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Nagelsmann-Aus unvermeidbar? Die bittere Wahrheit des Bundestrainers

Julian Nagelsmann sollte den Posten des Bundestrainers vorerst an den Nagel hängen und sich einer passenderen Aufgabe widmen – zu seinem eigenen Wohl. Ein Kommentar.
Julian Nagelsmann
Julian Nagelsmann | picture alliance/GettyImages

Puh, was für eine Ernüchterung! Die deutsche Nationalmannschaft hat sich bereits im Sechzehntelfinale der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko aus dem Turnier verabschiedet und die ohnehin bereits drohende Trauerstimmung rund um den DFB-Fußball noch weiter verschlimmert. Einzig im Auftaktspiel gegen Fußballzwerg Curaçao konnte die Mannschaft um Bundestrainer Julian Nagelsmann eine halbwegs ansprechende Leistung zeigen, doch dann ging mit jedem weiteren Auftritt die Stimmung zunehmend in den Keller.

Nach dem frühen WM-Aus steht vor allem Julian Nagelsmann in der breiten und teils scharfen Kritik. Nicht wenige Fans, aber auch Experten scheinen spätestens jetzt darauf zu hoffen, dass der 38-Jährige seinen Posten zeitnah räumen muss, um Platz für den von vielen geforderten Nachfolger Jürgen Klopp zu machen. Und diese Hoffnung scheint nicht ganz unberechtigt.

Nagelsmann scheint nicht richtig aus seinen Fehlern zu lernen

Leider kann sich der Bundestrainer kaum von vielschichtiger Kritik freimachen, denn die Leistungen der DFB-Auswahl waren seit seinem Amtsantritt viel zu unbeständig, die Weiterentwicklung viel zu inkonstant, die Linie und die Spielidee Nagelsmanns kaum erkennbar. Der noch junge Cheftrainer verstrickte sich viel zu häufig in aufsehenerregende Geschichten rund um die Nationalmannschaft, aber auch um seine eigene Person.

Dazu kommen fragwürdige Personalentscheidungen, beleidigte Reaktionen auf kritische Stimmen und die große Diskrepanz zwischen Wort und Tat – vor allem mit Blick auf das ausgerufene Leistungsprinzip. Fehler, die Nagelsmann nicht erst im DFB-Team um die Ohren fliegen, fallen hier jedoch deutlich mehr ins Gewicht als bei seinen vorherigen Trainerstationen auf Vereinsebene.

Der rote Faden der immer gleichen Kritik an Nagelsmann

Schon bei seinem ersten Auftritt auf der schillernden Profibühne hielten sich trotz des großen Hypes um Nagelsmann auch bei der TSG 1899 Hoffenheim kritische Stimmen. Als derart junger Trainer eine ausgefuchste Profi-Truppe zu übernehmen, dazu gehört einiges.

Vielleicht war es aber gerade diese Phase, in der sich beim heutigen Bundestrainer festgebrannt hat, dass er sich immer wieder neu beweisen muss, da er selbst keine große Profikarriere als Spieler hinlegen konnte.

Schon bei den Kraichgauern war vereinzelt zu hören, dass Nagelsmann zu viele taktische Experimente wage, zu viel Input liefere und zu viel von seinen Spielern verlange, was über individuelle Entscheidungsfindungen hinausgehe. Es gab zu wenig abgestimmte Abläufe, zu wenig Konstanz in der langfristigen Spielidee, zu wenig fußballerische Freiheiten und die vermeintlichen Lösungsfindungen waren zu kompliziert.

Damals gewährte man dem Trainerneuling noch Welpenschutz und die Fallhöhe war für Nagelsmann ohnehin nicht so hoch. Die Flughöhe hat sich seither aber verändert.

Diese Vorwürfe begleiteten Nagelsmann auch während seiner Zeit bei RB Leipzig. Sie sorgten dafür, dass sich ein bestimmtes Bild von Nagelsmann verfestigte, von dem er noch heute nicht wegzukommen scheint.

Der ständige Drang nach Weiterentwicklung und neuen Ideen scheint zum einen die größte Stärke des noch immer jungen Trainers zu sein, jedoch auch das Kryptonit – schon seit er im Profifußball tätig ist. Dass Nagelsmann damit nicht jeden einzelnen Spieler besser macht, liegt dabei aber leider auch auf der Hand. Regelmäßige Schwächephasen sind Resultat dieser durchaus schwierigen Themen rund um den 38-Jährigen.

