90min
Bayern München

Schafft der FC Bayern seine U19 ab? Campus-Leiter Jochen Sauer will Schritt zu den Profis beschleunigen

Dominik Hager
FC Bayern Women v VfL Wolfsburg Women - Flyeralarm Frauen Bundesliga
FC Bayern Women v VfL Wolfsburg Women - Flyeralarm Frauen Bundesliga / Alexander Hassenstein/Getty Images
facebooktwitterreddit

Der FC Bayern hat mit seiner Nachwuchsarbeit großes vor. Allerdings läuft auch nicht alles so, wie es Bayern-Campus-Leiter Jochen Sauer gerne hätte. In einer Zeit, in der Talentförderung womöglich so wichtig ist, wie noch nie, diskutieren die Münchner Verantwortlichen vor allem über den Sinn und Unsinn einer U19-Mannschaft.

Noch in der Jugend als kommender Star gefeiert werden und dann bei den Profis in der Bundesliga kein Bein auf den Fuß bekommen. Die Angst vieler Youngstars bestätigt sich angesichts der enormen Umstellung zwischen dem Juniorenfußball und den Profifußball relativ häufig. Für die Nachwuchskräfte der Münchner Bayern ging der Weg zu den Profis bislang meist über die U17, U19 und Bayern II. Dies könnte sich jedoch bald ändern. So ist sich Campus-Leiter Jochen Sauer nicht sicher, ob der ältere U19-Jahrgang nicht besser im Erwachsenen-Fußball aufgehoben wäre.

"Ich frage mich ja, ob es wirklich sinnvoll ist, in der U19 zwei Jahrgänge zusammenzufassen. Man kann jetzt sagen, dass wir dadurch einen Konkurrenzkampf zwischen dem älteren und jüngeren Jahrgang entfachen, der dann auch im Profi-Bereich ausgehalten werden muss", so Sauer. "Möglicherweise ist dieser Weg in einer Welt, in der Jungstars immer früher den Durchbruch schaffen, nicht zeitgemäß. Wir könnten aber auch feststellen, dass wir dadurch einfach nur Zeit verlieren. Wir müssen uns also - meines Erachtens - eine Frage stellen, ob man die Ausbildung verbessert, wenn es keine U19 mehr gibt", regt er in dem Buch "Kicken wie die Profis" von Kai Psotta (zitiert via tz) an.

Klose pflichtet Sauer bei: "Toptalente sollen früh an den Männerfußball herangeführt werden"

Unter anderem verweist Sauer auf Dayot Upamecano, der in Österreich bereits vor seinem 19. Geburtstag 50 Spiele im Herrenbereich absolviert hatte. Grundlegend hierfür war auch, dass in der Alpenrepublik nach der U18 Schluss mit Jugendfußball ist. Die Einstellung des Campus-Leiters teilt auch Miroslav Klose, der selbst ein typischer Spätstarter war.

"Es ist ganz wichtig, dass die Toptalente, sofern die Einstellung, die körperlichen Voraussetzungen und der Charakter stimmen, früh an den Männerfußball herangeführt werden. Das beinhaltet natürlich auch, die Chance zu bekommen zu spielen, selbstverständlich nur dann, wenn die Leistung passt", pflichtet er bei. Diese Chance sieht der frühere Stürmer bei Hansi Flick aber vollkommen gegeben, zumal sich dieser nicht scheut, junge Spieler zu bringen.

Miroslav Klose ist überzeugt von der Zusammenarbeit des Trainerteams
FC Bayern Muenchen - Press Conference And Training Session / Handout/Getty Images

Trotz dieser Überlegungen, ist sich Klose jedoch sicher, dass die aktuelle Münchner Nachwuchsförderung bereits greift. "Das ganze Trainerteam ist permanent im Austausch mit Holger Seitz und Jochen Sauer und natürlich hilft es auch ein bisschen, dass ich viele Spieler schon aus der Jugend kenne. Wir haben einfach auch eine glänzende Ausgangssituation für unsere Toptalente, weil sie in unserer zweiten Mannschaft schon sehr früh richtigen Männerfußball in einer professionellen Liga lernen können“, erklärt er.

Seitz bemängelt gefährliche Entwicklung: "Die Jungs haben kein Vertrauen in ihre Leistungsfähigkeit"

Geht es nach dem Wunsch von Joachim Sauer, müsste Bayern-II-Coach Holger Seitz die Youngster jedoch schon ein Jahr früher unter seine Fittiche nehmen. Dieser hat einen ganz eigenen Ansatz, wie er die Talente auf ihrer Zwischenetappe von Jugend- zu Profußball am besten präpariert. Dabei kritisiert er einen gefährlichen Trend, der den Fokus bei der Talentförderung zu sehr auf Negativen liegt.

"Die Jungs tun sich schwer, über sich und ihre Stärken zu reden. Sie können viel mehr über ihre Schwächen reden als darüber, was sie positiv ausmacht. Die Jungs haben teilweise gar kein Vertrauen in ihre eigene Leistungsfähigkeit", bemängelt er. Allerdings werden laut Seitz nicht diejenigen zu Profis, die am wenigsten Schwächen besitzen, sondern diejenigen, die eine "echte Waffe" besitzen. "Wir müssen Spieler in irgendwas besonders machen. Im Sport geht es doch vornehmlich um Begeisterung, um Freude. Beim Sport benötigt man eine hohe Motivation. Es ist doch bekloppt, immer über das zu sprechen, was man nicht kann. Selbstbewusste Spieler entscheiden Spiele. Deshalb erzählen wir ihnen hier am Campus schon, was sie können. Wir sind Verstärker,“ erklärt Seitz seine Aufgabe.

Nichtsdestotrotz bleibt der Weg vom Jugendspieler zum Profi eben immer noch ein sehr komplexer, wo einige Puzzleteile an die richtige Stelle gesetzt werden müssen.





facebooktwitterreddit