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EM 2020

Schiedsrichter Kuipers: der richtige Mann für ein solches Finale

Yannik Möller
Björn Kuipers leitete das EM-Finale höchst souverän
Björn Kuipers leitete das EM-Finale höchst souverän / PAUL ELLIS/Getty Images
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Jubel hier, Trauer dort. Doch auf dem Platz waren auch Teilnehmer dieses spannenden Endspiels um die Europameisterschaft, die sich keiner solcher Emotion hingeben durften: Björn Kuipers und sein Schiedsrichterteam zeigten eine Leistung, die einem großen Finale würdig war.


Große Spiele brauchen einen passenden Rahmen. Ein tolles Stadion, im Optimalfall eine beeindruckende Kulisse sowie zwei Teams, die sich einen spannenden Schlagabtausch um einen ruhmreichen Titel liefern. Oft wird ein Aspekt vergessen, der beim EM-Finale am Sonntagabend im sehr positiven Sinne zum Glück selten im Fokus stand: ein sehr guter Schiedsrichter.

Diesem Anspruch wurde Björn Kuipers mitsamt seines Teams absolut gerecht. Der Niederländer zeigte, weshalb diese Partie bereits sein neuntes internationales Finale war - ausgehend von 2006, wo er das Endspiel der U17-EM pfiff.

Juan Carlos Yuste, Erwin Zeinstra, Bjoern Kuipers, Sander van Roekel, Carlos del Cerro Grande
Das Schiedsrichter-Team des EM-Endspiels / Michael Regan/Getty Images

Kuipers zeigte grandiose Schiedsrichter-Leistung

Bei all dem Jubel um Italien und all der mal wieder notwendigen Trauma-Bewältigung bei den Engländern sollte dieser so souveräne Auftritt nicht vergessen werden. Im normalen Ligabetrieb gibt es so viele Kontroversen um Schiedsrichterentscheidungen, da ist es nur angebracht und logisch, solch starke Auftritte ebenso ins Rampenlicht zu ziehen. Also genau dahin, wo die Unparteiischen selbst bestenfalls gar nicht erst stehen wollen.

Kuipers zeigte eine im gesamten Spiel eine gute Linie. Von dieser wich er weder ab, was für Verwirrung oder Unmut gesorgt hätte. Noch traf er strittige Entscheidungen, die dieses große Spiel primär durch ihn in andere Bahnen gelenkt hätte. Deutlich in der Ansprache, dabei kommunikativ, aber mit klarer Hand führte er durch die Partie.

Björn Kuipers
Björn Kuipers zeigte das so wertvolle Fingerspitzengefühl / LAURENCE GRIFFITHS/Getty Images

Auch auf verschiedene Versuche, hier und da für vorzeitige und gleichzeitig unnötige Karten beim Gegner zu sorgen, ließ er sich erst gar nicht ein. Dazu gelang es ihm, den Spielverlauf gradlinig zu halten. Der 48-Jährige pfiff nicht zu viel, sodass der Spielfluss beschädigt wurde und zu sehr auf Kleinigkeiten geachtet werden musste. Aber er ließ die Härte der Zweikämpfe auch nicht ausufern.

Trainer und Spieler wussten somit genau, was sie sich in welchem Maße erlauben können. Gelingt es einem Schiedsrichter, ein solches Gefühl zu erzeugen, hat er genau die richtige Linie gefunden. Nicht im Mittelpunkt stehen und dennoch die zentrale Figur der Spielleitung sein.

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