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Saibari vs. Karetsas - Welcher Klub hat den besseren Deal gelandet?

Sowohl der FC Bayern als auch der BVB investierten im Sommer viel Geld und Mühe, um ihre Wunschtransfers für die Offensive unter Dach und Fach zu bringen. Wir vergleichen, wer den besseren Deal abgeschlossen hat.
Zwei neue Stars für die Bundesliga: Ismael Saibari (l.) & Konstantinos Karetsas
Zwei neue Stars für die Bundesliga: Ismael Saibari (l.) & Konstantinos Karetsas | 90min-Edit/IMAGO

Für so manche Fußballfans ist die Sommerpause aufgrund fehlender sportlicher Highlights auf Vereinsebene stinkend langweilig, und andere wiederum finden gerade aufgrund der stark bemühten Transferaktivitäten des eigenen Lieblingsklubs sehr viel Gefallen an dieser pflichtspielfreien und sonst recht highlightarmen Phase des Jahres.

Doch so mancher Transfer im deutschen Oberhaus bietet sich wunderbar für einen Vergleich mit der Konkurrenz an und so blicken wir nun auf die Transfer-Moves der beiden größten deutschen Fußballklubs.

Im laufenden Transfersommer konnten beide Big Player der Bundesliga ihre ganz großen Sommer-Deals landen. Der FC Bayern München verpflichtete WM-Entdeckung Ismael Saibari vom niederländischen Topklub PSV Eindhoven und Borussia Dortmund stellte am Montag das griechische Wunderkind Konstantinos Karetsas vor.

Von beiden Transfers darf man eine ganze Menge erwarten – allein schon beim Blick auf die jeweiligen Preisschilder. Doch welcher Klub hat den insgesamt besseren Fisch an Land gezogen?

Der FC Bayern holt Ismael Saibari

Zugegeben, den Namen Ismael Saibari hätte man vor dem Aufkommen des Gerüchts um den marokkanischen Nationalspieler vermutlich nicht auf seiner Bingo-Karte zum FC Bayern unter den Top 10 Transferoptionen erwartet, doch Cheftrainer Vincent Kompany wollte den flexibel einsetzbaren Eredivisie-Star unbedingt haben. Die Bayern erfüllten den Trainerwunsch und lotsten Saibari schließlich für eine Ablöse in Höhe von 50 Millionen Euro an die Säbener Straße.

Damit tüteten die Münchner den Transfer sogar unter Marktwert ein, denn Saibari wird auf 55 Millionen Euro geschätzt.

Aus diesem Blickwinkel ist es ein bereits durchaus gelungener Coup, doch es ist immer noch eine recht deftige Hausnummer für einen Spieler, der möglicherweise nur als Backup agiert. Oder kann Saibari mehr als nur zweite Reihe?

FC Bayern Sommereinkauf Ismael Saibari
FC Bayern Sommereinkauf Ismael Saibari | F. Noever/GettyImages

Auch wenn sich mancher fragt, wo der 25-jährige Saibari in der starbesetzten Offensivreihe des Rekordmeisters (s)einen Platz finden soll, macht der Transfer unglaublich viel Sinn.

Zwar stehen in München mit Harry Kane, Michael Olise, Luis Diaz, Jamal Musiala, Serge Gnabry und Lennart Karl einige hochkarätige Spieler vor der Nase des Neuzugangs, doch Saibari kommt keineswegs mit einem Messer zur Schießerei, um es mal recht überspitzt zu formulieren.

Rein von seinem Profil her passt Saibari hervorragend zum Fußball von Kompany. Der Marokkaner ist flexibel einsetzbar, kann im Sturmzentrum, als Zehner, auf beiden Flügeln sowie als Achter agieren und ist torgefährlich, dribbelstark, passsicher sowie in der Lage, kreative Lösungen zu finden und seine Mitspieler mit dem finalen Pass in Szene zu setzen. 71 Torbeteiligungen in 142 Pflichtspielen für die PSV stellen eine eindrucksvolle Bilanz dar.

Egal, wo es bei den Bayern offensiv brennen sollte: Saibari (35 Länderspiele/12 Tore) kann dort spielen.

Ebenfalls logisch: Saibari kommt zwar als Spieler, der noch keine großen Ansprüche stellen darf und sich sein Standing in München erst noch erarbeiten muss. Letztlich verfügt er aber über genug Qualität, um den vermeintlich gesetzten Offensivstars ordentlich Druck zu machen.

Das erhöht die Leistungsdichte und sorgt dafür, dass sich keiner der Starspieler auf seinen Lorbeeren ausruhen kann. Saibari lauert nur darauf, dass es einer seiner Kontrahenten etwas schleifen lässt. Alleine aus Sicht des Konkurrenzkampfes macht dieser Deal also schon wahnsinnig viel Sinn und verbessert die Bayern nicht nur in der Breite sondern auch in der Spitze um Längen.

