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Esteve vs. Gadou – Welcher Klub hat den besseren Deal gelandet?

RB Leipzig nahm für die Verpflichtung von Maxime Esteve richtig viel Geld in die Hand, doch auch Borussia Dortmund legte in der Innenverteidigung mächtig nach. Wir checken, welcher Klub den besseren Deal an Land gezogen hat.
Für Esteve oder Gadou: Was war der bessere Deal?
Für Esteve oder Gadou: Was war der bessere Deal? | 90min-Edit/IMAGO

Für so manche Fußballfans ist die Sommerpause aufgrund fehlender sportlicher Highlights auf Vereinsebene stinkend langweilig, und andere wiederum finden gerade aufgrund der stark bemühten Transferaktivitäten des eigenen Lieblingsklubs sehr viel Gefallen an dieser pflichtspielfreien und teils highlightarmen Phase des Jahres.

Doch natürlich beäugt man während der Vorbereitung auf die neue Saison nicht nur das Treiben des eigenen Klubs, sondern schielt mit einem Auge auch immer auf das, was die Konkurrenz so anstellt. Und da bietet sich derzeit vor allem ein Vergleich zwischen Borussia Dortmund und RB Leipzig an.

Während der BVB bereits vor geraumer Zeit den Transfer des erst 19-jährigen Franzosen Joane Gadou in trockene Tücher brachte und damit eines der verheißungsvollsten Defensivtalente des europäischen Spitzenfußballs an Bord holte, zogen die Roten Bullen aus Sachsen kürzlich mit der Verpflichtung des 24-jährigen Maxime Esteve nach.

Der eine ein Toptalent und ehrlicherweise noch eine Wundertüte - der andere ein bereits Premier League erfahrener, gestandener Profi, mit den Beinen fest auf dem Rasen des Lebens.

Beide Spieler sind Franzosen, Innenverteidiger, erstmals in der Bundesliga und kosten eine ganze Stange Geld. Doch die Deals können neben ihren wenigen Gemeinsamkeiten vielschichtig beleuchtet werden und am Ende kristallisiert sich heraus, welcher Bundesligist hier den insgesamt besseren Transfer gelandet hat.

RB Leipzig holt Maxime Esteve

RB Leipzig blieb seiner Transfertradition treu und angelte sich abermals einen französischen Innenverteidiger. Namen wie zuvor Ibrahima Konate, Dayot Upamecano, Mohamed Simakan oder Castello Lukeba bilden eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte, in die sich Maxime Esteve nun einreihen soll.

Maxime Esteve
Maxime Esteve | Visionhaus/GettyImages

Der 24-Jährige wechselt für 25 Millionen Euro vom FC Burnley zu RB Leipzig und bringt die Erfahrung aus 50 Premier-League-Spielen sowie 59 Spielen in der französischen Ligue 1 aus seiner Zeit beim HSC Montpellier mit.

Doch was bringt Esteve den Roten Bullen? Der neue Mann, der künftig die Rückennummer 3 tragen wird, scheint perfekt zum RB-Fußball zu passen.

Der in Montpellier geborene Abwehrstar verteidigt mutig und aggressiv nach vorne und ermöglicht es den Leipzigern, eine hohe Linie zu spielen und auf frühe Ballgewinne zu gehen. Der Linksfuß ist neben seiner robusten und kompromisslosen Art zu verteidigen auch stark im Aufbauspiel und kann aus dem Defensivzentrum heraus das Spiel nach vorne ankurbeln. Esteve wirkt auf dem Papier wie der perfekte Fit für die Art Fußball, die Neu-Coach Martin Demichelis spielen lassen will.

Es scheint, als hätte Leipzig mit Esteve ein umfassendes Paket erworben, das ihn von Beginn an in die Startelf drängt und ihn zur Soforthilfe macht. Dass Esteve Bundesliganiveau hat, konnte der athletische und dynamische Innenverteidiger in der englischen Premier League eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Maxime Esteve (l.) stellt für Leipzig eine Soforthilfe dar
Maxime Esteve (l.) stellt für Leipzig eine Soforthilfe dar | Charlotte Wilson/Offside/GettyImages

Mit seinen 24 Jahren ist Esteve zwar schon ein gestandener Profi, hat aber dennoch reichlich Raum für weitere Entwicklung. Auch wenn der Neuzugang nicht mehr als Perspektivspieler geführt werden kann, dürfte sein Marktwert in Leipzig nochmals zulegen. Von seinem Leistungsmaximum scheint Esteve aber noch entfernt zu sein und dass sich verheißungsvolle Innenverteidiger in Leipzig auf Top-Niveau entwickeln können, ist längst bekannt. Das könnte irgendwann auch in puncto Wiederverkauf interessant werden.

Mit Maxime Esteve bekommen die Roten Bullen eine vermeintliche Soforthilfe, was man angesichts des finanziellen Aufwands und seiner Erfahrung auch erwarten darf. Er schließt eine Kaderlücke und macht Leipzig aus meiner Sicht insgesamt sofort deutlich besser – sofern er fit bleibt. Dieser Transfer dürfte jetzt schon einer der spannendsten der Bundesliga in diesem Sommer sein.

Borussia Dortmund holt Joane Gadou

Bereits im Mai dieses Jahres wurde bekannt, dass sich der BVB mit Joan Gadou eines der heißesten Talente im Fußball angeln konnte. Offenbar legte Dortmund für den 19-jährigen Wunderknaben knapp 20 Millionen Euro auf den Tisch – eine ganze Menge Geld für einen Spieler, der neben 58 Erstligaeinsätzen in der österreichischen Bundesliga nur wenig Erfahrung auf Profi-Niveau vorweisen kann.

