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DFB-Team

Lukas Nmecha: Plötzlich Mittelstürmer und mit besten Zukunftsaussichten

Simon Zimmermann
Lukas Nmecha - die größte deutsche Mittelstürmer-Hoffnung?!
Lukas Nmecha - die größte deutsche Mittelstürmer-Hoffnung?! / BSR Agency/Getty Images
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Lukas Nmecha soll die deutsche U21-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft zum Titel schießen. Das Eigengewächs von Manchester City hat sich bei seiner Leihe zu RSC Anderlecht vom Außen- zum Mittelstürmer entwickelt. In dieser Rolle könnte Nmecha bald auch für die A-Nationalmannschaft interessant werden. In der Premier League und der Bundesliga steht er schon jetzt im Fokus.


Timo Werner ist es nicht, Thomas Müller und Serge Gnabry sind mehr Not- als Ideallösungen. Und auch Kevin Volland agiert lieber als zweite Spitze oder auf dem Flügel. Die "Nummer neun" - oder einfacher ausgedrückt: der Mittelstürmer. Eine Position, die in Deutschland bis Mitte der 1990er Jahre eigentlich immer mit Weltklasse-Personal besetzt war. Seither ist sie aber zur Problemzone geworden. Bis auf Miroslav Klose, der zwar für seine Klubs nie zur absoluten Weltspitze gehörte, für die DFB-Elf aber immer ablieferte.

Kandidaten, die diese Problemzone beheben können, muss man weiter mit der Lupe suchen. Blickt man vor dem EM-Viertelfinale auf die deutsche U21, verfestigt sich dieser Eindruck. Eingenommen wird die "Neun" gegen Dänemark wohl von Lukas Nmecha. Selbst kein "waschechter Mittelstürmer". Und dennoch nährt der 22-Jährige die Hoffnungen, dass er in Zukunft in diese Lücke stoßen kann - vielleicht sogar in der A-Nationalmannschaft.

Nmecha spielt sich in Anderlecht als Mittelstürmer fest

Denn Nmecha hat in der abgelaufenen Saison viel Erfahrung als Mittelstürmer sammeln können. Der Sturm-Youngster steht noch bis 2022 bei Manchester City unter Vertrag, spielte aber leihweise für den belgischen Spitzenklub RSC Anderlecht. 14 Tore und drei Vorlagen legte er in Belgien auf (31 Spiele). Trotz dieser guten Zahlen wird Nmecha bei den Cityzens keine Zukunft haben. Der Champions-League-Finalist will das Eigengewächs verkaufen. Mögliche Abnehmer stehen längst Schlange.

Gegenüber dem kicker sprach Nmecha über seine Rolle als Neuner bei Anderlecht: "Ich bin eigentlich kein hundertprozentiger Strafraumstürmer, aber ich habe in Anderlecht nun zum ersten Mal eine ganze Saison auf dieser Position gespielt und lerne immer besser, wo ich mich vorne am besten positioniere. Ich habe früher auch auf dem Flügel gespielt, ich spiele gerne mit der Mannschaft und will nicht nur vorne drinstehen. Ich finde gerade meinen Weg und fühle mich als Mittelstürmer immer wohler, sehe dort auch perspektivisch die besten Chancen für mich."

Die nötigen Qualitäten für die Sturmspitze bringt Nmecha in jedem Fall mit. Er ist schnell, technisch versiert und verfügt über einen guten Abschluss. Mit 1,85 Meter bringt er auch die nötige Physis mit. "Ich glaube, dass ich das Talent habe, diese Rolle auszufüllen, muss aber noch ein paar Schritte machen", befand auch der 22-Jährige selbst. Er sehe in Zukunft für sich die besten Chancen auf dieser Position, ergänzte Nmecha.

Nmecha zurück in die Premier League oder in die Bundesliga?

In der K.o.-Phase der U21-EM hat er nun eine gute Bühne, um sich weiter in den Fokus zu spielen. Angebote soll es aus der Premier League und auch aus der Bundesliga geben. Dort trat Nmecha schon in der Hinrunde 2019/20 auf. Seine Leihe für den VfL Wolfsburg war aber nicht sonderlich erfolgreich. Vielleicht deshalb, weil er bei den Wölfen fast ausschließlich über den Flügel kam. Über Middlesbrough ging es schließlich weiter nach Anderlecht, wo er nachhaltig als Mittelstürmer zu überzeugen wusste und Stammspieler war.

"Innerhalb unseres finanziellen Rahmens werden wir alles unternehmen, um Nmecha fest zu verpflichten“, erklärte Anderlecht-Sportdirektor Peter Verbeke vor einigen Wochen dem Het Nieuwsblad. Und auch Vater Nmecha rät seinem Sohn zu einem Verbleib in Belgien: "Ich glaube, es wäre definitiv klug, bei Anderlecht zu bleiben. Aber die Entscheidung liegt nicht nur bei Lukas. Wir werden sehen, was passiert. Das Interesse aus der Bundesliga und der Premier League ist groß."

Nmecha für rund acht Millionen Euro zu haben

Manchester City soll eine Ablöse entsprechend des aktuellen Marktwertes des Angreifers fordern. Bei geschätzten acht Millionen Euro liegt dieser aktuell. Bei guten Auftritten bei der U21-EM könnte dieser weiter steigen. Gut möglich also, dass wir Nmecha in der neuen Saison nicht mehr in Belgien sehen, sondern in der Premier League oder der Bundesliga. Dann würde er auch wieder mehr im Fokus stehen.

"Es gibt aktuell nicht so viele deutsche Stürmer, auch deshalb habe ich mich auch mit Blick auf die Zukunft für den DFB entschieden. Es gibt natürlich Timo Werner, der das gut macht und die A-Nationalmannschaft schießt ja auch Tore. Ich denke also nicht, dass ich sofort da oben reinspringe. Aber ich habe diese Saison gut gespielt, auf dieser Basis will ich nächstes Jahr versuchen, es ins A-Nationalteam zu schaffen. Wenn ich mich so weiterentwickele, wie ich es möchte, bin ich hoffentlich bald nah dran", erklärte er mit Blick auf die deutsche A-Nationalmannschaft.

Zuzutrauen ist Nmecha der Sprung ins A-Team auf jeden Fall. Wenn er seine Entwicklung so fortsetzt - und immer mehr in die "Neuner-Rolle" hineinwächst.

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