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Bayern München

Die Möglichkeiten des FC Bayern auf der rechten Abwehrseite

Dominik Hager
Julian Nagelsmann will bei den Bayern wohl ein neues System einführen. Dazu braucht es einen offensivstarken Rechtsverteidiger.
Julian Nagelsmann will bei den Bayern wohl ein neues System einführen. Dazu braucht es einen offensivstarken Rechtsverteidiger. / Pool/Getty Images
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Wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist die rechte Abwehrseite eine der wenigen Positionen, auf der die Bayern nicht herausragend besetzt sind. In der vergangenen Saison hatte Benjamin Pavard seinen Stammplatz aufgrund fehlender Konkurrenz praktisch sicher. Im Sommer könnte jedoch Bewegung in die Sache kommen. Wir schauen uns die verschiedenen Varianten auf der rechten Seite mal genauer an.

1. Die Bayern bleiben bei einer Viererkette mit Pavard als Stammspieler

Benjamin Pavard
Pavard wäre in einer Viererkette wohl weiterhin als Rechtsverteidiger gesetzt. / Pool/Getty Images


Benjamin Pavard zeichnet sich in erster Linie durch sein starkes Deffensiv-Spiel aus. Demnach hat er auch gute Chancen auf die Startelf, solange sich am Bayern-System nichts ändert.

Lediglich Niklas Süle konnte den Franzosen kurzfristig herausfordern. Der gelernte Innenverteidiger hatte im Duell letztlich aber recht klar das Nachsehen, was mutmaßlich auch in Zukunft so bleibt.

Bouna Sarr hatte hingegen nie eine wirkliche Chance, Pavard zu verdrängen. Selbst wenn auf der rechten Abwehrseite ein neuer Spieler hinzu kommen könnte, wäre es für den Neuzugang zunächst schwierig, den Ex-Stuttgarter aus der Viererkette zu verdrängen. Ein echtes Kaliber wie Achraf Hakimi werden sich die Münchner schließlich nicht leisten können.

2. Serge Gnabry oder Kingsley Coman agieren als rechter Schienenspieler

Kingsley Coman, Serge Gnabry
Gnabry und Coman könnten positionsfremd auflaufen. / Pool/Getty Images


Stellt Julian Nagelsmann jedoch auf Dreierkette um, könnte sich alles ändern. Benjamin Pavard ist für einen effektiven rechten Schienenspieler zu offensivschwach und langsam. Der Weltmeister von 2018 würde in diesem Fall nach rechts innen rücken. Derzeit gilt es als sehr wahrscheinlich, dass der ehemalige Leipzig-Trainer seine bevorzugte Formation auch in München auspackt.

Gesucht wird demnach ein offensivstarker rechter Schienenspieler. Da Bouna Sarr nicht leistungsstark genug ist, müsste der 33-Jährige experimentieren.

Laut Angaben der SPORTBILD könnte der neue Coach Serge Gnabry auf der rechten Seite bringen. Die beiden kennen sich bereits aus Hoffenheimer Zeiten. Der neue Bayern-Coach schätzte bereits damals die hohe Auffassungsgabe des Offensivspielers und setzte ihn mehrmals als rechten Schienenspieler ein.

Gnabry ist für einen Offensivspieler durchaus defensivstark und besitzt auch den nötigen Biss, um seine Gegenspieler zu ärgern. Allerdings bleibt die Frage, ob es Sinn ergibt, einen derart schuss- und abschlussstarken Akteur so weit vom Strafraum zu positionieren. Gnabry wäre auf der rechten Außenseite ein wenig eingezäunt in seinen Aktionen.

Ein Akteur, der sich in der Nähe der Außenbahn wohler fühlt, wäre Kingsley Coman. Der Franzose ist mit seiner Dribbelstärke und Ballführung auf engem Raum stark und kann sich auf dem Flügel dank seiner Schnelligkeit durchsetzen. Ein Coman weiter weg vom Strafraum wäre nicht ganz so tragisch, zumal der Akteur ohnehin nicht explizit durch seine Abschlussstärke und Torgefahr besticht.

Ein großes Problem wäre jedoch Comans Defensivarbeit. Zudem wäre er vermutlich nicht gerade erfreut über die Versetzung, was seine Wechselambitionen verstärken könnte.

3. Nagelsmann überrascht alle mit Tolisso

Corentin Tolisso
Im Zentrum ist Corentin Tolisso nur zweite Wahl. Gibt es eine Chance auf rechts? / CHRISTOF STACHE/Getty Images

Nagelsmann ist bekannt dafür, Spieler gerne positionsfremd aufzustellen. Insbesondere zentrale Akteure tauchen unter dem neuen Bayern-Trainer auch mal auf den Außenbahn-Positionen auf. Während seiner Amtszeit in Leipzig testete er unter anderem Amadou Haidara oder Tyler Adams als Schienenspieler. Wirklich durchsetzen konnten sich zwar auf Dauer beide nicht, schlecht haben sie ihre Rollen aber auch nicht erfüllt.

