Die Erleichterung war groß, als Deutschland erstmals seit 2014 wieder die Gruppenphase einer Weltmeisterschaft überstand. Doch abgesehen vom Auftaktsieg gegen Curacao waren die Leistungen nicht wirklich erbaulich, so dass es im Sechzehntelfinale die Quittung und das peinliche Aus gegen Paraguay gab.
Nahezu jeder Spieler im DFB-Team enttäuschte, aber am meisten steht Bundestrainer Julian Nagelsmann im Fokus. Wir zeigen seine fünf größten Fehler:
Unnötige Torwart-Debatte
Den ersten Wirbel rund ums DFB-Team gab es schon, da hatte die WM noch nicht mal begonnen. Die Entscheidung, kurz vor der Kadernominierung umzuschwenken und Manuel Neuer zurückzuholen, hatte in weiten Teilen Deutschlands für Aufregung gesorgt. Was weniger an der Personalie Neuer per se lag, als vielmehr an der Kommunikation des Bundestrainers. Eine klare Linie? Ein roter Faden? Fehlanzeige.
Dass Neuer dann auch noch keine gute WM spielte, passt im Grunde perfekt zu diesem Turnier des DFB-Teams.
Kein 1vs1-Experte
Weitere Debatten hatte im Vorfeld der WM die Entscheidung ausgelöst, einen Said El Mala zuhause zu lassen. Selbst als Lennart Karl seine Teilnahme verletzungsbedingt absagen musste, nominierte Nagelsmann mit Assan Ouedraogo lieber den x-ten zentralen Mittelfeldspieler. Echte Eins-gegen-eins-Spezialisten suchte man im Kader jedoch vergebens.
Dabei hätte es gerade die gegen Ecuador, aber vor allem gegen Paraguay gebraucht. Teams, die nur das Ziel haben, sich hinten einzuigeln und per Konter zum Erfolg zu kommen, knackst du nur mit guten Flügelspielern, die Situationen durch gewonnene Eins-gegen-eins-Situationen auflösen. Genau die hatte Deutschland aber nicht.
Leroy Sané galt vielleicht mal als solcher, aber am Gegenspieler kommt der im direkten Duell schon lange nicht mehr vorbei. Auch Florian Wirtz auf der anderen Seite ist alles, aber kein Eins-gegen-eins-Spezialist. Hätte man doch nur einen frischen, unbekümmerten El Mala auf der Bank gehabt, den man hätte bringen können...
Kimmich als Rechtsverteidiger
Joshua Kimmich gilt im DFB-Team als wichtigster Spieler, hatte aber eine Rolle inne, die diesem Status überhaupt nicht gerecht wird. Als Rechtsverteidiger war er im Spielaufbau kaum eingebunden und wurde zumeist darauf beschränkt, irgendwelche Bälle von links nach rechts zu schieben. Die gefährlichen Chip-Bälle hinter die Abwehr, die er im Mittelfeld des FC Bayern so bravourös spielt, konnte er dadurch überhaupt nicht einbringen.
Defensiv war er dagegen häufig hinten dran, weil Kimmich nunmal auch nicht der schnellste ist. Kurzum: Der Bayern-Star wurde fast all seiner Stärken beraubt, stattdessen wurden sogar seine Schwächen extrem zum Vorschein gebracht.
Dass Nagelsmann nicht spätestens im Turnierverlauf umstellte und Kimmich ins Mittelfeld beorderte, ist grotesk. Und wohl einfach mit Nagelsmanns Sturheit zu begründen. Noch schlimmer ist, dass Aleks Pavlovic im Mittelfeld wirklich eine schreckliche WM hatte und meilenweit von seiner Normalform entfernt war. Ihn trotzdem solange spielen und Kimmich als Rechtsverteidiger versauern zu lassen, war schlichtweg hanebüchen vom Bundestrainer.
Bedingungsloses Festhalten an Sané
Hanebüchen war auch die Spielgarantie von Leroy Sané, der auf Vereinsebene bei Galatasaray keine gute Saison hatte, nun aber auf der WM-Bühne unangefochtener Stammspieler sein durfte. Ja, Sané war recht emsig, was die Defensivarbeit betrifft – das war es dann aber auch. Auch sein Tor gegen Ecuador darf nicht darüber hinweg täuschen, wie schwach Sanés Offensiv-Output während des gesamten Turniers war.
Tiefpunkt war schließlich sein Auftreten gegen Paraguay: 0/7 gewonnene Dribblings, 0/8 angekommene Flanken, 1/9 gewonnene Zweikämpfe. Trotzdem stand er 88 Minuten auf dem Feld, ehe er mal ausgewechselt wurde.
Umgang mit Woltemade
Abgesehen vom Spiel gegen das hoffnungslos unterlegene Curacao, war Deutschland bei der WM in der Offensive viel zu harmlos. Ändern wollte der Bundestrainer dennoch nichts und hielt starr an seiner Startelf fest.
Fragwürdig ist vor allem Nagelsmanns Umgang mit Nick Woltemade, der in der Vorrunde überhaupt nicht zum Einsatz kam und gegen Paraguay erst in der 88. Minute eingewechselt wurde. Ohne jeglichen Rhythmus (in den Testspielen vor der WM durfte er auch nur insgesamt 17 Minuten spielen) sollte Woltemade plötzlich die Kohlen aus dem Feuer holen – irre!
In der WM-Quali war Woltemade einer der besten deutschen Spieler, bei der WM plötzlich nur noch Statist. Obwohl die gesamte Offensive während des Turniers lahmte.
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