Ismael Saibari ist marokkanischer Nationalspieler
Ismael Saibari ist marokkanischer Nationalspieler | Icon Sportswire/GettyImages

Mit 25 Jahren hat Saibari den Status eines Talents längst hinter sich gelassen und steht vor seiner besten Phase als Profi. Das goldene Fußballeralter liegt noch vor ihm und der Marokkaner hat noch genügend Kapazitäten, um sich unter Kompany nochmals weiterzuentwickeln.

Allerdings bietet der Neuzugang aus Eindhoven aufgrund seines Alters und seiner fortgeschrittenen Qualität vermutlich deutlich weniger Raum für eine aufsehenerregende Marktwertentwicklung und ein mögliches Wiederverkaufspotenzial.

Doch die Bayern haben Saibari nicht geholt, um ihn zu entwickeln und dann zu Geld zu machen. Deshalb fällt dieser Aspekt nicht weiter ins Gewicht. Daumen hoch, für diesen Deal!

Der BVB holt Konstantinos Karetsas

Da ist er endlich: Am Montag stellte Borussia Dortmund in einem überaus gelungenen Video seinen Star-Transfer des Sommers vor und präsentierte mit Konstantinos Karetsas eines der interessantesten Talente des europäischen Fußballs.

Der 18-jährige Kreativspieler kommt vom belgischen Spitzenklub KRC Genk und kostete den BVB mit 30 Millionen Euro Ablöse ebenfalls eine ganze Stange Geld. Ähnlich wie bei Saibari in München bekommt Dortmund seinen Wunschspieler aber unter Marktwert, der bei Karetsas eigentlich bereits bei 35 Millionen Euro liegt.

Der in Belgien geborene griechische Nationalspieler (10 Länderspiele/3 Tore) verfügt über ein echtes Zauberfüßchen und ist ebenfalls flexibel einsetzbar.

Zwar verkörpert Dortmunds Neuzugang nicht das Image eines Schweizer Taschenmessers wie Saibari in München, doch neben der Zehnerposition kann auch er auf den Flügel ausweichen.

Der Dribbelkünstler hat seine kreative Ader und seinen starken Blick für tödliche Pässe bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt und weiß auch selbst ganz gut, wo das Tor steht. 23 Torvorlagen und sechs Treffer stehen aus seiner Zeit als Profi bei Genk schon auf der Habenseite.

Mit ihm wird der BVB garantiert jede Menge Freude haben und Karetsas dürfte mit seinem Spielstil auch das Dortmunder Stadion zum kochen bringen.

Trotz seines Alters darf man in Dortmund wohl davon ausgehen, dass Karetsas den BVB umgehend besser macht und die schmerzlich vermisste und vakante Rolle im Spiel von Trainer Niko Kovac ausfüllt.

Als Kreativkopf hinter den Spitzen dürfte Karetsas dem Offensivspiel mächtig einheizen und den BVB in Zukunft wieder ein gutes Stück näher an den FC Bayern führen.

Seine Verpflichtung darf, ähnlich wie die von Abwehrjuwel Joane Gadou, als absolutes Meisterwerk angesehen werden, auch weil der junge Grieche bereits von Tag eins an als Stammkraft und Soforthilfe in Erscheinung treten könnte. Hier hinkt sein neuer Teamkollege Gadou noch etwas hinterher.

Der Dortmunder Sommerzugang aus Genk darf wohl auch als Nachfolger für Julian Brandt angesehen werden, wenngleich sich die Qualitäten beider Spieler leicht unterscheiden. Karetsas wirkt zudem noch etwas leichterfüßiger und könnte dem Dortmunder Angriff frischen Wind und neue Leichtigkeit einhauchen. Das hebt den Spaßfaktor um einiges an und im Vergleich zu Vorgänger Brandt trägt Kartsas noch keinen Stempel in Dortmund.

Darüber hinaus darf aber keineswegs vergessen werden, dass Karetsas trotz seiner bereits über 90 Spiele als Profi noch immer ein Juwel in der Entwicklung ist und somit ebenfalls bestens nach Dortmund passt, wo man es wie kaum ein anderer versteht, hochtalentierte Spieler auf das nächste Level zu heben.

Was Karetsas bereits ist, ist mehr als beeindruckend. Was er beim BVB aber werden könnte, lässt einem jetzt schon das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Dortmunds neuer Senkrechtstarter? Konstantinos Karetsas
Dortmunds neuer Senkrechtstarter? Konstantinos Karetsas | Isosport/MB Media/GettyImages

Und genau dieser Punkt dürfte dem BVB auf lange Sicht auch wieder mal ordentlich die Kassen scheppern lassen, denn von Konstantinos Karetsas darf erwartet werden, dass er seinen Marktwert in Dortmund schnell verdoppeln kann – vielleicht sogar mehr.