Beim FC Bayern gibt es nicht viele Spieler, die für eine solche Versetzung in Frage kommen. Joshua Kimmich oder Leon Goretzka nach außen zu ziehen, ergibt definitiv keinen Sinn. Marc Roca ist als Stratege ebenfalls keine Option. Bei Corentin Tolisso kann man sich jedoch nicht sicher sein.

Der Franzose ist ein guter Allrounder, der auch eine gewisse Dynamik mitbringt. Zwar würde seine Torgefahr und seine Schussstärke leiden, jedoch könnte der 26-Jährige zugleich mit einer Versetzung seine wohl einzige Stammplatz-Chance wittern.

Von allen Möglichkeiten ist dies mit Sicherheit die unwahrscheinlichste Option - aber wie gesagt, ein Nagelsmann ist immer für Überraschungen gut.

4. Verpflichten die Bayern EM-Überraschung Dumfries?

Denzel Dumfries
Denzel Dumfries spielt eine bis jetzt überragende EM. / Soccrates Images/Getty Images

Der holländische Nationalspieler Denzel Dumfries ist bislang die Überraschung der EM. Der 25-jährige Rechtsfuß von der PSV Eindhoven konnte mit zwei Toren und einer Vorlage auf sich aufmerksam machen.

Im Trikot der der Elftal agiert Dumfries als rechter Schienenspieler und setzt seine offensiven Fähigkeiten derzeit wahrlich gewinnbringend ein. Damit ist er genau der Spielertyp, den die Bayern suchen.

"In der Nationalmannschaft spielt er in der Dreier-Fünferkette, was Nagelsmann fordert. Und das macht er überragend", findet auch Sky-Reporter Marc Behrenbeck.

Dieser berichtet aber auch, dass es an einem möglichen Transfer einen Haken gibt. "Aktuell ist er zu teuer. Er hat eine Ausstiegsklausel von etwa 15 Millionen. Darunter bekommt man ihn nicht. Eigentlich ist das günstig, aber der FC Bayern will nicht mehr so viel ausgeben. Aber das Thema ist auf dem Tisch an der Säbener Straße", erklärt er.

Stellt sich nur noch die Frage, wie lange Dumfries eigentlich noch auf dem "Tisch" ist. Die EM ist eine hervorragende Bühne und je weiter "Oranje" kommt, desto mehr Vereine werden den Spieler umwerben.

Ohnehin kann man sich wieder Fragen, in welcher Parallelwelt die Bayern leben, wenn 15 Millionen für Dumfries zu teuer sein sollen. Ein Spieler mit einer gewissen Qualität kostet normalerweise deutlich mehr. Und wenn ein Klub wie Bayern München eine Verstärkung benötigt, muss er notwendigerweise in den höheren Preis-Ebenen stöbern.

Die Frage darf also niemals lauten, ob 15 Millionen zu teuer sind, sondern vielmehr, ob der Spieler als gut genug für die eigenen Ansprüche befunden wird. Sicherlich besteht gerade ein wenig die Gefahr eines EM-Hypes. Zwar ist der Akteur schnell, zweikampfstark und im Verein sogar Kapitän, jedoch scort er definitiv nicht immer so stark wie in den letzten beiden EM-Spielen.

Aufgrund der fehlenden Alternativen auf dem Markt und dem günstigen Preis, wäre ein Dumfries-Transfer dennoch vergleichsweise vielversprechend.

5. Kommt "Billiglösung" Mazraoui?

Mazraoui
Mazraoui wäre die wohl günstigste Variante für die Bayern. / MAURICE VAN STEEN/Getty Images

Beim aktuellen Sparfuchs-Modus der Bayern kann man möglichen Transfers von Aarons, Dest oder gar Hakimi wohl zunächst ad acta legen. In den Geldbeutel würde höchstens noch Noussair Mazraoui passen.

Vor wenigen Wochen haben Christian Falk und Tobias Altschäffl im BILD-Podcast "Bayern-Insider" bestätigt, dass der 23-Jährige ein Kandidat sei. Der Spieler würde laut Angaben von De Telegraaf zwischen 10-15 Millionen Euro kosten.

Allerdings sollen die Bosse Zweifel haben, ob der zuletzt stagnierende Ajax-Spieler wirklich gut genug ist. Der Marokkaner absolvierte in der vergangenen Saison wettbewerbsübergreifend 26 Spiele. Dabei gelangen ihm zwei Torbeteiligungen. Nicht wirklich eine vielversprechende Bilanz.


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