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FC Bayern "unbespielbar"? 5 Gründe, warum die Münchner kaum zu knacken sind

Dominik Hager
Der FC Bayern steht verdient im Viertelfinale. Das macht die Elf von Hansi Flick so stark.
Der FC Bayern steht verdient im Viertelfinale. Das macht die Elf von Hansi Flick so stark. / Alexander Hassenstein/Getty Images
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Nach der 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern und dem damit verbundenen Aus in der Champions League zeigte sich Lazio-Trainer Simone Inzaghi bedient. So blieben die Römer insgesamt doch recht chancenlos gegen den amtierenden Titelträger. "Manche Teams sind einfach unbespielbar - und der FC Bayern ist eines von ihnen", stellte der 44-Jährige resignierend fest.

Doch was macht die Münchner vor allem in der Champions League eigentlich so "unbespielbar"? Hier sind die fünf wichtigsten Gründe.


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1. Bayern-Defensive resistent gegenüber gegnerischem Pressing

Eine der ganz großen Qualitäten der Bayern ist der Spielaufbau. Dieser funktioniert nicht nur, wenn die gegnerische Mannschaft vergleichsweise tief steht, sondern auch gegen pressende Teams. Das sah man auch beim Spiel gegen Lazio Rom. Tatsächlich zeigten sich die Italiener trotz der klaren Hinspiel-Niederlage top motiviert und stellten die Münchner Hintermannschaft mit einem giftigen und kompakten Pressing vor keine leichte Aufgabe. Wohingegen sich die Fehlerquote der meisten Teams in der Konsequenz stark erhöhen würde, zeigte sich die Münchner Abwehr höchst konzentriert und ließ rein gar nichts anbrennen.

So befreite sich das Team von Hansi Flick regelmäßig aus der Umklammerung, was die Römer nach und nach dazu veranlasste, das kräftezehrende Spiel einzustellen. Diese Erfahrung hat nicht nur Lazio Rom gemacht, sondern auch schon Klubs wie der FC Barcelona oder der FC Liverpool. Spieler wie Boateng, Alaba und ansonsten auch Neuer verfügen über jede Menge Erfahrung und die fußballerischen Fähigkeiten, um in noch so brenzligen Situationen die Ruhe zu bewahren.


2. Gegenpressing der Münchner glänzt durch Aggressivität und Struktur

Bayern München v SS Lazio - UEFA Champions League Round Of 16 Leg Two
Thomas Müller lässt dem Gegner keine Zeit zum Luftholen / Marco Rosi - SS Lazio/Getty Images

Man kann schon sagen, dass die Bayern unter Hansi Flick das Nonplusultra in puncto Pressing sind. Dies gilt sowohl für die Defensive als auch für die Offensive. Zwar gab es sicherlich Spiele, in denen die Bayern die gegnerische Mannschaft noch vehementer anliefen als gegen Rom, insgesamt ist das Pressing zweifelsfrei aber eine der großen Waffen der Bayern. Nicht umsonst haben sie auf diese Weise zuletzt alle Titel geholt, die es zu gewinnen gab. Im Gegensatz zur Bayern-Abwehr machen die meisten Teams halt doch irgendwann Fehler, wenn man sie über 90 Minuten unter Druck setzt. Das gilt auch für erfahrene Champions-League-Mannschaften.

Verglichen mit vielen anderen Teams ist das Pressing der Münchner enorm strukturiert. So bilden Thomas Müller und Co. quasi einen Trichter um den Ballführenden, dem oft nur noch der unkontrollierte Befreiungsschlag bleibt. Am anderen Ende lauern dann auch schon die weit aufgerückten Verteidiger, die allesamt über eine überragende Antizipation verfügen und die zweiten Bällen sichern. Somit wird es für den Gegner extrem schwierig, ein geregeltes Spiel aufzuziehen und für Ruhe zu sorgen. Erschwerend hinzu kommt die Tatsache, dass die Münchner dabei auch meist erst locker lassen, wenn sie locker lassen wollen.

