Während der Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 1998, die in Frankreich ausgetragen wurde, ging nicht alles mit rechten Dingen zu. Das gab der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini gegenüber dem französischen Radiosender France Bleu Sport zu.Wie der 62-Jährige erklärte, sei demnach die Gruppenauslosung zum Teil manipuliert worden.


Die insgesamt 16. FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft vor 20 Jahren stand ganz im Zeichen Frankreichs. Die französische Nationalmannschaft um Spielführer Didier Deschamps feierte im eigenen Land den ersten und bislang einzigen WM-Triumph, nachdem man im Finale von Saint-Denis auf Titelverteidiger Brasilien traf. Die 'L'Equipe Tricolor' setzte sich dank eines Doppelpacks von Zinedine Zidane sowie dem späten Treffer durch Emmanuel Petit mit 3:0 durch und bekam als bis dato letzte Nation den WM-Pokal im eigenen Land überreicht. 


Doch dass das Finale zwischen Frankreich und Brasilien ausgespielt werden sollte, schien schon lange vor Turnierbeginn festzustehen, wie Michel Platini nun offenbarte: "Es gab ein paar Tricksereien", so der einstige Nationaltrainer seines Heimatlandes (1988 - 1992) und langjährige UEFA-Präsident (2007 - 2015) bei France Bleu Sport.

​​Frankreich gegen Brasilien sei "das Finale" gewesen, "von dem jeder geträumt hat. Wir haben die Weltmeisterschaft nicht sechs Jahre lang vorbereitet, ohne ein paar Spielereien zu treiben. Denken Sie, andere Gastgeber hätten das nicht gemacht?", führte Platini, der zur damaligen Zeit Vizepräsident des Organisationskomitees war, fort. 


Daher habe man abgesprochen, welcher Gruppe die französische Nationalmannschaft beim Turnier angehören sollte. Brasilien war als Titelverteidiger in Gruppe A gesetzt, weshalb man die Franzosen gemeinsam mit Dänemark, Saudi-Arabien und Südafrika in Gruppe C unterbrachte - die Brasilianer trafen wiederum auf Norwegen, Marokko und Schottland.


Durch diese Konstellation war gesichert, dass beide Mannschaften - sofern sie in ihrer jeweiligen Gruppe als Gruppensieger in das Achtelfinale einziehen würden - vor dem Finale auf keinen Fall aufeinandertreffen würden. Letzten Endes befand sich die 'Selecao' als Sieger der Gruppe A im oberen und Frankreich als Sieger der Gruppe C im unteren Turnierbaum. Während Brasilien in der K.O.-Phase gegen Chile, Dänemark und die Niederlande antrat, bekam es Frankreich mit Paraguay, Italien und Kroatien zu tun, und beide erreichten schließlich das Endspiel. 


Im Hinblick auf andere Turniere bekommen diese einen faden Beigeschmack. So durfte die englische Nationalmannschaft aufgrund der Gruppenauslosungen der Weltmeisterschaft 1966 und der Europameisterschaft 1996 alle Partien im Wembley Stadion von London austragen - sowohl in der Gruppenphase als auch in den K.O.-Runden. Ob dies aber tatsächlich aufgrund von Manipulation oder Zufall geschehen ist, bleibt weiterhin offen.