Hamburger SV

Sonny Kittel: Mit Kampf und Eleganz in die Bundesliga?

Michael Keck
Hamburger SV v 1. FC Nürnberg - Second Bundesliga
Hamburger SV v 1. FC Nürnberg - Second Bundesliga / Martin Rose/Getty Images
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Der Hamburger SV meldet sich durch den 5:2-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg im Aufstiegsrennen zurück. Einer der Garanten für den klaren Sieg war Sonny Kittel, der - wie der Rest der Mannschaft - durch eine Leistungsexplosion überzeugen konnte. Der Matchwinner hat jedoch nicht nur gegen den Club gezeigt, wie viel Potential in ihm steckt.


Verletzungspech in Frankfurt und Ingolstadt

Die technischen Fähigkeiten eines Sonny Kittel stehen außer Frage. Das hat man in Frankfurt auch erkannt: 2010 feierte der damals 17-jährige Kittel für die Eintracht sein Debüt - gegen den HSV. In seiner ersten Saison brachte es das damalige Nachwuchstalent immerhin auf acht Saisoneinsätze. Kittel war allerdings schon früh vom Verletzungspech geplagt: Noch in seiner ersten Profisaison riss er sich im April 2011 das Kreuzband. Der Ex-Frankfurter musste beinahe ein Jahr auf sein Comeback warten, kam in der zweiten Saisonhälfte aber immerhin regelmäßig zu Kurzeinsätzen und erzielte seine ersten drei Tore als Profi.

Als Aufsteiger kam Kittel in der Saison 2012/2013 in der Bundesliga nicht zurecht, erlitt zudem einen Knorpelschaden: fast zwei Jahre Pause. Der nächste Ausfall von rund 10 Monaten durch eine Innenbandverletzung ging dann schon fast unter. 2016 wechselte Kittel zum FC Ingolstadt und stieg ab, sollte ab der Saison 2017/2018 in der 2. Liga jedoch durchstarten: Mit 41 Scorerpunkten in zwei Spielzeiten war Kittel endlich angekommen. Der HSV wurde im Rahmen des erneuten Umbruchs auf ihn aufmerksam und holte den Techniker 2019 an die Elbe.

Sonny Kittel
Hamburger SV v VfL Osnabrück - Second Bundesliga / Martin Rose/Getty Images

Der Wechsel zum HSV: Spiel des Lebens gegen Nürnberg

Stets vom Verletzungspech verfolgt, ließ Kittel beim HSV bereits häufiger seine Klasse aufblitzen. Das war auch beim wichtigen Sieg gegen Nürnberg der Fall: Bei seiner Torvorlage zum 1:0 und seinem Treffer zum 5:1 zeigte der Zehner wieder einmal, dass sein Talent in die Bundesliga gehört. Auf eine solch starke Leistung hat man in Hamburg jedoch lange warten müssen. Hrubesch zeigte bei Sky Verständnis für den Edeltechniker und weiß, was er eigentlich drauf hat: "Nach zwei Kreuzbandrissen ist es schwer, zurückzukommen. Das, was er oft spielt, ist für seine Verhältnisse zu wenig", erklärte der 70-Jährige.

So mancher Anhänger rieb sich beim Hrubesch-Debüt jedoch die Augen, als Kittel den HSV nicht nur durch Eleganz, sondern auch durch Kampf zum Sieg führte. Sinnbildlich war der Ballverlust und der anschließende Ballgewinn an der Eckfahne vor dem zwischenzeitlichen 3:1 durch Terodde. Kittel scheint von seiner plötzlichen Zweikampfstärke nicht überrascht zu sein und verriet bei hsv.de: "Für mich ist daraus ein persönliches Ding geworden. Ich will das Eins-gegen-Eins-Duell nicht verlieren - egal gegen wen."

In Hamburg hofft man nun darauf, dass Kittel diese Form in den letzten beiden Saisonspielen bestätigen und darüber hinaus auch halten kann. Nicht zu vergessen: Auch Ex-Coach Daniel Thioune war es im Laufe der Saison bereits gelungen, den Linksaußen aus einem Leistungstief zu hieven und ihn zur Arbeit gegen den Ball zu bewegen.

Hrubesch als Heilsbringer mit der richtigen Wortwahl

Doch nicht nur Kittel, sondern die gesamte Mannschaft zeigte nach den schweren letzten Wochen ein neues Gesicht. Hrubesch, der während der Spielvorbereitung auf Kommunikation und Klarheit setzte, scheint die richtigen Worte gefunden zu haben. Die Anhängerschaft des HSV fragt sich, warum ein solcher Auftritt erst am 32. Spieltag möglich war. Sicher kann ein Trainerwechsel einen positiven Effekt haben. Der eine Trainer kann aus seiner Mannschaft, je nach Situation und Umgang, eine bessere Leistung herauskitzeln als der andere. Bei einem derartigen Leistungsumschwung muss die Frage jedoch erlaubt sein, ob die Mannschaft - so auch Kittel - am Ende der kurzen Thioune-Ära eher gegen den Trainer als für den Verein gespielt hat. In der Schnelllebigkeit des Fußballs wird der HSV-Fan aber sicher darüber hinwegsehen können, sollten die Hanseaten das kleine Wunder noch schaffen.

Horst Hrubesch, Ogechika Heil
Hamburger SV v 1. FC Nürnberg - Second Bundesliga / Martin Rose/Getty Images

Fakt ist: Die Vorstellung war, ob für Spieler oder Fans, Balsam für die HSV-Seele. Kittel und der HSV haben gezeigt, wie viel Potential in der Mannschaft schlummert. Durch den Auftritt gegen Nürnberg muss man die Rothosen für die letzten beiden Saisonspiele ebenfalls auf dem Zettel haben. Mit Osnabrück und Braunschweig erwarten die Hanseaten zwei Mannschaften, die um den Verbleib in Liga 2 kämpfen. Um kein Sandhausen-Dejá-vù zu erleben, sind Kampf und Leidenschaft erneut Grundvoraussetzung. Dann kann man, falls die Konkurrenz patzt, noch hoffen. Mehr als die Relegation wird aufgrund der starken Verfassung von Holstein Kiel jedoch nicht drin sein.

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