Borussia Mönchengladbach

Als es in Gladbach noch echte Rückrunden-Dauerkarten gab

Stefan Janssen
Die ausverkaufte Nordkurve in Mönchengladbach
Die ausverkaufte Nordkurve in Mönchengladbach / Soccrates Images/Getty Images
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Borussia Mönchengladbach hat in diesem Jahr quasi "Rückrunden-Dauerkarten" verkauft, weil sie wegen der Zuschauerbegrenzungen durch Corona erst dann gelten. Doch dieses Modell gab es einmal wirklich. Heute ist es angesichts einer unheimlichen Warteliste undenkbar geworden. Von einem, der vor 15 Jahren eine ergatterte.


Ich habe als Kind viele tolle Weihnachtsgeschenkte von meinen Eltern bekommen. Welches das schönste war, vermag ich nicht mehr zu sagen. Weit oben auf dieser Liste rangiert aber definitiv eines aus dem Jahre 2006. Damals schenkten meine Eltern mir und meiner Schwester jeweils eine Rückrunden-Dauerkarte für Borussia Mönchengladbach. Meine erste Dauerkarte, und ich habe sie bis heute.

Moment mal - Rückrunden-Dauerkarte? Das sagt man heute höchstens noch wegen Corona, weil die für diese Saison erst ab Januar gilt. Aber es gab Zeiten, da verkaufte die Borussia nicht mal eben so 30.000 Dauerkarten im Sommer. Laut RP-Online waren es 2006 "nur" 26.200 gewesen, was schon ein Anstieg zu den 24.500 im Jahr davor darstellte und für damalige Verhältnisse verdammt gut war. So blieben aber noch einige bis zum Limit übrig, um sie für die Rückrunde nochmal neu anzubieten.

Vor Favre war vieles anders

Man muss dabei natürlich bedenken: 2006, das war noch Jahre vor der Ära Favre, mit der die Zuschauerzahlen stiegen. Nach der Rettung 2011 wurden 27.500 Dauerkarten verkauft, damals Rekord. 2006/07, das war das Jahr des bislang letzten Abstiegs in die 2. Bundesliga. Es war das Jahr, in dem Kahê die Fohlen am Freitagabend mit seinem 1:0 gegen Dortmund an die Tabellenspitze geschossen hatte und sich selbst nach ganz oben auf der Torjägerliste. Wohlgemerkt am fünften Spieltag und auch nur für eine Nacht (wobei Kahê erst am achten Spieltag überholt wurde), nach der es dann bergab ging.

Dieses Geschenk meiner Eltern war aber mit Sicherheit das Wertvollste, was sie mir jemals gemacht haben, auch, wenn man das damals noch nicht wissen konnte. Diese Stehplatz-Dauerkarte für die verbliebenen neun Heimspiele wird wahrscheinlich keine 100 Euro gekostet haben, wäre heute aber ein vielfaches Wert. Und das nicht nur, weil ich im gehobenen Alter von 29 Jahren inzwischen einen Sitzplatz habe.

Nein, inzwischen gibt es keine Rückrunden-Dauerkarten mehr. Stattdessen gibt es Wartelisten. Lange Wartelisten. Nach Informationen der RP stehen dort aktuell 5.000 Menschen drauf. 200 hatten in diesem Jahr Glück, dass bestehende Dauerkarten nicht verlängert wurden. Die anderen warten. Mit dem Schnitt an neu vergebenen Dauerkarten der vergangenen drei Jahre würde man aktuell etwa 20-25 Jahre warten, um an eine zu gelangen, wenn man sich jetzt auf die Warteliste schreiben ließe.

4.000 Euro für eine Dauerkarte

Oder man versucht es über Ebay Kleinanzeigen, weswegen ich darauf komme, dass die Dauerkarte so wertvoll ist. Wenn man dort "Dauerkarte Borussia Mönchengladbach" eingibt, findet man einige Fans, die dort eine suchen. Einer schreibt sogar verzweifelt, er würde bei Überschreibung 4.000 Euro bezahlen. Und: "Bitte nur ernst gemeinte Anfragen."

Eine Dauerkarte im Borussia-Park zu bekommen, das ist mittlerweile ganz schön schwierig geworden. Noch welche zusätzlich zur Rückrunde zu verkaufen ist heute absolut undenkbar. Und die, die eine haben, werden sie so schnell nicht wieder hergeben. Ich auch nicht. Also danke, Mama und Papa, für diese wunderbare Geschenk vor 15 Jahren!

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