Eintracht Frankfurt

Hinteregger feuert gegen die Medien und bezeichnet Bonvalot als "linksextrem“

Dominik Hager
Martin Hinteregger
Martin Hinteregger / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages
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Der größte Gegner des jährlichen Sommerlochs ist in diesem Jahr offenbar Martin Hinteregger. Der Österreicher ist derzeit überaus erfolgreich damit, Schlagzeilen zu produzieren - die in letzter Zeit jedoch immer seltener positiv ausfallen. Meist drehte es sich dabei um den sogenannten Hinti-Cup. Ein Investigativ-Journalist hat aufgedeckt, dass Hintereggers Geschäftspartner Heinrich Sickl Verbindungen ins rechtsextrme Lager hat. Wenngleich der Eintracht-Star reagierte und die Partnerschaft mit Sickl beendete, sieht er sich als Opfer und Spielball der Medien. Dies machte er im Gespräch mit Sky deutlich.


Eigentlich wollte Martin Hinteregger nur ein großes Fußball-Fest für und mit seinem Heimatort Stirnitz feiern. Dabei hätte der Abwehrspieler jedoch besser aufpassen sollen, wen er sich dabei als Geschäftspartner angelacht hat. Ein Inverstigativ-Journalist aus Wien hatte nämlich aufgedeckt, dass Lokalpolitiker Heinrich Sickl stark mit der rechtsextremen Szene in Verbindung gesetzt wird.

Zunächst handelte Hinteregger richtig, indem er die Parnerschaft beendete und ein klares Statement gegen Rechtsextremismus setzte. Reinwaschen konnte der 29-Jährige seinen Namen bei einigen jedoch nicht so ganz. Gerade bei einem Klub wie Eintracht Frankfurt, der für Weltoffenheit und Toleranz steht, gibt es zahlreiche Anhänger, die Hinteregger seinen Ausrutscher nicht so leicht verzeihen. Viele sind der Meinung, dass dieser von den Machenschaften seines Ex-Geschäftparners zumindest teilweise gewusst haben musste.

Hinteregger wehrt sich gegen Vorwürfe: "Wusste nichts von seinen Ansichten"

Der Österreicher hat sich nun jedoch heftig gegen die Vorwürfe gegen seine Person gewehrt.
"Ich wusste nichts von seinen Ansichten. Hätte mich jemand vorher gewarnt, hätte ich natürlich anders reagiert", verdeutlichte er.

Wenngleich viele darauf hingewiesen hatten, dass in einem so kleinen Dorf jeder über jeden Bescheid wissen müsste, ist die Erklärung des Spielers durchaus schlüssig. Hinteregger zufolge war Sickl 30 Jahre weg und ist erst vor acht, neun Monaten zurück nach Stirnitz gekommen, während er selbst seit 17 Jahren nicht mehr in dem Dorf lebt. Seine Beteuerung, nichts über die Ansichten des Politikers gewusst zu haben, ist demnach nicht ganz unlogisch, wenngleich man prinzipiell natürlich wissen sollte, mit wem man Geschäfte macht.

Während man nach der ersten Reaktion gedacht hat, dass sich Hinteregger zumindest einsichtig zeigt, wodurch dann auch Gras über die Sache wachsen sollte, weht der Wind nun etwas anders.

Hinteregger setzt sich zur Wehr: "Da wurde eine mediale Hetzjagd getätigt“

Hinteregger erklärte nun, dass er die Berichterstattung für „Satire“ gehalten habe. "Erst am zweiten Tag habe ich dann realisiert, dass es ernst ist und war schon ein wenig traurig", so der österreichische Nationalspieler. Dieser argumentierte auch, dass er als Besitzer von vier Firmen unmöglich alles über seine Partner wissen könne.

Demnach wehrt er sich vehement gegen das enorme Medienecho gegenüber seine Person. "Jeder, der einen gesunden Menschenverstand hat, der weiß, dass alles, was da passiert ist, im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur Schwachsinn war. Da wurde eine mediale Hetzjagd getätigt und ich stand dabei im Mittelpunkt", beklagte er sich.

