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12. Verein im 10. Land: Marko Marin über Budapest-Wechsel und seine spezielle Karriere

Dominik Hager
Marko Marin kehrt zurück nach Europa
Marko Marin kehrt zurück nach Europa / Simon Holmes/Getty Images
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Die Weltreise von Marko Marin schreibt Kapitel zwölf. Der frühere Nationalspieler hat einen neuen Klub gefunden und steuert ein Land an, das er in seinem Work & Travel-Abenteuer noch nicht gesehen hat. Nach seinem Intermezzo in Saudi-Arabien kehrt Marin nach Europa zurück und wird künftig für Ferencvaros Budapest in der ungarischen Liga auflaufen.


Marko Marin hat in seiner Karriere schon vieles erlebt und vieles gesehen. Trotzdem kann sich der Offensivspieler auch im Alter von 32 Jahren noch immer für neue Aufgaben motivieren. Im Gespräch mit transfermarkt.de sprach der frühere Bremer über seine Gründe für den Wechsel nach Ungarn.

"Es handelt sich um einen Traditionsklub und den größten Verein des Landes, der um die Meisterschaft spielt und in Europa das dritte Jahr in Folge vertreten ist. Dieses Jahr kann ich in der Gruppenphase der Europa League leider nicht mitmachen, aber ich hoffe, dass wir im Wettbewerb überwintern, damit ich in der Rückrunde dabei sein kann", erklärte er.

Den Wandervogel störe auch die Tatsache nicht, dass die ungarische Liga im europäischen Ranking nur Rang 26 belegt und sich damit hinter Ländern wie Zypern oder Israel wiederfindet.

"Die ungarische Liga bietet viele neue Stadien, die Infrastruktur im Verein ist sehr professionell. Tamas Hajnal, den alle aus der Bundesliga kennen, ist hier Sportdirektor. Über ihn kam auch der Kontakt zustande, er hat mich komplett überzeugt. Ich finde, Ferencvaros ist eine spannende Aufgabe. Ich habe mitbekommen, dass die Fans hier super sind. Im kleineren Stadion – wenn man den Vergleich zu Deutschland zieht – geht es stimmungsvoll zu. Darauf hatte ich Lust", freute sich Marin auf sein neues Abenteuer.

Marin bereut nichts: "Habe schöne Destinationen kennengelernt"

Vor einigen Jahren haben viele Experten den schnellen und dribbelstarken Spieler permanent bei den großen Topklubs gesehen. Nach Stationen beim FC Chelsea und dem FC Sevilla fand sich der Spieler seitdem jedoch meist in in kleineren Ligen wieder, wo er durchaus Glanzpunkte setzen konnte. Dementsprechend ist Marin auch nicht unzufrieden mit seinem Karriereverlauf.

"Ich habe schöne Destinationen kennengelernt, von denen man sehr viel mitnehmen konnte – meistens lief es erfolgreich, was das Sportliche anbelangt. Aber auch im Privaten habe ich viele Menschen kennengelernt, habe Freunde aus verschiedenen Ländern, zu denen ich immer noch Kontakt habe", erklärte er.

Sein Wechsel nach Budaapest ruft in Marin auch Erinnerungen an seine Zeit in Belgrad hervor, wo er einige Titel sammeln konnte und zum absoluten Publikumsliebling wurde. "Bei Ferencvaros passt es auch sportlich sehr gut. Die Situation, die ich hier vorfinde, ist ähnlich mit der aus Belgrad, wo man ebenfalls in jedem Spiel der Favorit war. Es herrscht Druck, in der Liga die Meisterschaft holen zu müssen", zog er einen Vergleich.

