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Schalke gewinnt auch abseits des Platzes wieder

Yannik Möller
Schalke zeigt sich von außen wieder von einer besseren Seite
Schalke zeigt sich von außen wieder von einer besseren Seite / VI-Images/Getty Images
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Über die letzten Jahre wurde Schalke auch fernab des Platzes kritisiert - eine gute Außendarstellung wurde längere Zeit vermisst. Seit dem Abstieg scheint sich in Gelsenkirchen aber etwas getan zu haben. Ein Kommentar.


Intransparenz, fragwürdige Aussagen von so manchem Vereinsverantwortlichen, Härtefallantrag. Drei Stichworte, die die Außendarstellung von Schalke 04 über die letzten paar Jahre prägten. Während zu häufig auf dem Platz verloren wurde, zogen sich die Niederlagen-Serien auch durch das Bild nach außen.

Seit dem Abstieg scheint sich jedoch etwas getan zu haben in Gelsenkirchen. Angefangen bei der Transparenz, insbesondere im sportlichen Bereich. Rouven Schröder hat als Sportdirektor bisher sehr gute Arbeit geleistet. Dieser Befund geht aber über den Kader-Umbruch hinaus. Er gibt häufige sowie klare Ansagen, redet eigentlich nie um den heißen Brei herum. Ob es die klare Kommunikation über die schwere finanzielle Lage war, oder die Ansage nach dem Regensburg-Spiel, was von Mannschaft und Trainer erwartet wird. Zudem hat er die Fans gefühlt an die Hand genommen und sie durch den Transfer-Sommer begleitet. Ein Gefühl, das durch die regelmäßigen und vor allem ehrlichen Updates entstand.

Rouven Schroeder
Rouven Schröder bringt auf Schalke viel Transparenz ein / Christof Koepsel/Getty Images

Transparenz und das Einstehen für die eigenen Werte: Nach außen macht Schalke zurzeit viel richtig

Schon dafür bekam der Verein durch die Anhänger viel Lob. Doch nicht nur die eigenen Fans sind mit dieser Außendarstellung sehr zufrieden. Ein weiteres Beispiel: Nach der Partie gegen Fortuna Düsseldorf machte im Netz ein Foto die Runde. Auf diesem war ein Mitglied der rechtsterroristischen und inzwischen verbotenen Gruppierung "Combat 18" zu sehen.

Der Verein reagierte prompt, ließ die Fragen nicht ins Leere laufen. "Wie sich nach kurzer Recherche herausstellte, handelt es sich um eine Aushilfskraft eines externen Dienstleisters", wurde mitgeteilt. Dazu das klare Statement: "Der Verein hat an entsprechender Stelle mit aller Deutlichkeit klar gemacht, dass diese Person auf Schalke nicht erwünscht ist." Der Dienstleister habe die Zusammenarbeit daraufhin aufgekündigt.

Das Wahren des eigenen Leitbilds ist dabei ein wichtiger Aspekt - neben dem klaren Zeichen nach außen. "Der FC Schalke 04 distanziert sich von jeder Art der Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit", wurde weiter betont. Durch ein derart entschlossenes Handeln kann solchen Sätzen auch wieder Glauben geschenkt werden. Über die letzten ein, zwei Jahre gab es in dieser Richtung ja auch äußerst unschöne Vorkommnisse rund um den Klub.

Und auch am Mittwoch gab es eine ähnliche Aktion. Königsblau wolle den vertragslosen Sergi Enrich verpflichten, hieß es zunächst. Schnell wurden die Fans auf die Vergangenheit des Spielers aufmerksam. Noch schneller entwickelte sich die Hoffnung, zum Transfer würde es nicht kommen.

So kam es schlussendlich auch. Nicht nur, dass Schalke dahingehend die richtige Entscheidung getroffen hat. Die Personalie wurde nicht totgeschwiegen, verheimlicht und nach wenigen Wochen vergessen. Auch dazu wurde sich geäußert: mit dem Spieler hat man sich zwar beschäftigt, von einer Verpflichtung aber klar abgesehen. Auch gegenüber Sky erklärte Schröder die Situation.

Dadurch zeigt sich Schalke - unabhängig von der sportlichen Lage - wieder in einem anderen Licht. In einem deutlich besseren Licht. Das freut in erster Linie natürlich die eigenen Fans und das eigene Umfeld. Aber auch darüber hinaus werden derartige Aktionen und Reaktionen wahrgenommen.

Die Knappen haben sich beispielsweise auch schnell für ein Benefizspiel im Sinne der Flutopfer in Nordrhein-Westfalen bereit erklärt. Ist ein Termin gefunden, wird man dafür gegen den FC Bayern antreten. Schon vorab wurden finanzielle Hilfen garantiert. Die getragenen Trikots aus dem Saisoneröffnungs-Spiel wurden ebenfalls für diesen Zweck versteigert.

Schalke kann auch wieder abseits des Platzes gewinnen. Gerade bei S04 ist es von großer Bedeutung, dass sich die Fans mit ihrem Klub identifizieren können. Bei kaum einem anderen Fußballverein wird auf das Zusammengehörigkeitsgefühl so viel Wert gelegt. Was Schalke und Fans zuletzt getrennt hat, scheint sie nun wieder zusammenzuführen.

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