Frauen-Bundesliga: Diese Teams haben in der Rückrunde Luft nach oben

Helene Altgelt
Zusammenstehen für die UWCL-Qualifikation: Das könnte Hoffenheim Rückrunden-Motto sein
Zusammenstehen für die UWCL-Qualifikation: Das könnte Hoffenheim Rückrunden-Motto sein / Simon Hofmann/GettyImages
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Alles noch offen in der Frauen-Bundesliga: Nach zehn Spieltagen hat sich Wolfsburg an der Spitze etwas abgesetzt, aber im Kampf um die UWCL-Plätze und gegen den Abstieg ist noch nichts entschieden. Einige Teams dürften glücklich in die Winterpause gegangen sein, andere wollen und müssen in der Rückrunde zulegen. Das sind die Enttäuschungen der Hinrunde:


1. TSG Hoffenheim

Lea Schüller, Martina Tufekovic, Chantal Hagel, Jana Feldkamp, Fabienne Dongus
Zu oft konnten Hoffenheims Spielerinnen dem Ball nur noch hinterherschauen - wie hier gegen Bayern / Simon Hofmann/GettyImages

Hoffenheims Selbstverständnis ist die Champions League, so viel ist klar. Letzte Saison sammelten die Kraichgauerinnen bereits Erfahrung auf der internationalen Bühne und schieden knapp im letzten Spiel aus. Eine durchwachsene Rückrunde kostete die TSG dann die erneute Qualifikation, aber der Verein reagierte. Im Sommer wurde mit Ereleta Memeti, Julia Hickelsberger-Füller und Melissa Kössler einiges an Power für die Offensive geholt. Die Verteidigung ging dabei etwas unter, und das kam Hoffenheim teuer zu stehen. 19 Gegentore in zehn Spielen sind ein desaströser Wert, den nur Potsdam, Essen und Duisburg überbieten.

Die defensiven Problemen kosteten auch Gabor Gallai den Job, der kurz vor Weihnachten seinen Hut nehmen musste. Gallai hatte sein Konzept des ballbesitzorientierten Fußballs von Anfang an bei Hoffenheim konsequent umgesetzt und sein Team attraktives Kombinieren spielen lassen. Er hat trotz der Enttäuschung der letzten Monate das Spiel der TSG weitergebracht und innoviert. Der 43-Jährige versäumte es aber, für mehr Flexibilität zu sorgen. So war Hoffenheim oft zu berechenbar für die Gegner.

Mit gutem Pressing und schnellen Kontern konnte ihnen der Zahn gezogen werden, weil die TSG immer wieder erstaunliche defensive Schwächen bot. Und die eigentliche Stärke, das Spiel von hinten heraus, wirkte stellenweise träge und ideenlos. Ralf Zwanziger, der die Abteilung Frauenfußball bei Hoffenheim leitet, sagte: „Wir konnten vor der negativen Entwicklung der vergangenen Monate die Augen nicht verschließen". Treffender wäre es vielleicht, für die Offensive von einer mangelnden Weiterentwicklung zu sprechen.

Für die Weiterentwicklung ist nun Stephan Lerch, ehemaliger Meistertrainer bei Wolfsburg, zuständig, wie 90min exklusiv berichtet hatte. Lerch steht vor einer kniffligen Aufgabe. Schließlich sollte nicht vergessen werden, dass Gallai die Arbeit durch den ständigen Aderlass von Leistungsträgerinnen, so etwa Jule Brand oder Maximiliane Rall, erschwert wurde. Lerchs Fokus wird nun auf der Defensive liegen, dafür wurde bereits Michaela Specht aus Spanien zurückgeholt.

Der 38-Jährige bringt sicherlich die nötige Erfahrung mit, sein Spielstil war beim VfL teils aber umstritten. Mit Hoffenheim muss er nun sechs Punkte auf Eintracht Frankfurt, auf dem dritten Platz rangierend, aufholen. Keine unmögliche Aufgabe, aber eine, für die es eine Trendwende braucht.

2. Werder Bremen

Christin Meyer, Nina Luehrssen
Werders Treffer gegen Wolfsburg wird bejubelt / Cathrin Mueller/GettyImages

Um seinen Job muss Thomas Horsch vorerst nicht fürchten. Aber dass die Luft etwas dünn ist an der Weser, das würde auch der 54-Jährige wohl nicht bestreiten. Neben dem abgeschlagenen Tabellenletzten Turbine Potsdam ist Bremen das einzige Team, das noch keinen Sieg feiern konnte. Mit vier Punkten hat Werder weniger Vorsprung auf Potsdam als Rückstand auf den Tabellenzehnten, Duisburg.