Kann Nagelsmann noch keine großen Projekte?

Bei der TSG Hoffenheim und RB Leipzig fielen diese Kritikpunkte jedoch nicht so sehr ins Gewicht, da es sich bei beiden um Klubs handelt, die sich in einem permanenten Wandel und Entwicklungsprozess befinden. Nagelsmann ist zwar einer der talentiertesten Trainer Deutschlands, doch er ist vermutlich eher Azubi als gefestigter Trainerfuchs. Vielleicht ist die Nische des Bundestrainers derzeit eher bei den ständig lebendigen Entwicklungs- und Evolutionsklubs zu finden.

Nagelsmann als Trainer des FC Bayern
Nagelsmann als Trainer des FC Bayern | picture alliance/GettyImages

Dieser Eindruck wird durch die beiden letzten Engagements Nagelsmanns noch verstärkt. Sowohl beim FC Bayern München als auch jetzt bei der deutschen Nationalmannschaft wird immer deutlicher, dass sich Nagelsmann keinen Gefallen tut, sich an derart vorgereiften Projekten zu versuchen, die nicht mit ihm wachsen, sondern an deren bereits großem Glanz er sich permanent beweisen muss.

Anstatt in sich und seiner Spielidee zu ruhen und bei einer klaren Linie bleiben zu können, wirkt Nagelsmann mehr und mehr wie ein Getriebener – seines eigenen Anspruchs, aber auch in puncto öffentlicher Akzeptanz. Das tut auch seiner eigenen Weiterentwicklung nicht gut. Von seinem Image ganz zu schweigen.

Nagelsmann sollte einen Schritt zurück machen, um wieder vorwärts zu kommen

Julian Nagelsmann ist mit seinen vielfältigen Fußballideen natürlich ein in speziellen Bereichen herausragender Entwickler. Doch derzeit wäre er auf Vereinsebene wohl noch deutlich besser aufgehoben, wo er sich bei einem Klub, der selbst noch im Wachsen ist, einbringen kann. Vielleicht ist die Ausbildungsphase des in meinen Augen immer noch Trainertalents noch nicht so weit abgeschlossen, dass er heute ein so dickes Fell hat, das ihm mehr innere Ruhe und Frieden mit seiner Arbeit gibt.

Julian Nagelsmann
Julian Nagelsmann | Alexander Hassenstein/GettyImages

Julian Nagelsmann hat seine Qualitäten, das ist unbestritten. Doch vielleicht scheint zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht zusammenzupassen, was zusammen ist.

Womöglich würden sich alle Seiten einen riesengroßen Gefallen tun, wenn sie die gemeinsame Zusammenarbeit vorerst beenden und sich selbst das geben, was sie am meisten zu brauchen scheinen:

Nagelsmann vielleicht zunächst eine Verschnaufpause und dann eine Aufgabe, in der er und seine Entwicklung deutlich unbeschadeter weitergehen können, und der DFB einen bereits starken, sattelfesten und mit allen Wassern gewaschenen Bundestrainer wie etwa Jürgen Klopp - oder vielleicht auch mal jemanden aus dem Ausland. Auf jeden Fall jemanden, der sich nicht mehr derart selbst beweisen muss und keinen Entwickler.

Der deutsche Fußball benötigt nun einen starken Mann, der sein Handwerk mit ruhiger Hand versteht und seinen Weg gefunden hat. Jemanden, an dem sich der Fußball und die Nationalmannschaft aufrichten können, anstatt auf Augenhöhe mitzuschwimmen.

Es wäre womöglich auch ein erster Schritt der Reifung, wenn Nagelsmann den Schnitt von sich aus macht und nach dem jetzigen WM-Fiasko vom Trainerstuhl des deutschen Teams abtritt. Zumindest wäre dies ein Zeichen dafür, dass der 38-Jährige verstanden hat, in welche Richtung er sich entwickeln muss, um sich für weitere große Aufgaben nicht zu verbrennen.

Diese Entscheidung würde ihm vermutlich noch nicht einmal als Schwäche ausgelegt werden sondern viel mehr als Akt mit Rückgrat und gesunder Selbstreflektion.

Zu wünschen wäre es ihm, eine Lösung zu finden, die ihm etwas mehr Frieden verschafft - vor allem innerlich. Der Trainerstuhl des DFB scheint derzeit jedoch (noch) der falsche Posten für Julian Nagelsmann zu sein und das soll keineswegs als Fallbeil der Qualitätsfrage herhalten.


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