Joane Gadou
Joane Gadou | Christof Koepsel/GettyImages

Die Hoffnungen sind riesig, schließlich stand Gadou, der beim französischen Topklub Paris Saint-Germain ausgebildet wurde, auch schon beim FC Bayern München hoch im Kurs.

Dass Dortmund den jungen Franzosen in die Bundesliga holen konnte, schürt Hoffnungen auf eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie einst mit Erling Haaland. Mega-Talente von RB Salzburg sind seither beim BVB gerne gesehen.

Doch was kann man von Joan Gadou schon erwarten? Zugegeben, die teure Verpflichtung des 19-Jährigen ist eine Wundertüte und es bleibt abzuwarten, ob die Erwartungen schnell zur Zufriedenheit erfüllt werden können. In der Theorie hat sich der BVB eines der größten Abwehrtalente Europas geangelt, was natürlich reichlich Spielraum bei der Entwicklung eröffnet – sowohl sportlich als auch in Bezug auf den Transferwert Gadous.

Im Vergleich zu Maxime Esteve scheint Joane Gadou den kleinen Vorteil zu haben, dass man nicht sofort Wunderdinge von ihm erwartet und er nicht als Soforthilfe gekommen ist, die von Tag eins funktionieren muss. Gadou bekommt Raum und Zeit für seine Weiterentwicklung. Dennoch lassen das hohe Preisschild und die großen Erwartungen an seine Entwicklung den Druck nicht vollkommen außen vor.

Joane Gadou beim BVB-Training
Joane Gadou beim BVB-Training | picture alliance/GettyImages

Mit seiner Athletik, Dynamik und seinem Tempo passt Gadou recht gut ins Kovac-System des BVB – egal ob in einer Dreier- oder Viererkette. Zudem ist er aggressiv gegen den Ball und zeigt starke Ansätze im Spielaufbau. Dass Gadou sofort in allen Wettbewerben zur Soforthilfe wird, scheint jedoch unwahrscheinlich, denn der junge Franzose ist manchmal noch zu wild und unerfahren. Leichtsinnsfehler, aus denen er lernen und die er langfristig abstellen muss.

Dennoch macht er den Dortmunder Kader insgesamt besser und breiter und seine Entwicklung muss zwingend im Auge behalten werden. Dem 19-jährigen Talent muss man noch ein paar Fehler und Leistungsschwankungen zugestehen – Fehler und Leistungsschwankungen, die man von Maxime Esteve in Leipzig möglicherweise deutlich seltener zu sehen bekommt.

Sollte sich Joane Gadou in Dortmund aber wie erhofft entwickeln, dürfte der BVB in ein paar Jahren mit einem satten Transferplus belohnt werden, wenn er an einen europäischen Giganten verkauft wird. Denn genau dorthin darf man das Abwehrtalent grundsätzlich erwarten.

Die bereits hohe Ablöse und der Ausbildungsaufwand würden sich dadurch letztlich auszahlen und Gadou bei normalem Verlauf zu einem enorm lukrativen Investment in die Zukunft machen. Bis zu seinem Abgang aus Dortmund wird Gadou den Borussen zudem jede Menge Freude bereiten, da bin ich sicher.

Fazit

Maxime Esteve ist vielleicht nicht mit dem gleichen Talent wie Joane Gadou gesegnet, doch das muss er auch gar nicht. Der 24-Jährige kommt als Soforthilfe nach Leipzig und die Sachsen bekommen mit dem Mann aus Burnley die deutlich kleinere Katze im Sack.

Esteve wird den Roten Bullen umgehend helfen und den Kader verbessern. Allerdings gibt es bei ihm auch weniger Raum für Weiterentwicklung als bei seinem 19-jährigen Landsmann in diesem Vergleich. Esteve ist weniger Zukunftsinvestition als dringend benötigte Leistungsstütze.

Und genau hier unterscheiden sich die beiden Transfers am meisten. Gadou kommt als Talent, ohne den Druck, sofort funktionieren zu müssen. Dass Dortmund solche Talente deutlich nach vorne bringen kann, hat man in der Vergangenheit mehrfach bewundern können.

Aus meiner Sicht kann Gadou für Dortmund der Defensiv-Haaland werden. In seiner Wichtigkeit für das Spiel der Dortmunder, aber auch in Sachen Finanzen, wenn es irgendwann an seinen Verkauf geht.

Würde man die beiden Transfers im Hinblick auf den sofortigen Nutzen, Entwicklungsfähigkeit, die finanziellen Aspekte und die sportliche Bedeutung für die kommende Spielzeit auf einer Skala von 1 bis 10 einstufen und individuell betrachten wollen, dann wäre Maxime Esteve bei RB Leipzig für mich eine 9/10 und Joane Gadou aufgrund seiner Unerfahrenheit und seiner teils noch etwas unstrukturierten Spielweise eine 8,5/10.

Die Roten Bullen haben in diesem Vergleich also knapp die Nase vorne. Allerdings darf man den Vergleich nicht mit "besser oder schlechter" bewerten, sondern eher aus der aktuellen Sichtweise und was der Transfer für die kommende Saison bedeutet.

Leipzig führt hier vermutlich nur auf kurz- und mittelfristiger Sicht. Langfristig betrachtet hat Dortmund den vermeintlich besseren Deal gemacht – sofern Gadou die Entwicklung nimmt, die man von ihm erhofft. Ehrlicherweise hätte ich mir Joane Gadou auch gut bei RB vorstellen können.

Die Bundesliga dürfte aber an beiden Spielern ihre große Freude haben.


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