Borussia Mönchengladbach

Gladbach-Coach Hütter will die Ruhe bewahren - Eberl erhöht den Druck

Dominik Hager
Adi Hütter steuert mit den Fohlen immer weiter in Richtung Abstiegszone
Adi Hütter steuert mit den Fohlen immer weiter in Richtung Abstiegszone / Thomas Eisenhuth/GettyImages
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Borussia Mönchengladbach schlittert zunehmend in eine sportliche Krise. Die Fohlen, die vor wenigen Wochen noch mit einem fulminanten Pokal-Triumph gegen den FC Bayern auf sich aufmerksam gemacht haben, finden sich nach drei Niederlagen am Stück nur noch zwei Punkte vor dem Relegationsplatz wieder. Borussia-Coach Adi Hütter möchte dennoch positiv bleiben.


Den Gladbachern droht ein wenig geruhsames Weihnachtsfest. Der Bundesligist zeigte in den letzten Wochen indiskutable Leistungen und droht kurz vor der Winterpause unten reinzurutschen. Aus den letzten drei Spielen gegen Köln, Freiburg und Leipzig holten die Fohlen null Punkte und kommen auf eine desaströse Tordifferenz von 2:14.

Hütter möchte positiv bleiben: "Hatten auch bessere Momente"

Natürlich wirft diese Horror-Bilanz auch kein gutes Licht auf Trainer Adi Hütter, der für stolze 7,5 Millionen Euro verpflichtet wurde. Der frühere Eintracht-Coach wehrte sich jedoch dagegen, alles nur negativ zu sehen.

"Natürlich müssen wir uns auch nach dieser Niederlage der Kritik stellen, trotzdem müssen wir uns auch an gewisse Strohhalme klemmen. In der Phase, in der wir das Spiel angenommen haben und in die Zweikämpfe gekommen sind, hatten wir auch bessere Momente", analysierte er das 1:4 gegen RB Leipzig.

Tatsächlich liest sich das Ergebnis schlechter, als es wirklich war. In der 88. Minute erzielte man immerhin den 1:2-Anschlusstreffer und setzte natürlich alles auf Angriff. Dies kann allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Fohlen schon seit geraumer Zeit weit hinter den eigenen Möglichkeiten bleiben.

Hütter sieht keine Unstimmigkeiten in der Mannschaft

Spekulationen darüber, dass die unsichere Zukunftssituation von Führungsspielern wie Ginter oder Zakaria für Unruhe in der Kabine sorge, wies zuletzt schon Max Eberl von der Hand. Adi Hütter erkennt ebenfalls keine internen Probleme diesbezüglich.

"Von außen betrachtet bekommt man vielleicht momentan das Gefühl, dass die Mannschaft keine Mannschaft ist. Doch das ist sie. Sie hat aktuell eine sehr schwierige Phase. Trotz allem müssen wir versuchen, positiv zu bleiben, um da alle gemeinsam wieder herauszukommen", wird der Coach auf der Gladbacher Homepage zitiert.

Selbst wenn Hütter den Kopf oben behalten möchte, könnten in Gladbach in den nächsten Tagen ein paar lautere und ungemütlichere Gespräche anstehen.

"Öffentlich werde ich nicht draufhauen, aber intern werden wir natürlich einige Dinge ansprechen, so wie wir es vorher auch getan haben. Dass die Situation nicht angenehm ist, das wissen wir. Trotzdem müssen wir versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren", stellte er klar.

Ton von Eberl wird rauer: "Schuld tragen wir alle"

Über die Zukunft des Trainers wird aller Voraussicht nach noch nicht diskutiert werden. Max Eberl benannte dies bereits in der vergangenen Woche im Sky-Interview mehrmals als "inakzeptabel".

Während der Gladbach-Manager die Situation damals ziemlich herunterspielte und immer nur von zwei Spielen sprach, die man verloren hat, wirkte er nach der gestrigen Pleite im ZDF -Sportstudio deutlich ernster.

"Wir kriegen die Qualität nicht auf den Platz. Das ist definitiv nicht schön", bemängelte er. "Schuld tragen wir alle", stellte er klar. Trainer Adi Hüter zählte er im Zuge dessen ebenfalls an.

"Ich möchte keinen sehen, der auf irgendeinen anderen zeigt. Jeder soll sich selbst an die Nase packen und sich fragen, ob er gerade alles dafür tut. Das muss jeder für sich selbst verantworten. Ich sage nicht, dass die Mannschaft mehr in der Pflicht ist als der Trainer oder ich. Wir sind alle in der Pflicht. Aber die Mannschaft auf dem Platz kann es regeln und muss Themen umsetzen, die das Trainerteam vorgibt", erklärte er (via RP-Online).

Eberl gab zu, dass es bereits in der letzten Woche intern "geknallt" habe, daraus jedoch kein Profit gezogen werden konnte. "Es hat nichts geholfen! Die Situation ist herausfordernd", zeigte er sich voller Sorge.

Besonders ärgerte sich Eberl darüber, dass die Gegentore ähnlich wie gegen Freiburg aus Flanken resultiert sind. "Leider kriegen wir die ersten beiden Gegentore wieder über den Flügel oder durch Flanken, was uns sehr ärgert. Das war genau das Thema gegen Freiburg gewesen. Das ist das, was einen schon sehr ärgert", wütete er.

Freiburg-Pleite ein Knackpunkt: Können die Fohlen in der englischen Woche punkten?

Als Knackpunkt betrachtet der 48-Jährige die herbe 0:4-Pleite gegen den SC Freiburg. "Das war keine normale Niederlage. Man kann im Fußball nicht wie in einer Firma einfach einen Knopf drücken, sondern hat mit Menschen zu tun. Da spielt die Psyche eine große Rolle", analysierte Eberl.

Die Fohlen haben in der englischen Woche nun zumindest noch die Gelegenheit, den Kopf mit zwei Siegen gegen Frankfurt und Hoffenheim wieder ein wenig aus der Schlinge zu ziehen. Allerdings wird es eine klare Leistungssteigerung benötigen.

Wie geht es mit Hütter weiter?

Eberl würde sich unglaubwürdig machen, wenn er wenige Tage, nachdem er Hütter klar den Rücken gestärkt hat, diesen prompt entlassen würde. Inmitten einer englischen Woche würde dies ohnehin wenig Sinn ergeben. Sollten die beiden letzten Spiele des Jahres aber ebenfalls schlecht laufen, wird man in der Winterpause sicher über den Coach diskutieren. Bleibt für Hütter zu hoffen, dass er nicht wie Tuchel im Vorjahr, seine Kündigung als Trainer "unter dem Christbaum" findet. Dies ist schließlich nicht immer das indirekte Ticket für einen Champions-League-Sieg.

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