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EM 2020

EURO 2020: Die wichtigsten Regeln und Besonderheiten im EM-Turnier

Dominik Hager
Joachim Löw will zum ersten Mal die Europameisterschaft gewinnen. Beim Turnier gibt es jedoch haufenweise Regeln zu beachten
Joachim Löw will zum ersten Mal die Europameisterschaft gewinnen. Beim Turnier gibt es jedoch haufenweise Regeln zu beachten / Dean Mouhtaropoulos/Getty Images
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In elf Ländern wird die Jubiläums-EM 2020 mit einem Jahr Verspätung ausgetragen. 24 Nationen werden vom 11. Juni bis zum 11. Juli um den Titel kämpfen. Das sind die wichtigsten Regeln und Besonderheiten des Turniers im Überblick:


1. Die Corona-Regeln

Sergio Busquets
Corona-Fall im spanischen Team: Sergio Busquets wurde nach dem Länderspiel gegen Portugal positiv getestet. / David Ramos/Getty Images

Normalerweise müssten wir diesen Punkt gar nicht aufführen, jedoch könnte dieser im Turnierverlauf einer der wichtigsten werden. Die derzeitige Corona-Infektion von Sergio Busquets wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit nicht die einzige Erkrankung bleiben.

Bereits im Vorfeld wurden erstmals 26 statt 23 Mann für den Kader zugelassen, um den Trainern eine größere Auswahl zu gewähren. Allerdings dürfen bei jedem Spiel nur zwölf Leute auf der Bank sitzen, der Spieltagskader bleibt also bei 23 Mann.

Ansonsten wird eine Corona-Erkrankung wie eine schwere Verletzung betrachtet. Dies bedeutet, dass ein Spieler nachnominiert werden kann, wenn ein anderer Akteur aufgrund von Corona die Heimreise antreten muss. Nach dem Turnierstart kann jedoch nur noch ein erkrankter/verletzter Torhüter und kein Feldspieler mehr ersetzt werden.

Der Super-GAU für jedes Team wäre mit Sicherheit ein Massenausbruch. Sollten ein Team keine 13 Spieler mehr zusammenbekommen, wird das Spiel abgesagt und nach Möglichkeit innerhalb von 48 Stunden nachgeholt. Kann das nicht passieren, wird die Partie mit 0:3 gegen die Mannschaft gewertet, die für die Spielabsage verantwortlich gemacht wird.

Größere Infektionsketten sollen jedoch verhindert werden, indem man ähnlich wie im Vereinsfußball auf häufige Tests, eine rasche Isolation und auf die Verwendung von Masken setzt. Zudem soll sowohl im Hotel als auch bei der An- und Abreise Kontakt zu Angestellten minimiert werden bzw. Plätze frei bleiben, um Abstand zu gewähren.

2. Der Modus

Oliver Bierhoff, Joachim Loew, Andreas Koepke
Gute Nachrichten für Löw und Co: Selbst Rang drei hinter Frankreich und Portugal könnte noch für das Achtelfinale reichen. / Andreas Schaad/Getty Images

Vor allem für die deutschen Anhänger dürfte der spezielle Gruppenmodus für ein wenig Beruhigung sorgen. Insgesamt geht das Turnier mit sechs Gruppen à vier Teams in die Vorrunde. Allerdings kommen nicht nur die ersten beiden Teams, sondern auch die besten vier von sechs Gruppen-Dritten ins Achtelfinale.

Die gruppeninterne Reihenfolge wird zunächst nach der Punktzahl und bei einem Gleichstand durch den direkten Vergleich ermittelt. Erzielen mehrere Teams die gleiche Punktzahl, wird der direkte Vergleich der beteiligten Teams zu einer Tabelle zusammengerechnet, wobei das Team mit der besten Tordifferenz vorne steht.

Sollte es hierbei auch noch kein klares Ergebnis geben, wäre die Tordifferenz aller Spiele ausschlaggebend. Für den unwahrscheinlichen Fall eines erneuten Gleichstandes, käme das Team mit mehr Siegen weiter. Sollte immer noch kein Unterschied auszumachen sein, würde zunächst die Fair-Play-Wertung, dann die Leistung in den Qualifikationsspielen und im letzten Zug ein Elfmeterschießen die Entscheidung bringen.

Beim Vergleich der Gruppendritten zählt zunächst die Punktzahl, dann die Tordifferenz, die höhere Anzahl an erzielten Toren und anschließend die Anzahl der Siege. Bei einem Gleichstand würde erneut zunächst die Fair-Play-Wertung und anschließend die Qualifikationsleistung entscheiden.

In der K.o.-Phase geht es nach einem Unentschieden in die Verlängerung. Bleibt es nach der klassischen Verlängerungsvariante beim Gleichstand folgt das Elfmeterschießen. Hierbei finden wir das Regelwerk vor, dass auch bei internationalen Spielen zum Einsatz kommt. Für die Torhüter gilt es wieder zu bedenken, dass ein Fuß beim Elfmeterschuss die Linie berühren muss. Beim ersten Vergehen wird der Keeper verwarnt, beim zweiten Verstoß erhält er eine Gelbe Karte.

