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Was ist bloß mit Kinsombi los?

Guido Müller
Nur ein Schatten des Spielers, der er bei Holstein Kiel war: David Kinsombi
Nur ein Schatten des Spielers, der er bei Holstein Kiel war: David Kinsombi / DeFodi Images/Getty Images
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Er war der Königstransfer des Hamburger SV für die Saison 2019/2020. Doch bislang konnte der früherer Kieler David Kinsombi die in ihn gesteckten Erwartungen in der Hansestadt nicht ansatzweise erfüllen.

Rückblick: Ende Juni 2019. Das erste Sommervorbereitungsspiel des HSV unter seinem neuen Trainer Dieter Hecking beim Oberligisten TSV Buchholz steht an. Mit von der Partie ist auch David Kinsombi, der nach einem monatelangen Transfergeschacher endlich von der Förde an die Elbe gewechselt ist.

Doch nach zwei Minuten ist schon wieder Schluss für den Neuzugang: Muskelfaserriss. Insgesamt laboriert der Spieler drei Wochen an der Malaise, verpasst somit wertvolle Zeit in der Vorbereitung - und ist bis auf weiteres erstmal hinten dran.

Im weiteren Verlauf der Hinrunde robbt sich Kinsombi immer mehr an die erste Elf ran, so dass sich im Winter 2019 auch Hecking zu der Prognose hinreißen lässt: "Wenn wir die Wintervorbereitung abgeschlossen haben und David nochmal drei, vier Wochen in die Vollen gehen kann, werden wir einen besseren Kinsombi erleben." (Quelle: mopo.de)

Doch der Winter 2019/20 geht ins Land - und nirgendwo eine Spur von dem Kinsombi, der noch vor Jahresfrist den HSV beim 3:1-Erfolg der Kieler beinahe im Alleingang abgeschossen hat. Und für den der HSV wenige Monate später annähernd drei Millionen Euro gezahlt hat. Bis zum Aus von Hecking beim HSV kommt Kinsombi nicht mehr in die Spur.

Fast alles wie im letzten Jahr: Verletzung, Trainer-Hoffnungen und abermals enttäuschte Erwartungen

Parallelen zum Vorjahr gab es in diesem Sommer: Neuer Coach (Daniel Thioune), neue Hoffnungen, dass es mit Kinsombi in dieser Spielzeit was wird. Doch nach den ersten sieben Spieltagen muss man ernüchtert feststellen: Irgendwie kommt der 24-Jährige nicht in die Puschen.

Was natürlich auch - weitere Duplizität der Ereignisse - mit einem erneuten Muskelfaserriss, erlitten kurz nach Saisonstart im September, zu tun hat. Und nach der dreiwöchigen Verletzungspause auch hier wieder beinahe beschwörende Worte seines Vorgesetzten. Zumindest will Thioune beobachtet haben, dass Kinsombi "langsam im Kommen" sei.

Das war Anfang November. Wirklich unterfüttert wurden diese Worte jedoch weder in den drei Kurzeinsätzen gegen Aue, Würzburg und St. Pauli zuvor noch im Spiel bei seinem Ex-Klub vor gut einer Woche.

Und so macht allmählich der Begriff Transfer-Flop die Runde. Erst recht nach dem peinlichen 1:3-Testkick gegen den dänischen Zweitligisten Viborg, bei dem Thioune seinen zweiten Anzug testen wollte. Des Trainers ernüchternde Diagnose: "Als Trainer hat man eine gewisse Erwartung an ein Testspiel. Gerade wenn die Spieler auf dem Platz stehen, die bisher sehr wenig Spielzeit hatten. Wir sind uns alle einig, dass wir nicht viel angeboten bekommen haben."

Thioune wird deutlich

Vor allem Spieler wie Lukas Hinterseer (trotz seines Tores), Gideon Jung - und natürlich David Kinsombi. Thioune wurde dann sogar richtig deutlich. Ohne die betreffenden Spieler beim Namen zu nennen, weiß jeder wer gemeint ist, wenn er das fast schon vernichtende Urteil fällt: "Sie haben mir meinen Auftrag nicht erschwert, dass ich mich in den nächsten Wochen für andere entscheiden werde."

Für den Verein besonders bitter: Kinsombi ist mit einem gutdotierten Vertrag (bis Sommer 2023) ausgestattet, gehört zu den Top-Verdienern im Kader. Die entsprechenden sportlichen Gegenleistungen lassen jedoch auch eineinhalb Jahre nach seiner Ankunft in Hamburg weiter auf sich warten.

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