Entwickelt sich der Neuzugang ähnlich stark wie seine namhaften Vorgänger Ousmane Dembele, Jadon Sancho, Jude Bellingham oder Erling Haaland, dürfte Dortmund für seinen Weiterverkauf in der Zukunft vermutlich abermals eine schwindelerregende Ablöse einnehmen – rein vom Potenzial her darf man da unverblümt an dreistellige Millionenbeträge denken. Über eine vermeintliche Ausstiegsklausel ist zumindest aktuell nichts bekannt.

Fazit

Beide Vereine haben mit ihren jeweiligen Verpflichtungen absolute Kracher in die Bundesliga geholt, von denen man eine Menge erwarten darf. Was Saibari und Karetsas eint, ist ihre Vergangenheit im belgischen Spitzenklub KRC Genk, denn beide Spieler reiften im Nachwuchsbereich des viermaligen belgischen Meisters heran und schafften den Sprung in den Weltfußball.

Sportlich betrachtet unterscheiden sie sich klar: Karetsas ist der noch entwicklungsfähigere Spieler, Saibari schon etwas fertiger.

Für beide Klubs stellen die gezahlten Ablösesummen echte Hausnummern dar. Im Gegensatz zu Ismael Saibari dürfte der BVB diese Summe eines Tages vervielfältigt zurückerhalten. Zumindest bei entsprechendem Verlauf in der Entwicklung des Megatalents. Saibari wurde von den Münchnern aber nicht als Investment in die Zukunft geholt, das die Kassen klingen lassen soll. Deswegen fällt dieser Aspekt nicht so sehr ins Gewicht.

Ismael Saibari wird den FC Bayern in der Breite und in der Spitze besser machen
Ismael Saibari wird den FC Bayern in der Breite und in der Spitze besser machen | F. Noever/GettyImages

Was beide Bundesliga-Neuzugänge neben ihrer gemeinsamen Vergangenheit bei Genk noch eint, ist ihre sportliche Bedeutung für ihren jeweiligen neuen Klub und die Möglichkeiten, die sie mitbringen.

Saibari hebt die Qualität im Angriff des FC Bayern nochmals an, weil er nach überstandener Verletzung den Druck auf allen Positionen erhöht und zudem als Spieler mit noch langer Zukunft angesehen werden kann.

Im Gegensatz zu Karetsas, der noch nicht so lange als Profi agiert, weiß man bei dem marokkanischen Nationalspieler schon deutlich mehr, was man bekommt – Saibari ist einfach der fertigere Spieler.

Einer wie Konstantinos Karetsas hat dem BVB gefehlt
Einer wie Konstantinos Karetsas hat dem BVB gefehlt | Hendrik Deckers/GettyImages

Betrachtet man die Situation jedoch anders, muss man auch sagen, dass der FC Bayern Ismael Saibri nicht so dringend gebraucht hat wie Borussia Dortmund einen Spielertypen wie Konstantinos Karetsas.

In diesem Fall ergänzt der junge Grieche den BVB nicht nur, sondern er füllt auch eine Lücke, die lange vakant war und den Borussen massiv abgegangen ist.

Damit wird die Kovac-Elf nicht nur kreativer und breiter, sondern auch vielseitiger und unberechenbarer. Wenn Karetsas auch nur ansatzweise so einschlägt, wie man es erwartet, hat Dortmund quasi einen neuen Mario Götze an Land gezogen. Man müsste Jogi Löw fast schon dazu holen, um dem jungen Griechen ins Ohr zu flüstern: "Zeig der Welt, dass du besser bist als Saibari!”

Betrachtet man dieses Duell auf einer Skala von 1 bis 10, so ist es ein überaus enges Kopf-an-Kopf-Rennen.

Doch aus meiner Sicht hat der BVB hier hauchdünn die Nase vorne, da eben ein Spieler wie Karetsas dringender gebraucht wurde als Saibari in München.

Der Karetsas-Transfer nach Dortmund ist für mich eine bärenstarke 9,7, während Saibari die Münchner zwar insgesamt besser macht, ein Nicht-Transfer aber nicht so sehr ins Gewicht gefallen wäre wie auf der gelb-schwarzen Seite des Vergleichs. Daher bewerte ich diesen Deal mit einer 9,5. Knapper Sieg für den BVB also, doch am Ende gewinnt die Bundesliga, denn beide Spieler werden ihren Stempel hinterlassen.


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