3. Sperren

Ji Sung Park of South Korea and Michael Ballack of Germany
Szenen, wie diese, wird es nicht mehr geben. Michael Ballack sah im WM Halbfinale 2002 die Gelbe Karte und musste im Finale zuschauen. / Gary M. Prior/Getty Images

Generell erfolgt eine Gelbsperre nach zwei Gelben Karten für das folgende Spiel. Allerdings wurden vor Turnierstart alle Karten aus den Qualifikationsspielen und Play-offs gestrichen. Zudem werden die Karten nach dem Viertelfinale gelöscht, wodurch auf diese Weise kein Akteur das Finale verpassen kann.

Allerdings gibt es eine kleine Kuriosität. Gelbe Karten aus den regulären 90 Minuten und der Verlängerung werden vor dem Elfmeterschießen gestrichen. Sollte beim Elfmeterschießen ein Akteur also eine weitere Verwarnung erhalten, würde er zwar nicht vom Platz fliegen, allerdings im Finale gelbgesperrt fehlen.

Sollte ein Akteur mit einer Roten Karte vom Platz fliegen, ist eine Mindeststrafe von einem Spiel Sperre vorgesehen. Allerdings kann sich die Sperre je nach Vergehen um mehrere Spiele verlängern. Geht diese über das Turnierverlauf hinaus, muss der Sünder seine Sperre in der WM-Qualifikation absitzen.

4. Schiedsrichter

Felix Brych
Felix Brych wird neben Daniel Siebert bei der EM in Einsatz sein. / Martin Rose/Getty Images

Das Schiedsrichter-Team besteht aus einem Hauptschiedsrichter, zwei Assistenten, einen Vierten Offiziellen, einen Reserve-Assistenten und vier Video Assistenten.

Bei der EM werden die offiziellen Spielregeln der Saison 2021/22 genutzt. Lediglich beim Handspiel gibt es eine wichtige Änderung. Eine Ballberührung mit der Hand ist bei einer Torvorbereitung nicht mehr unabhängig von der Absicht automatisch ein strafwürdiges Handspiel. Es werden demnach bereits die Handspielregeln für die kommende Saison umgesetzt.

Als Pendant zum "Kölner Keller" wird eine vergleichbare Einrichtung in Nyon sein. Von dort aus können die Video-Schiedsrichter bei Toren, Strafstoßentscheidungen, Platzverweisen und der Verwechselung von Spielern eingreifen.

Im Zweifel hat jedoch immer der Schiedsrichter das letzte Wort, der sich die Szenen an der Seitenlinie selbst ansehen kann. Mit Felix Brych und Daniel Siebert werden auch zwei Unparteiische aus Deutschland zum Einsatz kommen.

5. Spieltags-Regelungen

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Regenschlachten, wie das EM-Spiel 2008 zwischen der Schweiz und der Türkei, könnten abgebrochen und am Tag darauf fortgesetzt werden. / VALERY HACHE/Getty Images

Die Teams sind dazu angehalten, fünf Stunden vor dem ersten Spiel in ihren Trainingscamps zu sein und sich maximal 24 Stunden vor Anpfiff im Austragungsort einzufinden. Die Spieler können am Vortag des Spieles eine Stunde im Stadion trainieren und müssen sich am Spieltag selbst 75 Minuten vor Anpfiff einfinden.

Zu diesem Zeitpunkt muss auch die Aufstellung stehen, die allerdings im Falle einer Aufwärm-Verletzung noch verändert werden kann. Ein Spielerwechsel wird dem Team nicht angerechnet. Hiervon haben die Trainer fünf Stück zur Verfügung. Allerdings müssen diese in drei Zeitfenstern (Ausnahme Halbzeit) vollzogen werden. Geht ein Spiel in die Verlängerung, darf ein weiterer Spieler ausgetauscht werden.

Im Falle einer Spielabsage, z.B. aufgrund von extremen Wetterbedingungen, wird das Spiel auf den kommenden Tag verlegt und im gleichen Stadion ausgetragen. Sollte das Spiel jedoch während der 90 Minuten unterbrochen werden müssen, wird nur die verbleibende Spielzeit nachgeholt. Tore, Karten und Wechsel behalten jedoch ihre Gültigkeit.

Die Teams haben nach der Partie noch 12 Stunden Zeit, Protest einzureichen. Nach spätestens 24 Stunden soll eine Entscheidung vonseiten der UEFA vorliegen. Alle Teams sind zudem dazu verpflichtet, in jedem Spiel mit der besten Elf aufzulaufen. Dies ist allerdings nur schwierig zu überprüfen und und wird wohl kaum Relevanz haben.

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