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La Liga

Dreikampf in La Liga: Glückt Atlético die Titelverteidigung oder schlagen Real und Barça zurück?

Dominik Hager
Nach Titelgewinn 2020/21: Kann Atlético erneut zuschlagen?
Nach Titelgewinn 2020/21: Kann Atlético erneut zuschlagen? / Angel Martinez/Getty Images
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Bereits seit Jahren ist die spanische La Liga geprägt von einem Dreikampf zwischen dem FC Barcelona, Real Madrid und Atlético Madrid. In der letzten Saison gesellte sich auch der FC Sevilla für lange Zeit zu den Titelanwärtern. Durch die Sommer-Transferphase könnte es im Hinblick auf die laufende Saison durchaus erneut zu Verschiebungen kommen. Klar im Fokus stehen aber weiterhin die Top drei der Liga. Wir möchten eine kleine Prognose wagen.


1. Real Madrid

Karim Benzema
Stürmer-Star Benzema führt Real zur Meisterschaft / Angel Martinez/Getty Images

Das spricht für Real Madrid:

Betrachtet man lediglich die Namen des Teams, so ist Real Madrid vermutlich das Nonplusultra der Liga. Die Anzahl der Stars ist mit Namen wie Courtois, Alaba, Marcelo, Casemiro, Kroos, Modric, Bale, Hazard und Benzema ziemlich lang.

Eine ganz klare Schwachstelle im Team ist zudem nicht auszumachen. Der Kader ist auf jeder Position ordentlich bis sehr gut besetzt.

Die Verpflichtung von David Alaba ist für den Verein elementar wichtig. Der Österreicher verleiht dem Team Stabilität und kann für einen geordneten Spielaufbau sorgen.

Youngster Eduardo Camavinga wird den erfahrenen Kräften im zentralen Mittelfeld den Kampf ansagen, was zu einer schönen Konkurrenz-Situation führen sollte.

Mit Gareth Bale und Eden Hazard stehen weiterhin zwei ehemalige Weltstars im Kader, bei denen man noch immer hofft, dass sie noch mal an erfolgreiche Zeiten anknüpfen können. Möglicherweise kann Trainer Ancelotti den Altstars wieder Beine machen.

Allerdings schreitet auch die Entwicklung von Vinícius Júnior voran. Der Brasilianer gehört zu den größten Offensiv-Talenten der Liga.
Doch selbst wenn das offensive Mittelfeld mal schwächelt, ist meist noch immer auf den Top-Stürmer Karim Benzema Verlass.

Das spricht gegen Real Madrid:

Der Abgang von Sergio Ramos trifft den Klub selbstredend heftig. Der Spanier war der unbestrittene Leitwolf und auch sportlich ein absoluter Erfolgsgarant. Nach dem Ronaldo-Abgang vor drei Jahren hat der Klub nun sozusagen die zweite Hälfte seiner Seele verloren. Ramos und Ronaldo waren mit ihrem Auftreten und der Winner-Mentalität entscheidend für die vielen Champions-League-Siege. Mit Varane ist zudem der langjährige Nebenmann von Ramos nicht mehr dabei.

Neben den zwei Führungsspielern war auch immer auf das Trio Modric, Kroos und Casemiro Verlass. Die drei Spieler ergänzen sich perfekt und sind ideal aufeinander abgestimmt. Allerdings hat insbesondere der Kroate seine stärkste Zeit hinter sich und auch Toni Kroos ist nicht mehr über jeden Zweifel erhaben.


Die größte Baustelle ist allerdings das offensive Mittelfeld, was all die großen Namen eigentlich nicht vermuten lassen. Tatsächlich könnte die Offensive mit Spielern wie Bale, Hazard, Vinícius Júnior, Rodrygo, Isco und Asensio eine gewaltige Wucht sein, die Realität sprach zuletzt aber dagegen. Nach den 23 Toren von Benzema war der Defensiv-Spezialist Casemiro der zweit-torgefährlichste Akteur der Blancos. Bei den Vorlagen lagen Kroos und Benzema mit zehn bzw. neun Assists vorne.

In der laufenden Saison müssen Spieler wie Hazard oder Vinícius Júnior schlichtweg effektiver agieren, damit vorne nicht alles von Benzema abhängt.

Prognose:

David Alaba gelingt es, den Abgang von Ramos zumindest einigermaßen zu kompensieren und spielt als Abwehrchef die stärkste Saison seiner Karriere.

