Hamburger SV

HSV-Chaos um Vorstand Wüstefeld: Erster Großsponsor zieht Konsequenzen

Daniel Holfelder
HSV-Aufsichtsratschef Marcell Jansen hat es momentan nicht leicht
HSV-Aufsichtsratschef Marcell Jansen hat es momentan nicht leicht / Oliver Hardt/GettyImages
facebooktwitterreddit

Sportlich läuft es beim Hamburger SV. Nach neun Spieltag stehen die Rothosen an der Tabellenspitze. Abseits des Platzes hingegen herrscht - mal wieder - große Unruhe in der Hansestadt. Im Mittelpunkt steht Vorstand und Medizin-Unternehmer Thomas Wüstefeld, gegen den zuletzt eine Vielzahl an Vorwürfen laut wurde. In seiner Rolle als Unternehmer soll der 53-Jährige in unlautere Geschäfte verwickelt sein, im HSV-Vorstand gilt das Verhältnis zu Kollege Jonas Boldt als arg belastet. Zudem sei fragwürdig, ob Wüstefeld seinen Professorentitel zu Recht trage. Nun hat ein erster wichtiger Sponsor Konsequenzen gezogen.


Wie das Hamburger Abendblatt berichtet, wird die Telekom den im kommenden Sommer auslaufenden Sponsoring-Vertrag nicht verlängern. Das Tele­kommunikationsunternehmen ist seit zwei Jahren HSV-Exklusivpartner und unterstützt den ehemaligen Bundesliga-Dino pro Saison mit 1,5 Millionen Euro.

Nun hat, wie das Abendblatt meldet, die HSV-Führungskrise zu der Entscheidung geführt, die Partnerschaft nicht über den Sommer 2023 hinaus fortzuführen. Die Telekom hat Vorstand Wüstefeld den Entschluss bereits in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt.

Konkret stört sich das Unternehmen, schreibt die Hamburger Tageszeitung, an den "Unstimmigkeiten rund um Vorstand Thomas Wüstefeld, [der] gesamten HSV-Governance und [dem] intransparente[n] Gebaren im Aufsichtsrat". Offiziell wollten sich bislang weder die Verantwortlichen des HSV noch die Telekom selbst äußern.

Mehrere Vorwürfe gegen Wüstefeld

Gegen Vorstand Thomas Wüstefeld wurden zuletzt mehrere Vorwürfe laut. Zum einen berichtete der Spiegel über unlautere Geschäftspraktiken des Medizin-Unternehmers, gegen den und seine Firmen "bald mehrere Millionenklagen" verhandelt werden sollen, wie das Nachrichtenmagazin schreibt. Außerdem bestätigte das Landgericht Hamburg eine Strafanzeige wegen Untreue gegen den 53-Jährigen. Zudem, so der Spiegel, geht die Justizbehörde dem Verdacht des illegalen Verkaufs von Arzneimitteln nach. Wüstefeld bestreitet alle Vorwürfe.

Außerdem wehrt sich Wüstefeld gegen die Behauptung, er trage seine Titel "Prof. Dr." zu Unrecht. Nachdem das Abendblatt Fragen zu seiner akademischen Karriere aufgeworfen hatte, kündigte Wüstefeld im NDR-Sportclub an, die entsprechenden Belege vorzulegen. Am Montag bestätigte er: "Ich werde dem Aufsichtsrat vollumfassende Informationen geben, denn wir wollen den Sachverhalt ja aufklären."

Von den (vermeintlichen) Strafanzeigen und den Zweifeln an seinen akademischen Titeln abgesehen, gilt Wüstefelds Verhältnis zu Vorstandskollege Jonas Boldt als stark angespannt. Laut Spiegel schrieb Wüstefeld im Juni eine E-Mail an die Gesellschafter der HSV-Fußball AG und den Aufsichtsrat, in der er die Gesamtverantwortung im Klub forderte. An Boldt, mit dem Wüstefeld aktuell gleichgestellt ist, sandte er die Mail nicht.

Wie Wüstefeld, dessen Vorstandsmandat zum Jahresende ausläuft, und Boldt, der noch bis Sommer 2023 gebunden ist, unter diesen Umständen professionell zusammenarbeiten soll, ist fraglich. Aufsichtsratschef Marcell Jansen hatte bislang stets betont, personelle Entscheidungen nicht vor WM-Beginn im November treffen zu wollen.


Alles zum HSV bei 90min:

facebooktwitterreddit