Frauenfußball

Von Arsenal zu Villareal: Saison-Zusammenfassung der großen Frauenligen Europas - Teil 3: Serie A femminile

Helene Altgelt
Juventus v AS Roma - Women Coppa Italia Final
Juventus v AS Roma - Women Coppa Italia Final / Danilo Di Giovanni/GettyImages
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Nach dem Ende der Saison in den großen Frauenligen Europas wirft 90min einen Blick auf die verschiedenen Spielklassen und gibt einen Überblick: Wer ist Meister und Pokalsieger, wer konnte überraschen und welche Spielerinnen sollte man im Blick behalten? Teil 3 befasst sich mit der Serie A femminile, den Überblick für England und Spanien findet ihr hier.


Juventus dominiert

Erst sechs Jahre alt und bereits die klare Nummer 1 im italienischen Frauenfußball: Juventus übernahm 2017 die Lizenz eines anderen Serie A-Vereins und ist seitdem Serienmeister. Der Titel 2022 war der fünfte hintereinander, dazu gewannen die Bianconeri diese Saison zum ersten Mal die beiden Pokalwettbewerbe, die Coppa Italia und die Supercoppa Italiana.

Der Saison war der erste Trainerwechsel in der noch jungen Geschichte vorausgegangen. Rita Guarino, jetzt Trainerin bei Inter Mailand, wurde von Joe Montemurro abgelöst, der vom FC Arsenal kam. In seiner ersten Spielzeit musste Montemurro national nur eine einzige Niederlage hinnehmen, zudem gab es zwei Unentschieden. Kurioserweise verlor Juventus aber nicht gegen einen Verfolger, sondern gegen den FC Empoli, der im unteren Mittelfeld die Saison beendet hat.

Juventus hat einen internationalen und erfahrenen Kader, ihren Konkurrenten sind sie vom Budget her um einiges voraus. Die beiden italienischen Stürmerinnen Barbara Bonansea und Cristina Girelli, die beide schon die 30er-Marke überschritten haben, sind mit ihrer Erfahrung immer noch wichtig für das Team (beide 7 Tore). Insgesamt ragen aus dem Juventus-Kader aber wenige Einzelspielerinnen heraus, die "Alte Dame" punktet mehr durch einen starken Defensivverbund und die Tore sind auf viele Schultern verteilt.

AS Rom für mutiges Offensivspiel belohnt, Milan mit guter Rückrunde

Hinter Juventus hat sich das Frauenteam der AS Roma zum ersten Mal für das internationale Geschäft qualifiziert, dazu standen sie im Finale der Coppa Italia. Für das Team unter dem neuen Trainer Alessandro Spugna ein großer Erfolg. Letzte Saison stand Roma noch mit 37 Punkten auf dem fünften Platz, dieses Jahr waren es satte 17 mehr. Besonders überzeugen konnte die junge Flügelstürmerin Annamaria Serturini. Rom begeisterte mit Offensivfußball, schoss sogar mehr Tore als Juventus und setzte auf schnelles, direktes Passspiel.

Die AC Milan hat mit dem zweitjüngsten Team der Liga den dritten Platz belegt, der Weg dahin war allerdings teilweise turbulent. Die ehemalige Kapitänin Valentina Giacinti verließ nach Unstimmigkeiten mit dem Trainer Maurizio Ganz in der Winterpause den Club, um sich der AC Florenz auf Leihbasis anzuschließen. Die Rossoneri zeigten sich in der Rückrunde dann verbessert und überholten noch Sassuolo, um den dritten Platz zu erreichen. Auch im Lokalderby gegen Inter, das in der Hinrunde noch mit 0:3 verloren ging, konnte Milan Revanche nehmen und mit dem gleichen Resultat den Rivalen besiegen. Die Spielerin der Saison war für Milan die spanische Innenverteidigerin Laia Codina, die im Sommer allerdings nach der Leihe zum FC Barcelona zurückkehrt.

Florenz trotz hochkarätigem Kader im Abstiegskampf

Die Enttäuschung der Saison war die AC Florenz, die trotz eines hochkarätigen Kaders nur im Mittelfeld der Tabelle landete. Erst am vorletzten Spieltag konnte die "Viola" den Klassenerhalt sichern. Die Abwehr war alles andere als sattelfest, gegen Sassuolo musste Fiorentina sogar sechs Gegentore hinnehmen. Vorne funktionierte das Zusammenspiel des talentierten Ensembles nicht, einzig die 36-jährige Stürmerin Daniela Sabatino sorgte mit 15 Treffern dafür, dass die Saison nicht zum vollkommenen Desaster wurde. Diesen Sommer könnte aufgrund von einigen auslaufenden Verträgen und dem offensichtlichen Handlungsbedarf ein Umbruch anstehen. Konstant war bei Florenz diese Saison nur die Inkonstanz, teilweise spielten sie groß auf und erzielten fünf Tore oder mehr, an anderen Tagen verlor das Team sang- und klanglos gegen einen Absteiger.

Reform der Serie A: Mehr Geld und Playoffs - Lazio und Neapel steigen ab

Davon gibt es diese Saison gleich drei: Die Liga wird von 12 auf 10 Teams reduziert. Hintergrund davon ist, dass die Serie A femminile ab 2022 professionell sein wird. So wird etwa die Gehaltsgrenze von 30 000 Euro pro Jahr entfernt, zudem wird ein Play-Off System eingeführt. Nach der regulären Saison teilt sich die Liga in zwei Gruppen, in der ersten spielen die Teams den Meister und die Champions-League Plätze aus, während in der zweiten gegen den Abstieg gekämpft wird. Die höheren Gehälter sollen die Liga für Stars aus dem Ausland attraktiver machen, die Play-Offs für mehr Spannung sorgen.

Im Abstiegskampf gab es Spannung auch schon in dieser Saison: Zwei Spieltage vor Schluss mussten noch sechs Teams bangen. Am Ende traf es Verona Calcio, die abgeschlagen Letzter wurden, außerdem Lazio Rom und Napoli. Die letzten beiden Namen scheinen durchaus überraschend, handelt es sich auf der Männerseite doch um erfolgreiche Mannschaften. Die Frauenteams wurden bisher aber eher vernachlässigt und nur das Notwendigste ausgegeben.

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