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No Love für die eigenen Überzeugungen

Simon Zimmermann
No more One Love
No more One Love / Jonathan Moscrop/GettyImages
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Aus One Love wird No Love! Die "Entscheidung" ist gefallen: Die "One Love"-Kapitänsbinden werden bei der WM in Katar nicht getragen.

Am Montag teilten die europäischen Nationalverbände mit, dass man sich dem Druck der FIFA beugen wird. Der Weltverband hatte Strafen angekündigt, sollten die Kapitäne mit dieser speziellen Binde auflaufen. Offenbar nicht nur eine Gelbe Karte für den jeweiligen Spielführer noch vor Anpfiff, sondern auch Sperren und/oder Punktabzüge.

Am Ende hätte man dies für die eigenen Spieler nicht riskieren können, hieß es in einem gemeinsamen Statement. Geldstrafen oder ähnliches hätte man dagegen in Kauf genommen. Man sei "sehr sauer" auf den Weltverband.

Dass dieser das Verbot der Binden erst kurz vor Anpfiff des ersten englischen Spiels aussprach, passt ins Bild der FIFA. Monatelang wurde darüber diskutiert, ein entsprechender Antrag der nationalen Verbände offenbar ignoriert. So konnte man diese am Ende durch die kurzfristigen Drohungen in die Knie zwingen. Schließlich soll die "beste WM aller Zeiten" (O-Ton vom FIFA-Präsidenten) nicht gestört werden.

Eine Botschaft gegen jede Form von Diskriminierung, Rassismus und Antisemitismus. Inklusion und Diversität. Eine solche Botschaft passt einfach nicht ins Bild. Ausführungen, warum das so ist, erübrigen sich. Diese WM hat schon nach einem Tag genug Antworten darauf geliefert.

Sportlich ist der Schritt der europäischen Verbände durchaus nachvollziehbar. Das Tragen der "One Love"-Binden könnte das eigene sportliche Abschneiden gefährden. Es handelt sich schließlich immer noch um eine Weltmeisterschaft - und da steht das Ergebnis an erster Stelle.

Diese Botschaft wird jedenfalls vermittelt. Für den vermeintlichen Erfolg opfern wir lieber unsere Überzeugung, verzichten auf eine Botschaft. Eine, die durch den Druck der FIFA und vermeintliche Strafen noch viel deutlicher vermittelt hätte werden können.

Klar, als Autor eines solchen Kommentars hat man leicht reden. Und dennoch bestätigt das Ducken vor dem Weltverband einmal mehr den Eindruck von den Verbänden. Eine historische Chance wurde vertan, der FIFA endlich einmal konsequent die Stirn zu bieten.

Es wäre jedenfalls spannend zu sehen gewesen, was passiert wäre, wenn England, Deutschland, die Niederlande und Co. ihre "One Love"-Aktion durchgezogen hätten. Ob die FIFA diese Teams dann wirklich mit Punktabzügen und Sperren bestraft hätte?

Man weiß es nicht - und man wird es auch nie wissen. Schade eigentlich!


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