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Warum ein Wechsel in die australische A-League für Fußball-Oldies Sinn ergibt

Jan 12, 2021, 3:22 PM GMT+1
Sichtbar glücklich: Nicolai Müller (33) geht seit über einem Jahr für Western Sydney auf Torejagd
Sichtbar glücklich: Nicolai Müller (33) geht seit über einem Jahr für Western Sydney auf Torejagd | Brett Hemmings/Getty Images
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Keine Lust mehr auf hochklassigen Fußball? Wie wäre es mit Australien? Eine Überlegung, die in der Vergangenheit bereits einige deutsche Fußballer angestellt haben. 90min wirft einen Blick auf die australische A-League und erklärt, warum sie für Fußball-Oldies Sinn ergibt.

Neue Leute, neue Sprache, neue Kultur: Für zahlreiche Fußballprofis geht es im Spätherbst ihrer Karriere noch einmal ins Ausland. Wie sagt man so schön? Die Karriere ausklingen lassen. Beliebte Reiseziele - vor allem des Geldes wegen: der Persische Golf, China und die USA - das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Unter Palmen die letzten Groschen einer erfolgreichen Spielerkarriere verdienen und dabei nicht primär den Fokus auf geschmeidigen Fußball setzen, sondern vielmehr das Leben genießen - carpe diem!

Seit geraumer Zeit reiht sich eine weitere Liga fernab des deutschen Fußballs in das beschriebene Raster ein: die australische A-League. Immer mehr deutsche Fußballer wagen sich in das 14.500 Kilometer entfernte Auslandsabenteuer am anderen Ende der Welt. Eine Entscheidung, die vor Jahren noch belächelt wurde, ergibt für die heutigen "Spätherbstler" des Fußballs immer und immer mehr Sinn.

"In Australien befinde ich mich in einem positiven Dauerzustand."

Thomas Broich via bwin

A-League lässt die Spieler den Fußball genießen

Warum das so ist? Thomas Broich, einstiger Leistungsträger des Brisbane Roar FC, hatte bereits vor einigen Jahren die klare Antwort parat: "Das Leben hier ist ein Traum, es fühlt sich an wie jeden Tag Urlaub. Der Winter wurde hier abgeschafft und unter der Sonne lässt es sich ganz gut leben", schwärmte der gebürtige Münchener (via bwin) und setzte sogar noch einen oben drauf: "In Australien befinde ich mich in einem positiven Dauerzustand. Ich bin glücklicher, als ich es in der Bundesliga je war. Alles geht unaufgeregter zu, menschlicher. Jetzt kann ich Fußball wirklich genießen."

Broich weiß gewiss, wovon er spricht. Nicht umsonst schnürte der einstige Offensivspieler und heutige Jugendtrainer der Eintracht Frankfurt nach seinem Start in Unterhaching sowie den Stationen in Burghausen, Gladbach, Köln und Nürnberg (106 Zweitliga- sowie 87 Erstligaspiele) ab 2010 insgesamt sieben Jahre für den australischen Erstligisten aus Brisbane seine Fußballschuhe. Mit den "Roars" gewann Broich nicht nur dreimal die Meisterschaft, sondern wurde auch persönlich gleich zweimal zum Fußballer des Jahres sowie im Jahr 2014 zum australischen Fußballer des Jahrzehnts ausgezeichnet.

Broich bewies somit wunderbar: in Australien kicken macht Spaß - und kann zugleich von Erfolg gekrönt sein. Während man ihn in Deutschland kaum auf dem Schirm hatte, entwickelte er sich Down Under zum absoluten Fußballstar und ließ dabei sein Privatleben dennoch nicht zu kurz kommen. Eine Entwicklung, die einst André Gumprecht in feinster Pionierarbeit prägte. Der heute 46-Jährige kickte zunächst in der 2. Bundesliga für die SG Wattenscheid und entschied sich 2002 nach weiteren Stationen in Deutschland schließlich als erster Deutscher für einen Wechsel nach Australien. Für gleich sechs verschiedene Klubs stülpte er dort bis zu seinem Karriereende 2013 sein Trikot über. Aber nur 2009/10 kickte Gumprecht in der A-League, die in ihrer heutigen Form erst seit ihrer Erstaustragung im Jahr 2005 besteht.

Aktuell kicken mit Nicolai Müller und Patrick Ziegler (beide Western Sydney) sowie Alexander Baumjohann (Sydney FC) und Sebastian Langkamp (Neuzugang bei Perth Glory) vier deutsche Kicker in der australischen A-League. Alle vier sind 30 Jahre aufwärts und wollen zum Ende ihrer Karriere die genannten Vorteile des entspannten Fußballs unter der australischen Sonne maximal auskosten. Derart monströse Gehälter wie etwa in China verdienen die ehemaligen Bundesliga-Profis in Australien gewiss nicht, von Luft und Liebe müssen sie aber auch nicht leben.

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