TSG Hoffenheim Frauen

"Werden versuchen, an den internationalen Plätzen dran zu bleiben" - Die TSG-Preview mit Gabor Gallai

Alina Ruprecht
Alex Grimm/GettyImages
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Nach einer "historischen" Saison 2020/21, wie Cheftrainer Gabor Gallai es nennt, gelang der TSG 1899 Hoffenheim, erstmals die Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League zu meistern. Doch bereits ein Jahr später fand sich das Team, abgeschlagen von den internationalen Plätzen, auf dem fünften Tabellenrang in der Frauen-Bundesliga wieder. Entsprechend groß war die Enttäuschung. Nun liegt der volle Fokus auf der Rückkehr in den internationalen Fußball, wie Gallai im Gespräch mit 90min betonte.

Champions League als Gradmesser

"Wir hatten auch eine richtig gute erste Halbserie", blickt der Trainer, der seit 2020 für die TSG an der Seitenlinie steht, zurück. "Bis zum Winter haben wir wirklich sehr, sehr gut performed, waren in der Liga richtig gut dabei und haben in der CL-Gruppenphase bis zum letzten Spiel die Chance gewahrt, ins Viertelfinale einzuziehen. In der Rückrunde hat man dann gemerkt, dass wir in der Vorrunde sehr viele Körnerliegen gelassen haben und dass diese Doppelt- und Dreifach-Belastung für uns noch sehr neu war."

Marta Torrejón, Martina Tufekovic
In der Gruppenphase der Champions League bekam es die TSG unter anderem mit dem FC Barcelona zu tun / Alex Grimm/GettyImages

Am Ende der letzten Saison trennten die Kraichgauerinnen fünf Punkte vom dritten Tabellenplatz der Frauen-Bundesliga. Mit diesem hätte man sich erneut für das PlayOff-Turnier zur Champions League-Gruppenphase qualifiziert. Dennoch ist das Fazit zur Saison 2021/22, laut Trainer Gabor Gallai, ein positives - man sei durchaus zufrieden.

"Wir haben (...) versucht, alles nochmal zu durchleuchten, warum, wieso, weshalb wir es nicht geschafft haben", erklärte er. "Wie gesagt, der eine Grund war die anstrengende Vorrunde. Da haben wir gemerkt, dass der Kader dann vielleicht doch von der Qualität her nicht breit genug aufgestellt war. Das haben wir versucht nachzubessern (...). Ich glaube, dass wir die Rückrunde nehmen können, um Sachen zu optimieren, zu verbessern und das versuchen wir natürlich vom ersten Spiel an auch in die neue Saison mit reinzutragen."

Katharina Naschenweng
Die Richtung steht: für die Kraichgauerinnen soll es in der nächsten Saison zurück auf die oberen Tabellenplätze gehen / Alexander Scheuber/GettyImages

Saisonziele...und Umbruchsphase?

In den vergangenen Transferperioden verließen diverse Leistungsträgerinnen die TSG, um ins Ausland oder zur direkten Konkurrenz in der Bundesliga zu wechseln. Die Abgänge bringen die fußballerische Konstanz im Verein ins Wanken und sind teils schwer zu kompensieren. Gallai führte aus, dass es nun zunächst darum ginge, die diesjährigen Sommerzugänge zu integrieren. "Von der Qualität her sind wir gut aufgestellt", merkte der Trainer an.

"Es gibt in der Defensive natürlich noch die ein oder andere Spielerin, die wir gerne gehabt hätten, bei der es aber leider nicht geklappt hat. Das ist so die einzige Baustelle, die ich aktuell sehe. (...) Unser Ziel ist nach wie vor zu versuchen, oben an den internationalen Plätzen dran zu bleiben. Aber ich glaube, dass andere Mannschaften aufgeholt haben und wir uns natürlich strecken müssen, um dieses Ziel zu erreichen."

MSV Duisburg v TSG Hoffenheim - FLYERALARM Frauen Bundesliga
Torschützenkönigin 2021 und fester Bestandteil der Hoffenheimer Offensive: Nicole Billa / Neil Baynes/GettyImages

Von einer Umbruchsphase spricht Gallai aber keinesfalls. Das Verhältnis von fünf Zugängen zu vier Abgängen hält der 43-Jährige für "normale Fluktuation", die es jedes Jahr im Kader gäbe. "Wir haben gezielt gescouted", fügte der Trainer hinzu. "Wir haben die Spielerinnen, die wir für die Offensive haben wollten, auch gekriegt und die passen auch gut in unser System. (....) Wie es halt immer ist, wenn neue Spielerinnen kommen, brauchen die natürlich ihre Zeit (...), um sich an unsere Spielidee zu binden."

Transfers innerhalb der Bundesliga haben natürlich eine maßgebliche Auswirkung auf die Konkurrenz-Situation zwischen den Vereinen. Dennoch erwartet Gallai das fast schon übliche Bild der Tabellenspitze, an der der VfL Wolfsburg und der FC Bayern München die Meisterschaft unter sich ausmachen. "[Sie werden] vorne ihre Kreise ziehen und Mannschaften wie Frankfurt, vielleicht Leverkusen, vielleicht Freiburg, dann ein bisschen hintendran stehen", schätze der TSG-Trainer.

