Bayern München

Ärger und Skandale: Ein Rückblick auf die Cuisance-Zeit beim FC Bayern

Dominik Hager
Michael Cuisance konnte die Bayern mehr verärgern als überzeugen
Michael Cuisance konnte die Bayern mehr verärgern als überzeugen / CHRISTOF STACHE/GettyImages
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Eine Sache haben die Stadt Venedig und Michaël Cuisance schon mal gemeinsam: Bei beiden muss man Angst haben, dass sie früher oder später völlig von der Bildfläche verschwinden. Demnach passt der bevorstehende Wechsel des Mittelfeldspielers zum Serie-A-Klub FC Venedig eigentlich wie die Faust aufs Auge. Beim FC Bayern wird man froh sein, den Transfer-Flop endlich loszuwerden. Wir möchten uns dennoch die Zeit nehmen und auf das Kapitel Cuisance beim FC Bayern zurückblicken.


"Was wollen wir denn mit dem?", werden sich im Sommer 2019 viele Fans gefragt haben, als Michaël Cuisance beim FC Bayern vorgestellt wurde. Dies lag zweifelsfrei nicht daran, dass der Franzose kein fußballerisches Potenzial mitbrachte, sondern vielmehr an seiner zweifelhaften charakterlichen Eignung und seiner mangelnden Bereitschaft, sich in schwierigen Situationen mit sportlicher Leistung durchsetzen zu wollen.

Cuisance beschwerte sich heftig, dass er bei den Fohlen häufig auf der Bank sitzen musste. Wenn man eine Sache nicht tun sollte, wenn einem eine Ersatzrolle nicht behagt, dann wäre dies ein Wechsel zum FC Bayern. Dort besteht schließlich eher die Möglichkeit, von der Bank auf die Tribüne zu wechseln, anstatt den Sprung in die Startelf zu schaffen. Cuisance ließ sich davon jedoch nicht abhalten und schloss sich dem Rekordmeister an.

"Er hat Verhaltensweisen an den Tag gelegt, die er bei seinem neuen Arbeitgeber sicher nicht an den Tag legen wird. Genau das ist der Punkt. Das geht auch hier nicht", erklärte der damalige Gladbach-Trainer Marco Rose auf einer PK.

Damit sollte der Coach Recht behalten und Cuisance all das schnell am eigenen Leibe erfahren.

Cuisance mit überschaubaren Anteil am Triple-Gewinn

Bereits seine erste Saison war von vielen Verletzungen und Minuten auf der Ersatzbank geprägt. In der Hinrunde nach seinem Wechsel absolvierte er gerade mal mickrige 30 Minuten in der Bundesliga. Dafür musste er immer wieder mal das Trikot der Amateure überstreifen.

Seine beste Zeit in München erlebte er gegen Ende der Rückrunde 2019/20. Der Franzose kam immerhin in sechs der letzten neun Partien zum Einsatz und erzielte am finalen Spieltag gegen den VfL Wolfsburg zwei Scorerpunkte. Zum Triple-Gewinn trug der Youngster jedoch wenig bei. Im Pokal absolvierte er immerhin neun Achtelfinalminuten, wohingegen er in der Champions League gar nicht zum Einsatz kam.

Geplatzter Wechsel zu Leeds United

Aufgrund der Tatsache, dass der Spieler in seiner Premieren-Saison gerade mal 600 Minuten Spielzeit erhalten hat, zeigte sich der Verein im Sommer 2020 verkaufsbereit. Beinahe hätten die Bayern hierbei auch noch den ganz großen Deal herausgeschlagen. Medienberichten zufolge wollte der englische Aufsteiger Leeds United 20 Millionen Euro plus mögliche Bonus-Zahlungen für den Spieler aufbringen.

Allerdings platzte der Wechsel offenbar an einem gescheiterten Medizincheck, wodurch Cuisance gezwungen war, nach München zurückzukehren und damit an den Ort, wo er eigentlich überhaupt nicht mehr sein wollte. Daraufhin wurde Cuisance auffällig, indem er sich im Training einen Zoff mit Robert Lewandowski leistete, den beide später allerdings via Twitter begruben.

