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Bundesliga

Starke Schiris bei der EM - und was die Bundesliga davon lernen kann

Stefan Janssen
Björn Kuipers (m) mit seinem Gespann nach dem EM-Finale.
Björn Kuipers (m) mit seinem Gespann nach dem EM-Finale. / Michael Regan/Getty Images
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Die Schiedsrichter haben bei der Euro 2020 überzeugt und waren aufgrund ihrer starken Leistungen kaum Gesprächsthema. Die Bundesliga hat hoffentlich genau hingeschaut.


Mal so ganz ohne Recherche: Wie viele wirklich krasse Fehlentscheidungen gab es bei der abgelaufenen Europameisterschaft? Wie viele, die vielleicht sogar ein Spiel entschieden haben? Auf Anhieb fällt vor allem eine Szene ein, die (leider) entscheidenden Charakter im Halbfinale zwischen England und Dänemark hatte. Die Rede ist natürlich vom Elfmeter für die Engländer, die dadurch ins Finale einzogen.

Großzügige Linie und kaum VAR-Eingriffe

Dazu kommen wir später nochmal, aber zuerst bleibt festzuhalten: Die Schiedsrichter-Leistungen bei diesem Turnier waren größtenteils einfach gut, Björn Kuipers krönte das Ganze mit einer überragenden Spielleitung im Finale. Die Unparteiischen hatten so gut wie alle eine großzügige Linie und ließen viel Fußballspielen, was sich auch in Zahlen belegen lässt: Pro Spiel gab es fast zwei Fouls weniger als noch 2016 (23,35 zu 25,2), obwohl es mehr Verlängerungen gab. Außerdem wurden 2016 noch 201 Gelbe Karten verteilt, diesmal nur 149 (Statistiken von whoscored.com).

Bei den Elfmetern gab es zwar einen Anstieg von zwölf auf 17, doch auch das lässt sich leicht erklären: vor fünf Jahren gab es schlicht noch keinen Video Assistant Referee. Und umstritten oder nicht, wie schon bei der WM 2018 funktionierte der VAR auch bei dieser EM wieder überwiegend einwandfrei. Warum? Ganz einfach: er griff kaum ein.

Auch nicht in der Szene, in der Raheem Sterling im Halbfinale vermeintlich gefoult wurde. Hier wäre es besser gewesen, Schiedsrichter Danny Makkelie hätte nicht gepfiffen. Aber es gab einen Kontakt an Sterlings Bein und wenn der Schiedsrichter dies als Foul bewertet, ist der VAR raus. Es bleibt eine Entscheidung mit Ermessensspielraum. Der Schiedsrichter darf dafür kritisiert werden, der VAR aber nicht.

Im Gegenteil: Dass die Eingriffsschwelle für den Video-Assistenten bei dieser EM so extrem hoch war, war wohltuend. In der Bundesliga hätte sich Makkelie die Szene vermutlich noch minutenlang angeschaut und egal wie am Ende entschieden worden wäre, zufrieden wäre niemand gewesen. So hatte aber der Unparteiische auf dem Rasen das Heft des Handelns in der Hand und mal abgesehen von dieser Szene hat sich das im Turnier definitiv zurückgezahlt.

Die Bundesliga muss davon lernen

Davon kann und sollte auch die Bundesliga lernen. Gefühlt gab es in den vergangenen Jahren nach nur einem Spieltag mehr Diskussionen über Schiedsrichter und den VAR als während dieser gesamten EM. Weil in der Bundesliga kleinlicher gepfiffen wurde mit mehr Fouls und mehr Gelben Karten pro Spiel. Eine klare Linie war dagegen zu oft nicht zu sehen.

Außerdem griff der VAR viel früher ein bei Szenen, in denen er die Situation eher verschlimmbesserte. Es gibt auch eine "Zeitlupenwahrheit", die allen Beteuerungen zum Trotz sicher hier und da mal beeinflusst hat. Reale Geschwindigkeit, Dynamik einer Aktion, all das ist auch wichtig. Auch für die Bundesliga sollte deshalb der Fokus mehr auf wirklich klare und eindeutige Fehler gelegt werden, viel zu oft intervenierte der VAR bei Kann-Entscheidungen.

Heißt unter dem Strich: Die Schiedsrichter der Bundesliga sollten sich mal von Dr. Felix Brych und Daniel Siebert inspirieren lassen, die bei der EM gute Leistungen entsprechend der UEFA-Linie zeigten. Sogar die Engländer waren von Brych begeistert. Hoffentlich bringen sie das mit zurück nach Deutschland.

Bei einem Thema stehen die Chancen gut, dass es sich von selbst regelt: beim Handspiel. Die Regeländerung des IFAB, wonach die Absicht wieder deutlich mehr im Vordergrund steht, ließ sich bei der EM ebenfalls richtig gut an. Das alles muss jetzt nur noch so in der Bundesliga umgesetzt werden. Hoffen darf man ja.

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