Trainer Ancelotti gelingt es zudem, Gareth Bale in die Spur zu bringen, der viele wichtige Assists liefert. Dank eines rasanten Entwicklungssprungs von
Vinícius Júnior ist die Real-Offensive variabler und gefährlicher als in der enttäuschenden letzten Saison.

Im Zentrum entfacht ein spannender Kampf zwischen Camavinga, Valverde, Modric und Kroos. Alle Spieler werden zu Top-Leistungen angetrieben und stellen die beste Zentrale der Liga. Da viele Spiele genau auf dieser Position entschieden werden, macht Real knapp das Rennen.

2. Atlético Madrid

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Die Tore von Luis Suárez reichen am Ende nicht ganz / OSCAR DEL POZO/Getty Images

Das spricht für Atlético Madrid:

Atlético startet mit dem Selbstvertrauen in die Saison, die beiden Dauer-Rivalen in der vergangenen Spielzeit hinter sich gelassen zu haben. Während Barça und Real die besten Tage gerade hinter sich zu haben scheinen, hat Atlético die Chance genutzt, um den Mini-Rückstand aufzuholen.

Für die Rojiblancos spricht, dass sie mit Diego Simeone seit Jahren eine klare Philosophie fahren. Sie agieren als Einheit und haben weniger mit Unruhen und Star-Allüren zu kämpfen als die beiden großen Konkurrenten.

Zudem hat das Team mit Saúl Ñíguez nur einen namhaften Spieler verloren, der im Vorjahr aber auch keine entscheidende Rolle mehr gespielt hat. Auf der anderen Seite kamen mit de Paul, Cunha und Griezmann drei Spieler, die die Truppe noch mal stärker machen können.

Während sich Atlético jahrelang mehr auf die Defensive verlassen hat, ist nun die Offensive das Prunkstück. Mit Suárez, Griezmann und João Félix verfügt man über große Namen und eben so viel Qualität. Gepaart mit einem ohnehin funktionierenden Konstrukt können sich die individuellen Künstler bestens entfalten.

Das spricht gegen Atlético Madrid:

Die große Stärke des Klubs ist es eigentlich gar keine wirkliche Schwäche zu besitzen. Demnach sind die Defizite auch allesamt eher marginal.

Die beiden Schienenspieler Yannick Carrasco und Kieran Trippier gehören nicht zu den absoluten Top-Spielern auf dieser Position.

Zudem könnte sich der Abgang von Saúl Ñíguez als schwerer erweisen, als man sich das vielleicht denken könnte. Der Spanier war jedoch in all den großen Jahren immer mit dabei und eine wichtige Stütze im Spiel und der Kabine. Mit Koke, Llorente und de Paul ist die Qualität zwar absolut da, jedoch ist Ersterer der einzige wirkliche Leader-Typ.

Problematisch ist ab und an auch, dass sich das Team durch die zum Teil eher konservative Taktik ein wenig im Weg steht und nicht die Kreativität entfachen kann, die möglich wäre.

Nach dem Meistertitel ist Atlético nun das gejagte Team. Diese Rolle gefällt der Truppe eigentlich nicht so. Ähnlich wie beispielsweise Borussia Dortmund fühlt sich der Verein in einer leichten Außenseiter-Rolle wohler. In Zukunft wird man noch häufiger gegen tief stehende Teams agieren müssen, was nicht unbedingt die ganz große Stärke der Madrilenen ist.

Fazit:

Atlético wird dank Griezmann und Cunha noch gefährlicher und erzielt mehr Tore als in der Vorsaison. Allerdings lässt Atlético gegen mehrere Außenseiter Punkte liegen, weil diese zunehmend hinten den Bus parken. Diego Simeone bemüht sich zwar neue offensive Konzepte zu finden, jedoch agiert das Team oft zu ungeduldig, wodurch das eigentlich so stabile Konstrukt immer wieder leicht ins Schwanken gerät.

Atlético spielt zwar bis zum Ende um den Titel mit, scheitert aber an Kleinigkeiten. Zu viele Unkonzentriertheiten in der Abwehr und etwas zu wenig Kreativität im offensiven Mittelfeld führen dazu, dass es hauchdünn "nur" zu Rang zwei reicht.