Hinteregger schießt gegen Bonvalot: "Ein linksextremer Journalist“

Auch der Journalist Michael Bonvalot, der die heiß diskutierte Story publik gemacht hat, bekam von Hinteregger die Retour-Kutsche.

"Der Journalist, der das veröffentlicht hat, ist denke ich ganz klar ein linksextremer Journalist. Der hat mich als Spielball benutzt, um irgendwas gegen die Rechten zu machen. Ich bin mit drin, habe mit der Sache aber hinten und vorne nichts zu tun. Ich bin nur hineingeraten, weil ich die öffentliche Aufmerksamkeit anziehe“, so Hinteregger.

Hintergrund der Sache ist, dass der Frankfurt-Spieler das Schloss Albeck, das der Familie Sickl gehört, als Event-Location nutzen wollte, wodurch die Geschäftsbeziehung mit Heinrich Sickl zustande kam. Dort finden laut Hinteregger jedoch regelmäßig Auftritte bekannter Künstler statt. Demnach ärgert sich der Abwehrspieler darüber, dass die Zusammenarbeit ausgerechnet bei ihm plötzlich ein Problem sei, Bonvalot oder ein anderer Journalist früher jedoch nie über die Sache berichtet hat. Nun wirft Hintergger Bonvalot vor, sich gezielt Hinteregger herausgepickt zu haben, um das mediale Echo einzukassieren.

Eigentlich wäre Hinteregger gut beraten gewesen, einfach überhaupt nichts mehr zu sagen. Klar, das mediale Echo mag übertrieben gewesen sein und es ist sicherlich für den Spieler nicht schön, sich mit solchen Vorwürfen auseinandersetzen zu müssen, jedoch hat er eigentlich alles getan, was getan werden muss. Die Beziehung zu Sickl hat er beendet und sich von rechtem Gedankengut distanziert. Sich nun aber als mediales Opfer zu bemitleiden wird es ihm bei den Eintracht-Anhängern und im Verein nicht leichter machen. Gewissermaßen zeigt das dann doch wieder eine gewisse Uneinsichtigkeit.

Bonvalot kontert Hinteregger-Aussagen und deutet weiteren Bericht an

Insbesondere die Tatsache, dass er Bonvalot als linksextrem bezeichnet, ist fragwürdig. Soeben musste er ja selbst erfahren, wie es ist von anderen in eine politische Ecke gestellt zu werden. Nun macht er das gleiche mit dem Journalist, der Hinteregger selbst im Übrigen kein rechtes Gedankengut unterstellt hat.

Via Twitter hat sich Bonvalot nun auch diesbezüglich zu Wort gemeldet:

"Nachdem ich aufgedeckt hatte, dass Fußballer Hinteregger mit dem Rechtsextremen Sickl zusammenarbeitet, attackiert Hinteregger mich als ‘linksextrem‘. Alter Trick: Wenn Du in der Sache nicht weiterkommst, geh auf die Person. Auffallend: Genau das Framing ’linksextremer Journalist Bonvalot‘ findet sich immer wieder auf Rechts-außen-Plattformen, für die Sickl verantwortlich ist. Woher hat Hinteregger das?“, schoss dieser zurück.

Bonvalot kündigte nun an, einen weiteren Bericht zu veröffentlichen, in denen er Hintereggers Aussagen den ihm vorliegenden Fakten gegenüber stelle. Der Frankfurt-Star hat es leider verpasst, die Sache deeskalieren zu lassen und mit seinen Aussagen dafür gesorgt, dass zwangsweise Gegenreaktionen folgen. Selbst wenn sich Hinteregger als Opfer der Geschichte fühlt, ist seine Herangehensweise taktisch einfach unklug. Gewinnen kann er als Fußballer auf dem Platz, in dieser Debatte hingegen nicht mehr. Seine Zukunft bei der Eintracht ist trotz seiner Erklärung, seine Karriere in Frankfurt beenden zu wollen, längst nicht mehr klar.


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