90min
Transfer

Mbappé gibt Traum von Real-Wechsel in diesem Sommer nicht auf

Guido Müller
Will PSG-Boss Khelaifi von seinem Verkauf überzeugen: Kylian Mbappé
Will PSG-Boss Khelaifi von seinem Verkauf überzeugen: Kylian Mbappé / David Rogers/Getty Images
facebooktwitterreddit

Trotz aller Beteuerungen seines Klub-Präsidenten Nasser Al-Khelaifi, ihn in diesem Transfersommer nicht ziehen lassen zu wollen, scheint sich Superstar Kylian Mbappé genau damit partout nicht anfreunden zu können.

Heute will er einem Bericht der Gazzetta dello Sport (via marca.com) sogar das direkte Gespräch mit seinem Boss suchen. Und diesen im selben wohl abermals darum bitten, doch bitteschön endlich in konkrete Verhandlungen mit Real Madrid zu gehen. Denn eine langfristige Zukunft im Prinzenpark sieht der 22-Jährige ganz offenbar nicht mehr.

Und daran trägt die spektakuläre Verpflichtung von Lionel Messi durchaus eine Teilschuld. Zwar betonte Khelaifi kurz nach Bekanntgabe des Aufsehen erregenden Deals, dass sein wechselwilliger Angreifer nun eigentlich keine Argumente mehr habe, um dem neuen sportlichen Projekt bei PSG den Rücken zu kehren.

Dies ist allerdings nur eine Seite der Medaille. Natürlich verkörpert der aktuelle Kader der Pariser absolute Extraklasse. In allen Linien. Doch vor allem im Angriff. Mit Di Maria, Neymar und Messi zusammenspielen zu dürfen, ist - eigentlich! - der Traum eines jeden Spielers.

Doch ist der Spielerzirkus in den höheren Spähren des Profi-Fußballs auch immer ein Stück weit ein Jahrmarkt der Eitelkeiten.

Mbappé fühlt sich von Neymar und Messi in die Ecke gestellt

Vor zwei Jahren, also ein Jahr nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft, zu dem er einen beträchtlichen Anteil selbst beigesteuert hatte, forderte Mbappé medienwirksam eine verantwortungsvollere Rolle bei PSG.

Seitdem hat er jedoch beobachten müssen, wie zunächst Neymar in der Hierarchie über ihm angesiedelt wurde (per lukrativem neuen Vertrag) - und nun auch noch der absolute Megastar des Weltfußballs der letzten eineinhalb Jahrzehnte die Hackordnung abermals neu ordnet.

Mbappé ist vom prospektiven Anführer in eine neue Epoche beinahe zu einem Komparsen degradiert worden.

Wie sehr ihn dies in seinen Gefühlen verletzt hat, verdeutlicht schon seine Reaktion unmittelbar nach Verkündung des Messi-Deals. Oder soll man besser sagen: seine Nicht-Reaktion?

Halbherzige Messi-Begrüßung

Denn im Gegensatz zu seinen restlichen Team-Kollegen brauchte Mbappé eine verdächtig lange Zeit, um Lionel Messi via soziale Netzwerke an dessen neuer Arbeitsstelle willkommen zu heißen. Und dann kam auch nur eine eher lauwarme Begrüßung bei raus.

Die Pfiffe der eigenen Fans im Liga-Auftaktspiel gegen Racing Straßburg (4:2), die damit ihrerseits auf seine wenig verhohlenen Wechselabsichten reagierten, dürften den Spieler in seinem Willen nur noch bestärken. Selbst wenn die Unmutsäußerungen der PSG-Anhänger nach seinem Treffer zum 2:0 und der Vorlage zu Draxlers 3:0 auch genauso schnell wieder verstummten...

Abwesenheit bei Herreras Geburtstagsparty

Wie sehr sich Mbappé bereits innerlich von seinen Noch-Kollegen abgewendet hat, beschreibt der Umstand, dass er als einziger der Superstars nicht bei der Geburtstagsfeier von Ander Herrera (wurde vorgestern 32) weilte.

Gegenüber seinem Präsidenten will Mbappé diese Karte des Nicht-Verstandenen (und Nicht-Geliebten) nun ausspielen. Das ewige Spiel der angedeuteten Erpressung. Nach dem Motto: 'Wenn ich hier noch ein Jahr bleiben muss, bleib ich halt. Aber dies zutiefst unwillig.'

Lässt sich Al-Khelaifi "erpressen"?

Die Frage ist, ob Al-Khelaifi sich davon beeindrucken und "erpressen" lässt. Finanziell kann man dem mit katarischen Staatskapital bestens ausgepolsterten Klub nämlich eigentlich nicht drohen.

FBL-FRA-LIGUE1-PSG
Bild aus harmonischeren Zeiten: Al-Khelaifi und Mbappé bei dessen Präsentation im Sommer 2018 / AFP Contributor/Getty Images

Die Verantwortlichen könnten es sogar drauf ankommen lassen, Mbappé notfalls ein Jahr lang fürs Nichtstun (sprich: auf der Ersatzbank Platz zu nehmen) zu bezahlen.

In der nicht unbegründeten Annahme, dass auch der Spieler selbst daran interessiert sein sollte, seinen Ruf in der Branche nicht zu ruinieren. Doch ob dies nach so vielen Wechseldramen im internationalen Fußball in den letzten Jahren überhaupt noch möglich ist, sei ebenfalls dahingestellt.

Währenddessen harrt gut tausend Kilometer von Paris entfernt Reals Präsident Florentino Pérez der Dinge aus der Beobachterrolle heraus.

120 Millionen Euro sollen für Transfers (oder besser: für DEN Transfer!) schon bereit liegen. Mit den zu erwartenden Einnahmen aus einem Ödegaard-Verkauf an den FC Arsenal hätte man die wohl mindestens fälligen 150 Millionen Euro für Mbappé bereits zusammen.

facebooktwitterreddit