"Wir sind vielleicht mal in der Lage, Bayern oder Wolfsburg in 90 Minuten zu schlagen. Aber über die Saison da oben mitzuhalten, wird schwierig, weil uns dann auch die Konstanz fehlt, die ist bei Bayern und Wolfsburg deutlich besser. Das ist eigentlich der Unterschied." Jedoch konkurrieren in der kommenden Spielzeit mehrere Teams um den dritten Platz und damit um den internationalen Fußball. Gallai geht davon aus, dass dies den Konkurrenzkampf in der Bundesliga interessanter gestalten wird.

Linda Dallmann, Chantal Hagel
In der Saison 2021/22 gelang es der TSG Hoffenheim bereits, den favorisierten Münchnerinnen drei Punkte abzuknöpfen / Adam Pretty/GettyImages

Die Ausgangslage

Die Saisonziele für 2022/23 stehen fest und auch ihre Lehren aus den vergangenen Monaten haben die Kraichgauerinnen und Trainer Gallai gezogen. Wo sieht er aktuell die Schwächen der Mannschaft? "Wir haben einfach noch zu viele leichte Fehler im Aufbauspiel", reflektierte der 43-Jährige. "Das ist das, was uns letztes Jahr auch sehr viele Tore gekostet hat. und entsprechend sollten wir das noch abstellen."

Diese Baustellen werden aber durch eine starke Offensive scheinbar ausbalanciert. "Wir haben momentan wirklich auf allen Positionen sehr viel Tempo vorne drin, das ist schwierig zu verteidigen, wir sind sehr flexibel", führte Gallai aus. "Und [wir haben] auch im Zentrum die ein oder andere Spielerin, die in der Lage ist, gute Akzente zu setzen. Also das ist gerade so die Mischung der Mannschaft."

TSG Hoffenheim Women - Team Presentation
Gabor Gallai's Team ist bereit für die neue Saison / Simon Hofmann/GettyImages

Bis auf die 2:6-Niederlage gegen Freiburg in der Vorbereitung fällt das Fazit des Trainers zu den Testspielen positiv aus. Neben vielen guten Spielphasen sehe er jedoch noch Verbesserungspotenzial im Spielaufbau. Auch ginge es darum, die Leistung über 90 Minuten konstant aufrecht zu erhalten und sich im Spielfluss nicht zu leicht stören zu lassen. Dem Gegner wolle man dabei so wenig Anteile an der Partie lassen wie möglich. Gallai betonte, wie wichtig es sei, gut in die Saison zu starten und den Erkenntnissen direkt Taten folgen zu lassen.

Im ersten Pflichtspiel der Saison ging es in der zweiten Runde des DFB-Pokals gegen die Frauen des 1. FC Saarbrücken. Die TSG gewann deutlich mit 7:1, wobei mit Erelata Memeti, Julia Hickelsberger-Füller und Melissa Kössler alle der drei externen Neuzugänge trafen.

Infrastrukturen und Interesse

Die erfolgreiche EM der DFB-Frauen, die nach einem nervenaufreibenden Finale gegen England im Wembley Stadion die Silbermedaille holten, löste einen regelrechten Hype um den Frauenfußball aus. Auch wurden so wichtige Diskussionen über Infrastrukturen in der Liga und den einzelnen Vereinen angestoßen. Während bei einigen Mannschaften Verbesserungsbedarf herrscht, ist Gabor Gallai mit den Bedingungen bei der TSG Hoffenheim sichtlich zufrieden. "Man merkt schon, dass die TSG nicht nur Männer- und Jungen-Fußball fördert, sondern (…) auch wirklich gewillt ist, Frauenfußball zu fördern", betonte der Trainer.

Er fügte hinzu: "Das sieht man bei den Heimspielen, da sind häufig der Geschäftsführer und auch Präsident da. Da ist wirklich ein gutes Interesse vorhanden. (…) Das, was wir natürlich wollen, ist dann auch mal die Spielerinnen hier zu halten. Da ist nicht nur die Infrastruktur wichtig, sondern es sind auch finanzielle Geschichten, die damit reinspielen (…)."

Das gestiegene Interesse durch die EM spürt man längst im Kraichgau und der Verein ist gewillt, die Aufmerksamkeit für sich zu nutzen. So findet zunächst das erste Heimspiel der Saison gegen den VfL Wolfsburg in der Pre-Zero Arena statt (24. September, 18:00 Uhr), in der sonst das Männer-Team spielt. "Wenn man sich überlegt, dass 17 Millionen Fernseh-Zuschauer sich das Finale angeguckt haben, ist es einfach so, dass wir versucht haben, jetzt auch ein bisschen diesen Wind mitzunehmen und (…) dass wir die Atmosphäre im Stadion haben wollen", erklärte Gallai mit Nachdruck.

Sebastian Rudy
Die Pre-Zero Arena ist eine große Kulisse für ein großes Spiel / Alex Grimm/GettyImages

Es werde noch einiges an Kampagnen kommen, (…) "um auch Zuschauer hier in der Region darauf hinzuweisen, dass die TSG Hoffenheim auch eine Frauen-Mannschaft hat, die guten Fußball spielt und da mehr Interesse wecken möchte." Ziel sei es, die Zuschauer nicht nur in die große Arena, sondern auch ins Dietmar-Hopp-Stadion zu bringen, wo die TSG-Frauen regelmäßig ihre Heimspiele austragen.

Zum Abschluss unterstrich Gabor Gallai die Ambitionen für die Saison: "Jetzt geht es natürlich darum, da ein gutes Spiel abzuliefern, die Zuschauer zu begeistern und das dann mitzunehmen."


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