FC Schalke 04

Deshalb ist ein Harit-Verbleib für Schalke keine Option

Yannik Möller
Amine Harit muss Schalke in diesen Tagen verlassen
Amine Harit muss Schalke in diesen Tagen verlassen / Pool/Getty Images
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Das Ende der Transferphase nähert sich, dennoch ist Amine Harit noch immer auf Schalke. Da sich sein Abschied zieht, wird über seine Zukunft diskutiert. Innerhalb der S04-Fanbasis fragt man sich, ob er unter diesen Umständen nicht doch bleiben könne. So einfach ist es aber leider nicht.


Vier Jahre lang ist Amine Harit nun auf Schalke. Im Sommer 2017 kam er nach Gelsenkirchen, wo er direkt in der ersten Saison unter Domenico Tedesco Vizemeister wurde. In diesen Jahren hat er sehr viel mit dem Klub erlebt, ist durch Höhen und die tiefsten Tiefen gegangen. Nun soll die Zusammenarbeit enden.

Das Problem: die Transferphase endet in weniger als einer Woche und der 24-Jährige ist noch immer bei S04. Konkrete Verhandlungen schien es bislang nicht gegeben zu haben. Schalke erhofft sich eine Ablöse im zweistelligen Millionenbereich. Allerdings scheint es aufgrund des Verkaufsdrucks, als werde man in Kürze weitere Abstriche machen müssen.

Amine Harit
Im ersten S04-Jahr wurde Amine Harit direkt Vizemeister / Boris Streubel/Getty Images

Das bringt bei einigen Fans die Frage auf, ob Harit nicht einfach doch noch bleiben könnte. Zumindest in dieser Saison oder bis zum Winter. Immerhin sind seine Qualitäten bekannt. Er würde genau in eine aktuelle Nische der Knappen passen: ein Spieler, der die Offensive unterstützt und mehr Durchschlagskraft mit sich bringen würde.

In der 2. Bundesliga könnte er sicherlich auftrumpfen. Dafür wäre zwar eine gute und vor allem funktionierende Mannschaft notwendig. Und dazu auch ein System des Trainers, das einen Offensiv-Freigeist nicht nur zulassen, sondern auch aktiv einbinden würde. Doch auch so wäre der elffache Nationalspieler Marokkos zweifelsohne eine große Unterstützung.

Harit-Verbleib auf Schalke extrem unwahrscheinlich - finanzielles Risiko zu bedeutsam

Also, den anvisierten Verkaufsversuch stoppen und Harit wieder einbinden? Nein, so einfach ist es leider nicht. Auch wenn Schalke die ein oder andere Million weniger bekommen dürfte - am Abschied führt eigentlich kein Weg vorbei.

Der größte und offensichtliche Grund ist das Gehalt. Seinen aktuellen und bis 2024 gültigen Vertrag hat er erst im Dezember 2019 unterschreiben. In einer Phase, wo er auf einem absoluten Leistungshoch war. Sein damaliger, geschätzter Marktwert: 30 Millionen Euro. Aktuell wird er auf nur noch zehn Millionen Euro beziffert.

Dementsprechend ist auch ohne genaue Zahlen davon auszugehen, dass er zu den absoluten Spitzenverdienern gehört. Jetzt, mit dem neuen Zweitliga-Kader, ohnehin. Aber auch schon in den vergangenen anderthalb Jahren. Im April sprach die Bild von einem geschätzten Gehalt von etwa 3,5 Millionen Euro.

Amine Harit
In der letzten Saison kam auch Harit an seine Grenzen / Stuart Franklin/Getty Images

Ein Betrag, der schon etwa ein Sechstel des gesamten Kader-Etats einnehmen würde. Derartige Summen sind für Schalke nicht mehr zu stemmen. Nicht zu vergessen sind auch die Bonuszahlungen: Prämien für den Einsatz. Prämien für einzelne Punkte, die gewonnen und zusätzlich für Siege, die geholt werden.

Am Beispiel Matija Nastasic mit seinen 30.000 Euro pro Punkt ist gut zu erkennen, wie teuer eine solch fortgeführte Zusammenarbeit würde. Bei Harit dürften die Boni nicht gänzlich unterschiedlich verteilt und angesetzt sein.

Auch ein Grund, weshalb er und andere Spieler trotz laufender Verträge nicht mehr eingesetzt wurden. Wäre S04 mit Nastasic, Harit und Mascarell im Saisonstart von Liga zwei erfolgreich gewesen, wäre sehr schnell eine halbe Million Euro fällig gewesen - an reinen Boni. Das wäre schlichtweg nicht umsetzbar für den Verein.

Vertrag an die 2. Liga anpassen? Harit hat - zurecht - andere Ambitionen

Dann könnte man den Vertrag ja anpassen. Etwa um ein Jahr verlängern und die Bezüge für die zweite Liga anpassen. Ehe es dann im Winter oder spätestens im nächsten Sommer zum Wechsel kommt, versteht sich.

So sehr man auch an die Romantik im Fußball glauben mag - ein solcher Gedanke bleibt das, was er ist: nur ein Wunsch.

Selbst wenn Schalke das finanzielle Risiko eingehen würde - es gehören doch immer zwei Parteien dazu. Es ist einfach nicht davon auszugehen, dass Harit in der zweiten deutschen Liga spielen möchte. Völlig unabhängig davon, dass er durch eine zurzeit geschwächte Reputation selbst nicht die tollsten Angebote bekommt.

Das ist auch sein gutes Recht. Zudem kann man als S04-Fan nicht seine Qualität betonen und ihm gleichzeitig absprechen, größere Ambitionen zu haben. Das sportliche Risiko eines Verbleibs wäre ebenfalls zu groß. Würde er bleiben und mit Königsblau eine mäßige Saison spielen, würde er wohl von der Bildfläche verschwinden. Das kann und sollte er nicht riskieren.

Aus diesen verschiedenen Gründen wird es auf den letzten Metern nochmal hektisch. Bis zum 31. August haben Harit und Schalke noch die Möglichkeit, einen Transfer über die Bühne zu bringen. Da der Druck auch auf der Spielerseite wächst, ist von einem späten Erfolg trotz aktueller Funkstille auszugehen.

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