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DFB-Team: Darum ist der Nagelsmann-Plan mit Nmecha & Pavlovic gefährlicher Leichtsinn

Julian Nagelsmann setzt im Mittelfeld-Zentrum wohl auf die Kombi Pavlovic & Nmecha. Damit treibt er aber ein gefährliches Spiel.
Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha haben sich noch nicht optimal eingespielt
Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha haben sich noch nicht optimal eingespielt | Sebastian El-Saqqa - firo sportphoto/GettyImages

In einer Sache sind der Mensch und Fußballmannschaften gleich: Wenn das Herz nicht richtig funktioniert, dann sieht es wirklich schlecht aus. Im Fußball ist das zentrale Mittelfeld das Herzstück des Spiels. Die meisten großen Spiele werden genau hier entschieden. Die Mittelfeldakteure müssen das Spiel ordnen und strukturieren, den Takt vorgeben, Akzente liefern, gleichzeitig aber auch die Lücken schließen und die Abwehrreihe unterstützen. Verliert ein zentraler Mittelfeldspieler mal den Faden, kann ein gesamtes Konstrukt zusammenfallen. Folgerichtig sind gerade hier Experimente äußerst mutig - mit Blick auf große Wettbewerbe vielleicht sogar irrsinnig.

Das deutsche Mittelfeld-Duo bestehend aus Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha wirkt auf den ersten Blick eigentlich wenig besorgniserregend. Pavlovic ist Stammspieler beim FC Bayern und Nmecha der beste zentrale Mittelfeldspieler beim BVB. Zudem verkörpern sie noch unterschiedliche Eigenschaften, da Pavlovic mehr der Taktgeber und Passspieler ist, während Nmecha auch über seine starke Athletik kommt. die DFB-Schaltzentrale besteht also eigentlich aus zwei Leistungsträgern der beiden größten deutschen Vereinsmannschaften.

WM 2026: Draum sind Nmecha & Pavlovic ein gefährliches Experiment

Der schillernde Schein könnte allerdings trügen. Blickt man mit der Lupe etwas genauer auf die Schlüsselposition, sind Sorgenfalten durchaus erlaubt. Tatsächlich kommt man unweigerlich zum Schluss, dass das Setzen auf das Duo sehr wohl ein gewagtes Experiment ist. Das ganz große Kernproblem dabei: Pavlovic und Nmecha kennen sich eigentlich noch gar nicht und noch wenig aufeinander abgestimmt.

Klar, in den letzten beiden Testspielen standen sie gemeinsam auf dem Platz, jedoch war dies zuvor erst ein einziges Mal der Fall. Beim 2:0-Sieg gegen Luxemburg spielte Nmecha 36 Minuten an der Seite von Pavlovic. Im Vereinsfußball und den deutschen U-Nationalmannschaften standen sie ebenfalls nie gemeinsam auf dem Feld. Bleiben also nur noch die gemeinsamen Trainingseinheiten im Kreise der Nationalmannschaft. Doch auch hier sei gesagt, dass es so viele davon gar nicht gab, weil beide immer wieder verletzungsbedingt absagen mussten. Bei der Heim-EM 2024 standen beide nicht im Kader.

Nmecha und Pavlovic zum ersten Mal bei einem großen Turnier dabei

Hier wären wir auch schon beim nächsten Problem. Beide sind absolute Turnier-Neulinge. Hinzu kommt, dass Pavlovic erst elf A-Länderspiele und Nmecha gar nur acht A-Länderspiele auf dem Konto haben. Eine enorm geringe Zahl und absolut untypisch für ein Duo, dass bei der WM offenbar Stamm im Mittelfeld eines vermeintlichen Mitfavoriten spielt. Normalerweise setzen die Coaches hier auf Erfahrung.

Sieht man sich die Vereinskarriere des Duos an, wird klar, dass sie keine absoluten Novizen sind, dennoch dürfte es auf WM-Ebene kaum ein anderes großes Mittelfeld geben, das im Schnitt jüngster als 23,5 Jahre alt ist. Gerade Pavlovic ist mit seinen 22 Jahren noch recht unerfahren. Zwar wirkt der Bayern-Star schon abgeklärt, jedoch spielt er im Verein auch an der Seite von Joshua Kimmich.