Woran liegt die Misere beim SVW? Das Problem von Werder ist weniger ein eigener Leistungseinbruch als die Verbesserung der Konkurrenz. Denn vor genau einem Jahr standen die Bremerinnen kaum besser als jetzt da: Sie hatten weniger Tore geschossen als diese Saison (fünf, jetzt neun) und mehr Gegentreffer zugelassen (27, jetzt 17). Trotzdem hatten die Grün-Weißen damals sieben Punkte mehr auf dem Konto.

Ein Grund dafür ist die außerordentliche Effizienz letzte Saison, wo fast jedes Tor zu drei Punkten führte. Inzwischen hat sich Bremen offensiv gesteigert, aber zu einem Punktgewinn reichte es trotzdem oft nicht. Beispielhaft dafür das 2:3 gegen Wolfsburg, bei dem Werder lange sehr gut mithielt und gegen den übermächtigen VfL am Ende trotzdem ohne Punkte dastand.

Dazu waren letztes Jahr mit Jena und Sand zwei Teams in der Frauen-Bundesliga dabei, die von Anfang an klare Abstiegskandidaten waren. In dieser Spielzeit halten die Aufsteiger aber ungewöhnlich gut mit und stehen auf Platz sieben (Meppen) und zehn (Duisburg). Die Messlatte hängt also höher als sonst, und Bremen wird sich strecken müssen, um darüberzuspringen. Die alten Probleme der letzten Saison - Ungenauigkeit und Harmlosigkeit im Spiel nach vorne - bestehen weiter.

Allerdings hat Bremen mit dem Transfer von Stefanie Sanders vom schwedischen Meister Rosengard ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Der MSV Duisburg zündete bisher ebenfalls keine Offensivfeuerwerke, und Essen zeigte Potenzial vorne, aber Defensivschwächen. Eine Aufholjagd für Bremen ist noch gut möglich, da auch Punkte gegen Teams wie Köln oder Leverkusen drin sind. Werder muss gut aus den Startlöchern kommen, das erste Spiel ist direkt gegen Bayer 04.

3. 1. FC Köln

1. FC Köln v VfL Wolfsburg - FLYERALARM Frauen-Bundesliga
Nicht nur gegen Wolfsburg war die Defensive von Köln eher instabil / Christof Koepsel/GettyImages

Beim 1. FC Köln ist das weitere Saisonziel unklar. Der Klassenerhalt? Eigentlich das Mindeste. Die Champions-League-Quali? Bei einem Schnitt von einem Punkt pro Spiel und einem Rückstand von 15 Zählern unrealistisch. Nach zehn Spielen stecken die Geißböcke im grauen Mittelfeld der Frauen-Bundesliga fest.

Dennoch geht es in der Rückrunde noch um etwas für den Effzeh. Eine Top-5-Platzierung ist noch nicht außer Reichweite, wenn das Team sein Potenzial abruft. Damit könnte das Team auch ein Ausrufezeichen setzen, dass eigentlich mehr in ihnen steckt, als sie in der eher mageren Hinrunde gezeigt haben.

Köln war von der Spielanlage zu vorhersehbar, nicht effizient genug und das Pressing setzte in vielen Begegnungen die Gegnerinnen kaum unter Druck. So erzielten die Geißböcke nur zehn Tore, und sieben davon in zwei Spielen. Auch defensiv lag einiges im Argen, besonders das Verteidigen von Hereingaben stellte sich als Problem heraus (ausführliche Analyse zu Kölns Hinrunde hier).

Dass noch nicht alles funktioniert, ist nach einem Umbruch, wie ihn Köln hatte, wohl normal: Zwölf Spielerinnen hatten sich im Sommer von der Stadt am Rhein verabschiedet, darunter auch einiges an Erfahrung. Der Verein hat langfristige Ambitionen gezeigt und ist prinzipiell trotz der schwachen Hinrunde auf einem guten Weg.

Trotzdem gilt es für Sascha Glass und Co. nun, alles für eine starke Rückrunde zu geben. Damit hätte Köln im Sommer-Transferfenster wohl bessere Karten und könnte sich als eines der oberen Teams festsetzen. Glass muss dabei auch beweisen, dass er die richtigen Lektionen aus den teils unnötigen Niederlagen gezogen hat. Dabei helfen könnte ihm Stürmerin Selina Cerci, die bald zurück ist.


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