3. FC Barcelona

Pedro Gonzalez 'Pedri'
Beim FC Barcelona ruhen die Hoffnungen auf Pedri / Quality Sport Images/Getty Images

Das spricht für den FC Barcelona:

Nach einem Jahr unter Ronald Koemen dürften Team und Trainer langsam besser aufeinander eingestellt sein. Zudem haben einige Talente wie Pedri, Ansu Fati und Sergiño Dest gute Chancen, den nächsten Schritt zu machen.

Nach dem Messi-Abgang muss das ganze Team enger zusammenrücken. Jeder Spieler ist in der Pflicht, seinen Anteil zu liefern, um den Abgang des Argentiniers zu ersetzen. Ein Verstecken hinter dem Super-Star ist jetzt nicht mehr möglich. Zudem muss die gesamte Spielanlage nicht mehr auf den einen Akteur alleine ausgerichtet werden. Dies ist sicherlich eine Chance für die Mannschaft.

Man darf auch nicht vergessen, dass Messi zwar offensiv brillant ist, defensiv aber praktisch nicht mitarbeitet. Für den Teamgeist ist es sicherlich besser, wenn alle elf Spieler hierbei ihren Anteil leisten.

Trotz der finanziell schwierigen Situation hat sich der FC Barcelona zudem durchaus gute Verstärkungen sichern können. Insbesondere Memphis Depay gehört im Offensivbereich zu den Top-Spielern und ist ein verlässlicher Torjäger. Sergio Agüero verfügt ebenfalls über viel Erfahrung und Qualität, selbst wenn er seine besten Tage hinter sich hat. Mit Eric García kam zudem ein sehr talentierter Innenverteidiger ablösefrei von Manchester City.

Generell verfügt die Truppe über eine gesunde Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern und hat noch immer großen Namen am Bord. Demnach könnte auch die Ära nach Messi prinzipiell noch erfolgreich werden.


Das spricht gegen den FC Barcelona:


Selbst wenn nun andere Spieler aus dem Schatten von Messi springen können, schmerzt sein Verlust natürlich sehr. In den vergangenen Spielzeiten war der Argentinier der Dreh- und Angelpunkt, mit dem alles stand und fiel. Alleine in der La Liga traf der Südamerikaner 30-mal und gab elf Vorlagen. Die wahnsinnige Qualität des Spielers einfach so zu ersetzen, ist eigentlich gar nicht möglich.

Zudem darf man auch nicht vergessen, dass mit Antoine Griezmann noch ein weiterer hochkarätiger Offensivspieler nicht mehr mit dabei ist. Der Franzose wurde aus finanziellen Gründen zu Atlético verliehen.

Generell wiegen die Geldprobleme natürlich schwer auf den Schultern des Klubs. Die permanente Unruhe wirkt sich auch nicht sonderlich positiv auf die Spieler aus. Werden dann noch Gehälter unpünktlich oder gar nicht gezahlt, droht das Klima endgültig zu kippen.

Doch auch sonst gibt es im Kader noch viele Fragezeichen. Insbesondere in der Innenverteidigung fehlt ein Stabilisator. Piqué ist verletzt und nicht mehr auf Top-Level, während Lenglet dieses niemals erreicht hat. Die Hoffnung liegt auf den jungen Spielern wie García und Mingueza.

In der Offensive hat Barça zwar auf dem Papier Qualität, jedoch konnten Spieler wie Démbéle und Coutinho ihre Klasse schon länger nicht mehr abrufen und sind zu oft verletzt.

Prognose:

Der FC Barcelona schafft es nicht auf Anhieb, den Messi-Abgang zu ersetzen. Depay macht zwar entscheidende Tore, jedoch können Démbéle, Coutinho, Agüero und Fati nicht konstant Leistung bringen.

Selbst wenn Pedri und De Jong im Mittelfeld zumindest an den alten Glanz von Xavi und Iniesta erinnern können, jedoch reicht es am Ende dennoch nur zu Rang drei. Dies liegt auch daran, dass Sergio Busquets
mit zunehmendem Alter die Lücken in der Defensive nicht mehr so gut stopfen kann wie früher. Für die ohnehin schon etwas instabile Abwehr ist dies nicht förderlich, weshalb sich individuelle Fehler häufen.

Barcelona fällt demnach bereits in der Hinrunde zu weit hinter die Spitze zurück und kann den Rückstand trotz einer besseren Rückrunde nicht mehr aufholen.

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