Cuisance-Leihe nach Marseille: Hoffnungsvoller Beginn, ernüchterndes Ende

Kurz vor Transferschluss ergab sich dann doch noch die Möglichkeit einer Leihe nach Marseille. Allerdings waren die Konditionen für den FC Bayern deutlich schlechter. Der Deal umfasste nämlich lediglich eine Kaufoption in Höhe von 18 Millionen Euro.

Beim Ligue-1-Klub fand sich der talentierte Mittelfeldspieler zunächst gut ein. Allerdings wurde Marseille in der Saison von viel Chaos übersät, inklusive Trainerwechsel und finanziellen Problemen. Die Leihgabe baute nach und nach ab und bekam immer weniger Minuten. Schon bald wurde klar, dass Marseille die Klausel für den Spieler nicht ziehen wird.

Letztlich stand Cuisance sogar vor dem letzten Spieltag wieder an der Säbener Straße auf der Matte, da er von Marseille suspendiert und vor die Tür gesetzt worden war. Einmal mehr sollen arrogantes Verhalten und mangelnde Trainingsbereitschaft grundlegend dafür gewesen sein.

Zwischen Bank und Tribüne: Cuisance nach Bayern-Rückkehr außen vor

Für den FC Bayern wurde es in der Folgezeit fast unmöglich, Profit aus dem Problem-Kicker zu machen. Demnach musste Julian Nagelsmann den Spieler notgedrungen mit in die Saison schleifen. Letztlich durfte er jedoch nur 45 Minuten im Pokal und mickrige zwölf Minuten in der Liga ran. Den Rest verfolgte er von der Bank, meistens aber sogar von der Tribüne aus. Für ein bequemes Sitzkissen wird das Gehalt zumindest gereicht haben.

Dies konnte den Spieler aber selbstredend nicht zufriedenstellen. Ein paar Minuten mehr hätte der Spieler womöglich auch bekommen können. Zu allem Überfluss gehörte er jedoch zu der Gruppe der ungeimpften Spieler, die längere Zeit in Quarantäne verbringen musste.

Eklat beim Spiel gegen Wolfsburg: Scharfe Kritik nach Leibchenwurf

Beim letzten Hinrunden-Spiel gegen den VfL Wolfsburg folgte dann der Eklat, bei dem Cuisance aus Enttäuschung das Leibchen nach Julian Nagelsmann warf. Der Bayern-Coach bescheinigte dem Spieler bei seinem einzigen Liga-Kurzeinsatz gegen Stuttgart "drei herausragende Pässe", ließ ihn dann jedoch wieder 90 Minuten auf der Bank schmoren. Zu viel für das dünne Nervenkostüm des Spielers. Während Nagelsmann die Sache runterspielen wollte, redeten sich mehrere Experten in eine Schimpftriade.

"Er ist nicht die hellste Kerze am Tannenbaum. Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat", sagte etwa der ehemalige Bayern-Profi Markus Babbel bei Ran.

Sandro Wagner, Trainer der SpVgg Unterhaching, legte in der BILD sogar noch einen drauf. "Solche Aktionen sind sinnbildlich für einen Charakter. Früher hätte es wahrscheinlich eine Watsch'n gegeben. Das darf man heute nicht mehr. Man muss also damit anders umgehen. So ein Spieler hat bei Bayern München nichts zu suchen. Das muss man ganz ehrlich sagen", erklärte der ehemalige Stürmer.

Neuer Verein, neues Glück: Cuisance erhält Chance auf Neubeginn

Der Transfer-Flop wird in München jetzt nur noch seine Koffer suchen. Dann geht es auch schon nach Italien zum FC Venedig. Angaben von Sky Italia zufolge, werden etwa vier Millionen Euro Ablöse fließen. Damit verkaufen die Münchner den Spieler acht Millionen Euro unter dem Verkaufspreis, was angesichts der vergangenen zweieinhalb Jahren auch nicht ungewöhnlich ist.

Cuisance hat jetzt immerhin die Chance, seine Karriere neu aufzubauen. Hoffen wir mal, dass er es diesmal nicht vermasselt.

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