Bundesliga

Der Fußball und seine Fans: Das Ende einer Beziehung?

Marc Knieper
Die Leidenschaft der Fußballfans wird in Folge der Kommerzialisierung immer geringer
Die Leidenschaft der Fußballfans wird in Folge der Kommerzialisierung immer geringer / AFP Contributor/GettyImages
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Der Profifußball will vor allem: höher, schneller, weiter. Die Vermarktung steht im Vordergrund. Klassische Fans werden links liegen gelassen. Der Fußball und seine Fans befinden sich in einer bröckelnden Beziehung. Ein Kommentar.


Wie kommen wir an das Geld der Fans? Eine Frage, die bei zahlreichen Profiklubs mit großer Sicherheit an Bedeutung gewonnen hat. Sind wir ein Verein oder eine Marke? Eine Frage, die einer Entscheidung pro Sport bzw. pro Kommerz gleicht.

Fans werden getreu ihrer Ausgaben bewertet. Auf Sportkongressen ist von 500-Euro- sowie 1-Euro-Fans die Rede. Wer vermehrt angesprochen werden soll, dürfte klar sein: der 500-Euro-Fan. Der, der sich pro Saison das Heim-, Auswärts- und Ausweichtrikot kauft, alle (Vereins-)Tassen im Schrank hat und seine Latten am Zaun in Vereinsoptik wählt.

Dabei ist gerade der 1-Euro-Fan derjenige, der für die Stimmung in der Kurve verantwortlich ist. Derjenige, der dafür sorgt, dass der Verein lebt. Ihm geht es um seinen Klub als Verein, nicht als Marke. Bei ihm werden Emotionen noch groß geschrieben.

Und genau hier zeigt sich die Kluft zwischen Fußballfans und (zahlungskräftigen) Eventfans. Eventfans sind übrigens auch die, die das Stadion bei einer schwachen Mannschaftsleistung gut und gerne schon vor dem Abpfiff verlassen.

Der moderne Fußball als Emotionskiller

Wichtig ist und bleibt im Fußball die Mitbestimmung und Teilhabe der Fans. Sie wollen gehört werden, mitreden und die schlimmsten Reformen im modernen Fußball mit Herzblut verhindern. Die absurden Montagsspiele etwa wurden wegen ihrer starken Proteste wieder abgeschafft.

BVB-Fans: Nein zu Montagsspielen
Immer wieder versuchen Fußballfans, sich mit Protesten Gehör zu verschaffen / Lukas Schulze/GettyImages

Doch die Beziehung zwischen Funktionären und Fans bröckelt schon lange. Mit der Spieltagszerstückelung, dem VAR und den utopischen Summen raubt der Fußball den Fans ihre Emotionen. Dabei - und das darf niemals vergessen werden - lebt der Fußball einzig und allein durch seine Fans.

Muss die Bundesliga wirklich nach England schielen?

Der Fußball läuft Gefahr, seinen Status als Volkssport zu verlieren. Die Bundesliga startete 1963 einst mit eingetragenen Vereinen. Das hat sich längst verschoben. Inzwischen sind nahezu alle Klubs eine Aktiengesellschaft oder GmbH.

Aber muss die Bundesliga überhaupt in Richtung Premier League schielen? Sollte es wirklich das Ziel sein, die umsatzstärkste Liga zu werden? Oder ist es vielmehr erstrebenswert, die sozialste und nachhaltigste Liga zu sein?

Viele Fans sehen sich nur noch als Beiwerk eines großen Business. Identifikation scheint ein Wort, das im heutigen Fußball nur noch als Marketinginstrument missbraucht wird. Die Begeisterung für den Profifußball schmilzt - in Corona-Zeiten sogar mehr denn je.


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