Bayern München

Konrad Laimer zum FC Bayern: 5 Gründe, warum ein Transfer keinen Sinn ergibt

Dominik Hager
Das Konrad Laimer wirklich das nötige Können für den FC Bayern?
Das Konrad Laimer wirklich das nötige Können für den FC Bayern? / Alexander Hassenstein/GettyImages
facebooktwitterreddit

Der FC Bayern hat seine Kaderplanung nach den Transfers von Mané, de Ligt, Gravenberch, Mazzraoui und Tel mehr oder weniger abgeschlossen. Heiß diskutiert und verhandelt wird auf der Zugangsseite nur noch bei einer Personalie. Die Rede ist von Konrad Laimer, der ein Jahr vor seinem Vertragsende bei RB Leipzig bei den Bayern anheuern könnte. Kostenpunkt: 25-30 Millionen Euro.

Hier sind fünf Gründe, warum der FC Bayern Laimer nicht holen sollte:

1. Fußballerisch zu schwach für den FC Bayern

Konrad Laimer hat sich als kampfstarker und athletischer Spieler mit Pferdelunge in den Vordergrund gespielt. Diese durchaus vorhandenen Qualitäten muss man ihm zweifelsfrei lassen. Kampfstärke allein reicht aber nicht aus, um im Mittelfeld der Bayern bestehen zu können. Der FC Bayern ist eine Mannschaft, die in 95 Prozent der Spiele mehr Ballbesitz hat und das Geschehen dominiert.

Demnach benötigt es Spieler, die gut auf engem Raum sind und technisch sauber agieren. Fähigkeiten im Kurzpassspiel sind ebenso gefragt wie die Fähigkeit, die schnellen Flügelspieler mit einem punktgenauen Diagonalball über 25-30 Meter einzusetzen. Der FC Bayern hat seit dem Abschied von Thiago ohnehin schon an spielerischer Stärke verloren, zumal ein Goretzka auch mehr ein Athlet als ein Techniker vor dem Herrn ist.

Das Spiel ist demnach unsauberer, unstrukturierter und weniger kreativ. Mit Laimer statt Goretzka würden sich diese Probleme nur noch verschlimmern, weil dieser ein noch schwächerer Techniker und Passspieler ist.

2. Kein richtiger Sechser - und der falsche Spielertyp

Die Tatsache, dass die Bayern überhaupt noch einen Sechser holen wollen, ist wohl dem geschuldet, dass die Lücke zwischen dem Mittelfeld und dem Angriff zuletzt zu groß war. Leon Goretzka pflegt es, viele Wege nach vorne zu machen, um seine Schussstärke und Torgefahr zu nutzen. Joshua Kimmich ist aber auch keiner, der seine Position in der zentralen Defensive hält und über 90 Minuten hinweg den Staubsauger spielt. Turnen dann zwei zentrale Mittelfeldspieler vorne rum, können die gegnerischen Teams schnell Lücken finden und die allein gelassene Münchner Viererkette attackieren.

Ein zweikampfstarker Sechser, der mit Auge spielt und als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive den Raum dicht macht, wäre demnach sicherlich eine Verstärkung. Dieser Jemand ist Konrad Laimer aber nicht. Laimer ist ein Pressing-Spieler, der ebenfalls gerne mit nach vorne rennt und gegen den Ball am liebsten direkt drauf geht, wodurch er aber auch seinen Platz im zentralen defensiven Mittelfeld verlässt.

In der ersten und - je nach System - auch der zweiten Pressinglinie wird es aber auf Müller, Gnabry, Mané, Coman und Co. ankommen, die ballführenden Gegenspieler zu attackieren und die haben allesamt bewiesen, dass sie das auch können. Das zentrale Mittelfeld muss demnach eher versuchen, die daraus provozierten ungenauen Bälle zu sichern oder aber die direkten Zweikämpfe zu gewinnen.

Laimer ist weder ein guter Zweikämpfer, noch jemand, der durch ein gutes Spielverständnis die Bälle in Staubsauger-Manier an sich zieht. Der Österreicher hat in der vergangenen Saison mickrige 42,5 Prozent (laut Ligainsider) seiner Zweikämpfe gewonnen, was eine fast schon katastrophale Bilanz auf seiner Position ist. Diese ist zudem kein Zufall: Tatsächlich blieb er seit seinem Wechsel in die Bundesliga stets unter 45 Prozent und im Schnitt bei 41 bis 42 Prozent.