Marin zog Familie in Entscheidung mit ein: "Wir reden offen"

Die Entscheidung, nach Budapest zu wechseln, war jedoch nicht nur eine Entscheidung als Fußballer, sondern auch als Familienvater. "Ich bin schon 32, war mit der Familie komplett in Saudi-Arabien. Es musste in diesem Sommer sportlich passen, aber zusätzlich auch eine Stadt oder ein Umfeld sein, in dem wir uns alle als Familie wohlfühlen. Was ich in den vergangenen Tagen in Budapest erlebt habe: Das ist wirklich eine super Stadt! Wenn man ein wenig Zeit hier verbringt, erkennt man das sehr schnell. Das hat auch eine Rolle gespielt", stellte er klar.

Der Spieler betonte, dass er seine Entscheidungen nie alleine trifft, sondern seine Familie miteinbezogen wird.

"Wir reden offen und entscheiden dann gemeinsam. Meine Frau hat alles mitgetragen. Klar sind die häufigen Umzüge in den letzten Jahren ab und zu nicht einfach für sie, aber sie hat das super gemacht. Wir sind glücklich mit unseren zwei Kindern. Deshalb haben wir uns nun dazu entschieden, dass das hier der richtige Schritt ist", erklärte er.

Wie sesshaft Familie Marin diesmal ist, lässt sich nur schwer absehen. Vertragstechnisch ist der Offensivspieler lediglich ein Jahr mit einer Option für eine weitere Spielzeit an den Klub gebunden.

Marin hat noch immer Spaß am kicken: "Man kann den Fußball etwas mehr genießen"

Eine Rückkehr in die Bundesliga wäre für den Außenbahnspieler durchaus interessant gewesen. Allerdings gab er zu, dass ihm kein konkretes Angebot vorlag. Vielleicht ergibt sich ja in Zukunft eine Möglichkeit, zumal der Weltenbummler noch immer für den Fußball brennt.

"Spaß am Fußball, das Gewinnen und Streben nach Titeln. Das hat man einfach immer. Den Druck, den man als jüngerer Spieler erlebt, hat man jetzt aber nicht mehr so im fortgeschrittenen Alter mit Familie. Jetzt kann man den Fußball ein bisschen mehr genießen", erklärte er seine Motivation, mit dem Fußball weiterzumachen.

Einen konkreten Zeitpunkt für ein Karriereende möchte er noch nicht festlegen. "Ich will spielen, so lange es noch Spaß macht, ich Leistung bringe und die Leute im Verein mit mir zufrieden sind. Von klein auf ist man riesiger Fußballfan. Wenn man fit und gesund ist und sieht, dass es noch erfolgreich geht, hat man eigentlich keinen Grund, aufzuhören", fand er.

Marin schwärmt von Belgrad und denkt gerne an Bundesliga-Zeit zurück

Roter Stern Belgrad
Marin erinnert sich mit leuchtenden Augen an seine Zeit in Belgrad / Srdjan Stevanovic/Getty Images

Wenn Marin an seine lange Karriere zurückdenkt, zählt er die Zeit in der Bundesliga bei Bremen und Gladbach zu seinen Highlights. "Es war eine sehr schöne Zeit, vor allem wenn ich bedenke, dass ich als junger Spieler das erste Mal in der Bundesliga spielte. Klar war das damals oder ist das noch jetzt im Nachhinein eine fantastische Zeit gewesen. Diese Augenblicke und die ersten Champions-League-Spiele mit Werder vergesse ich nicht", berichtete Marin.

Allerdings geht für den hochbegnadeten Techniker nichts über seine Zeit bei Roter Stern Belgrad hinaus. "Das ist seit klein auf mein Verein gewesen. Mein Vater war ein riesiger Fan von Roter Stern Belgrad, das habe ich so mitgenommen. Dort vor diesem Publikum im Marakana zu spielen und die Mannschaft als Kapitän in die Champions League zu führen und gegen Liverpool zu gewinnen, die danach Champions-League-Sieger geworden sind – das war schon ein Highlight", schwärmte er.

Bleibt nun abzuwarten, ob der Kicker bei Ferencvaros noch weitere herausragende Momente hinzugewinnen kann. Nach drei nationalen Meisterschaftstitel in Serie sind die Chancen zumindest national absolut gegeben.

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