Zuletzt im Testspiel gegen die USA wirkte Pavlovic keineswegs so abgeklärt und dominant, wie im Verein. Ohnehin hatten Nmecha und Pavlovic enorme Probleme dabei, die Kontrolle im Mittelfeld zu übernehmen. Die USA zeigte sich in vielen Phasen forscher und auch im Kopf schneller. Pavlovic & Nmecha entglitt der Faden immer wieder. Zwar machten sie keine spielentscheidenden Fehler, jedoch war kein wirkliches Zusammenspiel erkennbar. Kreative Impulse vermisste man zudem in Gänze.

Dabei ist es so wichtig, dass im Mittelfeld eine klare Rollenverteilung gibt und die Spieler miteinander harmonieren. Bei Pavlovic und Nmecha war das noch nicht der Fall. Sollte dies bei der WM nicht deutlich besser funktionieren, was natürlich möglich wäre, ist ein frühes Scheitern fast schon vorprogrammiert.

DFB-Team: Nagelsmann muss Kimmich zurück ins Mittelfeld holen

Ein Glück, dass die Lösung des Problems eigentlich auf der Hand liegt. Diese kann nicht Leon Goretzka heißen, obwohl Pavlovic seinen langjährigen Teamkollegen besser kennen und verstehen dürfte als es bei Nmecha der Fall ist. Es gilt, das bestmögliche zentrale Mittelfeld aufzustellen, welches der Kader hergibt und das wäre zweifellos die Kombi Kimmich & Pavlovic.

Das Bayern-Duo hat in der abgelaufenen Saison eines der besten Gespanne in ganz Europa gebildet. Kimmich und Pavlovic kennen sich perfekt und harmonieren außerordentlich gut auf dem Platz. Es wäre fast schon fatal, dieses Top-Duo auseinanderzureißen. Blockbildung ist auf Nationalmannschaftsebene ein gern genutztes Produkt und funktioniert meist auch ganz gut. Warum sollte sich Nagelsmann also gegen ein Weltklasse-Mittelfeldduo entscheiden und dafür ein völlig unerprobtes Gespann aufbieten?

Deutschland mit genug Notlösungen hinten rechts

Der Grund liegt an sich natürlich auf der Hand. Deutschland hat ein Rechtsverteidiger-Problem. Nagelsmann hätte dieses etwas minimieren können, wenn er Ridle Baku oder Yann Bisseck mitgenommen hätte. Doch mit Antonio Rüdiger und Waldemar Anton stehen zumindest zwei solide Lösungen bereit. Ein großer Offensiver Output wäre zwar nicht zu erwarten, jedoch muss man eben einen Tod sterben. Lieber hat man eine kompakte Defensive und Kimmich im Mittelfeld als auf ein möglicherweise nicht funktionierendes Mittelfeld zurückgreifen zu müssen. Auf diese Weise hätte man auch seinen Kapitän wieder in einer zentralen Position, was absolut Sinn macht. Kimmich ist eigentlich zu langsam für die Außenverteidiger-Position und konnte zuletzt gegen die USA kaum seine Stärken einbringen.

Es bestünde auch die Möglichkeit anstelle von Rüdiger oder Anton mit Nathaniel Brown einen eigentlichen Linksverteidiger auf der rechten Seite aufzustellen. Dies ist sicherlich auch keine perfekte Lösung, jedoch ist Brown ein spielintelligenter und anpassungsfähiger Spieler, dem eine solche Rolle schon zuzutrauen ist. Zwar gibt es keinen etatmäßigen Rechtsverteidiger im Kader, jedoch gibt es durchaus Leute, die aushelfen können. Nichts anderes hat Benedikt Höwedes 2014 als Linksverteidiger gemacht. Weltmeister zu werden war - wie man gesehen hat - dennoch möglich. Ohne Schweinsteiger im Mittelfeld wäre es aber nicht möglich gewesen. Ähnlich verhält es sich nun mit Kimmich.


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