Seine Tackling-Quote mit 35 Prozent ist ebenso schwach wie seine Gabe, Bälle abzufangen. In der vergangenen Saison waren es gerade mal 0,28 pro 90 Minuten. Zum Vergleich: Der beste Spieler in dieser Kategorie, Max Christiansen von Greuther Fürth, kam auf 2,85 pro 90 Minuten. Laimer generiert zwar immerhin auf gute 1,67 Balleroberungen pro Spiel, jedoch sind als Bayern-Sechser eben Zweikampfstärke und ein gutes Auge ebenfalls gefragt.

Sollte man wirklich einen defensivstarken Spieler holen wollen, der seine Position hinten auch hält, müsste das ein Typ wie Casemiro oder Fabinho sein und kein "Goretzka light".

3. Laimer-Transfer gefährdet Entwicklung von Gravenberch

Ryan Gravenberch gilt als eines der größten Mittelfeld-Talente in Europa und soll Goretzka den Kampf ansagen. Der 20-Jährige benötigt aber auch Spielzeit, um sich wirklich zu dem Spieler zu entwickeln, der er werden kann. Durch die Goretzka-Verletzung hat der Niederländer eine gute Chance, sich gleich beweisen zu können.

Klar ist aber auch: Sollte Konrad Laimer kommen, wird die Spielzeit, die der Österreicher bekommt, Gravenberch fehlen. Der Ajax-Neuzugang ist jedoch das deutlich größere Versprechen und muss jetzt gefördert werden.

4. De-Jong-Transfer wohl möglich: Kaderposition lieber für ein echtes Kaliber freihalten

Es ist wohl ein offenes Geheimnis, dass sich Frenkie de Jong einen Wechsel zum FC Bayern sehr gut vorstellen kann, wo unter anderem Kumpel Matthijs de Ligt spielt. Der Mittelfeldspieler wird aktuell vom FC Barcelona geradezu hintergangen und vorgeführt. Aktuell ruft Barça noch eine Ablöse auf, die für den FC Bayern in dieser Transferperiode nicht zu stemmen ist. Solange de Jong aber in diesem Sommer nicht wechselt, dürfte er im kommenden Jahr wieder auf dem Markt sein.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Katalanen nochmal eine so große Summe für den Niederländer aufrufen können. Womöglich ist das Tischtuch beider Parteien dann völlig zerschnitten. Man kann davon ausgehen, dass sich de Jong - anders als im Fall von Manchester United - zum FC Bayern "verjagen" lassen würde. Womöglich ist der Mittelfeldspieler auch nur deswegen so gegen den United-Wechsel, weil er sich die Tür Bayern München nicht verschließen möchte.

De Jong ist ein Spieler, der den FC Bayern fußballerisch auf ein neues Level bringen könnte - insofern er an seine Ajax-Zeit anschließt. In Sachen Potenzial und Leistungsmaximum ist er einem Konrad Laimer meilenweit voraus. Da würde es schon Sinn ergeben, lieber eine Kaderposition für das kommende Jahr offen zu lassen, um sie dann mit einem echten Kaliber ausfüllen zu können

5. Verprasste 25-30 Mio. Euro ein Jahr vor Vertragsende

Konrad Laimer hat nur noch ein Jahr Vertrag und besitzt die Absicht, zum FC Bayern zu wechseln. Warum sollten die Münchner also 25 bis 30 Millionen Euro zahlen, um den Spieler ein Jahr früher zu bekommen? Letztlich zahlt man diese Mega-Summe für einen Akteur, der wahrscheinlich meist eh nur auf der Bank sitzt.

Laimer ist bestenfalls ein "Nice-to-Have" aber kein "Must-Have"-Spieler. Dieses Geld sollte man sich wirklich sparen. Die Not besteht schlichtweg nicht, zumal neben Gravenberch ja auch ein Marcel Sabitzer noch da ist und einen stärkeren Eindruck als im Vorjahr macht.


Alles zu den Bayern bei 90min:

facebooktwitterreddit