spieler noch. Lediglich um Kai Havertz muss man sich derzeit keine Sorgen machen, da der Londoner seine guten Eindrücke der letzten Wochen direkt bestätigte. Florian Wirtz hatte gegen die USA zu kämpfen, ist aufgrund seiner starken Länderspiele zuvor aber nicht das größte Sorgenkind.
Hinter Leroy Sané und Jamal Musiala stehen hingegen größere Fragezeichen. Daran hat weder die Leistungssteigerung von Musiala in der zweiten Hälfte des USA-Spiels noch der Treffer von Sané etwas geändert. Es ist elementar wichtig, dass sich Sané, Musiala und auch Wirtz im Turnierverlauf schnell das nötige Selbstvertrauen holen.
2. Nmecha und Pavlovic müssen sich noch finden
Apropos vieles abhängen: Auch von Felix Nmecha und Aleksandar Pavlovic hängt so einiges ab. Die beiden sind, wie die Testspiele gezeigt haben, das Mittelfeld-Duo Nummer eins. Insbesondere das Match gegen die USA zeigte aber, dass sich beide noch nicht ganz gefunden haben. Überraschend ist das nicht, da beide vor den letzten beiden Tests erst 36 Minuten gemeinsam auf dem Platz gestanden hatten.
Gegen die USA ließen beide die nötige Dominanz vermissen und konnten das Mittelfeld nicht kontrollieren. Bleibt zu hoffen, dass beide nun im Zuge der Trainingseinheiten und ersten Gruppenspielen besser zusammenfinden. Ansonsten muss man sich ernsthaft Gedanken machen, ob es nicht doch Joshua Kimmich im Mittelfeld benötigt.
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3. Nagelsmann versucht negative Schlagzeilen zu umgehen
Julian Nagelsmann geriet mit seinen Kommentaren gegen Deniz Undav und seiner Entscheidung, Manuel Neuer zurück ins deutsche Tor zu holen, zunehmend in die Kritik. Auch bei der Kader-Bekanntgabe waren Ausführungen dabei (Stichpunkt Heatmap von El Mala), die schwer nachvollziehbar waren. Bei den letzten Pressekonferenzen und Interviews zeigte sich der Bundestrainer aber bemüht, Fettnäpfchen zu vermeiden. Nagelsmann zeigte sich betont locker und sprach ausschließlich positiv über seine Spieler.
Folgerichtig ist kurz vor dem WM-Auftakt rund um das Team wieder mehr Ruhe eingekehrt. Zwar ist die absolute WM-Euphorie noch nicht zu vernehmen, jedoch gibt es auch nicht mehr die ganz großen Störfaktoren. Auch dank der verbesserten Kommunikation von Nagelsmann, der auch die Nachnominierung von Assan Ouédraogo schlüssig begründen konnte.
4. Brown ist die Top-Wahl für die linke Seite
Vor dem Turnierstart deutet sich eine Personalie in der Startaufstellung an, die man vor der WM noch nicht so richtig auf dem Zettel hatte. Die Rede ist von Nathaniel Brown, der eher als Backup für David Raum wahrgenommen wurde. Der Frankfurter hat jedoch die kleineren körperlichen Probleme des Leipzigers für sich nutzen können und bei den Testspielen einen sehr starken Eindruck hinterlassen. Insbesondere gegen die USA überzeugte Brown defensiv wie offensiv.
Es deutet alles darauf hin, dass Brown nicht nur eine Lösung für hinten links, sondern auch eine Top-Lösung für hinten links ist. Nagelsmann und Interessent Bayern München schwärmen nicht umsonst von den Qualitäten des 22-Jährigen. David Raum wird sich strecken müssen, um bei der WM auch seine Minuten zu bekommen.
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5. Deutschland wohl nicht im Harakiri-Stil
Nach der starken Saison der Bayern konnte man sich die Frage stellen, ob es auch Nagelsmann mit dem typischen Kompany-Offensivfußball probiert. Folgt man den Eindrücken aus dem USA-Spiel, ist dem aber nicht zu 100 Prozent der Fall. Es gab jedenfalls einige Phasen, in denen man sich tiefer positionierte und die USA kommen ließ.
Unter dem Strich ist noch immer eine relativ offensive und auf Ballbesitz und Gegenpressing ausgerichtete Philosophie zu erwarten, aber keineswegs so bedingungslos wie bei den Bayern. Deutschland ist auch offensiv nicht stark genug, um die Defensive derart zu vernachlässigen. Balance ist gefragt und genau das scheint auch die Marschroute zu sein.
6. Nagelsmann setzt auf lange Einheiten - es wird akribisch gearbeitet
Wie die Bild berichtete, trainiert die Mannschaft von Julian Nagelsmann ungewöhnlich lange. Bis zu 2,5 Stunden sollen die Einheiten trotz warmer Temperaturen von 30 Grad gedauert haben, wohingegen rund 90 Minuten eigentlich üblich sind. Das Team arbeitet sehr akribisch und legt einen großen Wert auf das Einstudieren von Standardsituationen. Auffällig sei dabei gewesen, dass Joshua Kimmich die Ecken von links und Nathaniel Brown jene von rechts geschossen haben.
"Es waren schon sehr anstrengende Einheiten. Wir haben viele Spiele gemacht, viel Elf-gegen-Elf gemacht, viel probiert", bestätigte BVB-Star Nico Schlotterbeck im Rahmen einer Pressekonferenz.
Bei den Elf-gegen-elf-Spielformen sollen Nadiem Amiri, Angelo Stiller, Maxi Beier und Pascal Groß häufig außen vor gewesen sein.
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