Deutschland hat seine beiden Testspiele gegen Finnland (4:0) und die USA (2:1) gewonnen, jedoch bleibt das Leistungsniveau des Teams eher ein Fragezeichen. So mancher Spieler konnte allerdings nochmal aufzeigen oder seinen Platz im Team festigen. Wir sehen uns die fünf Gewinner der Vorbereitung an.
1. Nathaniel Brown

Eigentlich hatte man gedacht, dass Nathaniel Brown lediglich der Back Up für David Raum ist. Nun stand jedoch der Frankfurter zweimal in der Startelf. Zwar hat das auch damit zu tun gehabt, dass Raum körperlich kleinere Probleme mit sich herumschleppt, jedoch konnte er seine Chance nutzen. Insbesondere die Zweifel, ob Brown defensiv stark genug ist, konnte er größtenteils ausräumen. Der Frankfurter zeigte sich gegen Finnland und vor allem die USA defensiv sehr abgeklärt und gut in den Zweikämpfen. In Sachen Geschwindigkeit und Technik ist Brown ohnehin gut aufgestellt.
"Er weiß noch gar nicht, wie gut er ist", sagt Julian Nagelsmann über das sportliche Niveau des Youngsters. Zwar ließ der Bundestrainer offen, wer beim WM-Auftakt in der Startelf steht, jedoch werde er eigenen Worten zufolge beide brauchen. Stand jetzt dürfte Brown leicht die Nase vorne haben.
2. Kai Havertz

Für das DFB-Team ist es ungeheuer wichtig, dass Kai Havertz ungeachtet von seinen vielen Verletzungen in den letzten eineinhalb Jahren in Topform zu sein scheint. Knipste Havertz noch im CL-Finale, während der Rest des Teams gegen Finnland testete, war er gegen die USA wieder für Deutschland am Start.
Der Stürmer benötigte keine zwei Minuten, um einen Treffer zu markieren. Zwar bekam der Arsenal-Star im Nachgang nur wenige gute Bälle, stellte sich jedoch in den Dienst der Mannschaft. Havertz bereitete den zweiten Treffer vor und war auch darüber hinaus, stets sicher am Ball und traf fast immer die richtige Entscheidung.
3. Waldemar Anton

Die Plätze in der Innenverteidigung scheinen an Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah vergeben zu sein. Bedenkt man, dass auch noch Antonio Rüdiger im Kader steht, hätte man Waldemar Anton auch eine Rolle als WM-Touristen andichten können. Der Borusse könnte jedoch eine größere Rolle spielen als zunächst gedacht. Anton kam gegen die USA nach einer Stunde für Joshua Kimmich in die Partie und agierte als Rechtsverteidiger.
Dies lässt zumindest den Verdacht aufkommen, dass Anton der erste Back-Up auf dieser Position ist. Zwar dürfte Kimmich als Rechtsverteidiger ins Turnier starten, jedoch weiß niemand genau, ob sich das im Verlauf der WM nicht noch verändern könnte. Sollte Deutschland durch die Gruppe stolpern, wäre es ein möglicher Schritt, Kimmich zurück ins Mittelfeld zu beordern. Schon jetzt sind Zweifel erlaubt, ob Nmecha und Pavlovic gemeinsam in der Lage sind, das Zentrum zu bilden. Gegen die USA ließen beide die nötige Präsenz vermissen und konnten keine wirkliche Ordnung ins Spiel bringen. Braucht es Kimmich also doch im Zentrum? Diese Frage könnte bald mit einem "Ja" beantwortet werden.
Die Einwechselung von Anton legt auch nahe, dass er vor Rüdiger in der Innenverteidiger-Hierarchie liegt und im Falle einer Verletzung von Schlotterbeck und Tah ins Spiel kommen würde. Rüdiger wurde in beiden Spielen überhaupt nicht eingesetzt.
4. Deniz Undav

Deniz Undav hat mit seinem Doppelpack plus Assist gegen Finnland eine mächtige Kampfansage hinterlassen. Zwar hat Kai Havertz diese gegen die USA direkt gekontert, jedoch dürfte Undav mehr Kredit bei Nagelsmann haben als vor dem Finnland-Auftritt.
Der VfB-Star konnte gegen die USA keine weiteren Pluspunkte sammeln, weil er mit kleineren körperlichen Problemen zu kämpfen hatte. Dennoch scheint er aktuell zumindest in der Stürmer-Rangliste vor Nick Woltemade zu stehen. Es bestünde auch die Möglichkeit, dass Havertz und Undav gemeinsam auflaufen. Havertz kann offensiv alles abdecken und Undav auch als hängende Spitze oder Zehner agieren.
Bedenkt man, dass viele Offensivspieler im DFB-Team nicht in Topform sind, dürfte die Undav-Rolle größer werden als zunächst von Nagelsmann angedacht.
5. Leroy Sané

Leroy Sané dürfte den Platz auf der rechten Außenbahn zum WM-Start relativ sicher haben. Dies ist aber nicht nur sein Verdienst. Der 30-Jährige profitiert von der Verletzung von Lennart Karl, der ansonsten wohl auf dieser Position die erste Wahl gewesen wäre. Hinzu kommt, dass Jamie Leweling in den Testspielen nicht auf sich aufmerksam machen konnte. Sané fiel gegen Finnland als Joker mit einem starken Dribbling auf und erzielte gegen die USA das Siegtor zum 2:1.
Zwar war beim Spiel gegen den WM-Gastgeber auch sehr viel Schatten mit dabei, jedoch scheint immerhin die Arbeitseinstellung und Mentalität derzeit zu stimmen. Nagelsmann attestierte Sané nach dem USA-Match ein "super Spiel" mit einem "wichtigen Tor". Der 30-Jährige sei zudem "sehr beliebt" und habe "gut trainiert".
Im Rahmen der Kaderbekanntgabe hatte Nagelsmann noch erklärt, dass Sané eher in der Rolle des Herausforderers sei. Das hat sich nun geändert.
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