3. Der Faktor Konzentration: Die Bayern sind hellwach, wenn es darauf ankommt

Oft sehen wir in der Königsklasse, dass Bundesligisten in gewisser Weise gehemmt spielen und ihre Qualitäten gar nicht so recht auf den Rasen bringen. Beim FC Bayern ist das genau andersrum. So laufen die Münchner erst zur Hochform auf, wenn die Champions-League-Hymne erklingt. Ganz entscheidend ist hierbei ein Faktor, nämlich die Konzentration. Bestes Beispiel ist das Hinspiel gegen Lazio Rom. Nach den zuvor schlafmützigen Auftritten gegen Bielefeld und Frankfurt wurden schon Zweifel laut, ob es gegen die Römer überhaupt reichen würde.

Während sich die Münchner in den vergangenen Bundesligaspielen noch den Sand aus den Augen reiben mussten, waren sie gegen Lazio von Beginn an voll da. Man erkannte eine ganz andere Spannung und Körpersprache im Auftreten der Bayern. Keine schlampigen Ballannahmen, keine unnötigen Ballverluste und keine unsauberen Pässe: Wie auf Knopfdruck packten die Münchner ihren besten Fußball aus. All das also wieder genau zum Zeitpunkt, bei dem es darauf ankommt.

4. Nach Dortmunder Vorbild: Bei den Bayern kämpft jeder für jeden

Die Zeiten der großen Einzelkünstler sind im Fußball vorbei. Eine kompakte Mannschaftsleistung ist wichtiger denn je. Das Spiel ist schlichtweg zu anspruchsvoll und dynamisch geworden, als dass sich ein Team auf einen einzelnen Individualisten verlassen kann. In der heutigen Zeit sind die Teams erfolgreich, bei denen jeder verstanden hat, dass er sowohl defensiv als auch offensiv für die Mannschaft arbeiten muss. Beim FC Bayern ist unter Hansi Flick genau das der Fall!

In gewisser Weise wurde dem Rekordmeister das vor zehn Jahren von Borussia Dortmund schmerzhaft beigebracht, das in dieser Disziplin unter Jürgen Klopp ein absoluter Vorreiter war. Während für Münchner Stars wie Robben und Ribery die Defensive zu dieser Zeit noch ein Fremdwort war, arbeiteten beim BVB alle zusammen und schafften in vielen Situationen eine Überzahl. Ein Weg, der dem BVB einige deutliche Siege gegen die Bayern einbrachte und mit zwei Meisterschaften und einen Champions-League-Finale endete. Dieses ging jedoch genau deswegen verloren, weil die Bayern aus den schmerzhaften Jahren zuvor gelernt hatten und nun ebenfalls alle Spieler mitarbeiteten.

Diese Tugenden haben sich die Münchner, die den Trumpf regelmäßig ausspielen, bis heute beibehalten. Bestes Beispiel ist das letztjährige Halbfinale gegen Barcelona. So sah man einen Lionel Messi oder auch Luis Suarez bei gegnerischem Ballbesitz meist nur gehend oder stehend, während die Münchner immer sofort Druck auf den Gegner ausübten. Das ist die Kunst, den Spagat zwischen fußballerischer Feinheit und Laufarbeit zu vereinen. Dem FC Bayern gelingt dies in Europa derzeit am besten.

5. Individuelle Stärke der Akteure vereint in einem perfekten Konstrukt

Zwar ist die Zeit der Individualisten wie gesagt vorbei, dennoch gilt dies natürlich nicht für den Fall, dass diese als fester Bestandteil in einem funktionierenden Konstrukt untergeordnet sind.

Mit dem aktuellen Weltfußballer Robert Lewandowski und Welttorhüter Manuel Neuer haben die Bayern auf beiden Seiten des Feldes eine unfassbare Qualität, die in jedem Spiel den Unterschied ausmachen kann. Dabei sei jedoch auch gesagt, dass ein Lewandowski ohne seinen kongenialen Partner Thomas Müller nicht so erfolgreich wäre und auch Manuel Neuer von der (meist) funktionierenden Abstimmung mit der Abwehr profitiert.

Fernando Carro, Manuel Neuer, Robert Lewandowski, Rudi Voeller
Neuer und Lewandowski gehören zu den Besten ihrer Zunft / Handout/Getty Images

Für das Mittelfeld kann man eine ähnliche Rechnung aufmachen. So zählen sowohl Joshua Kimmich als auch Leon Goretzka zu den besten Mittelfeldspielern Europas - und doch brauchen sie sich gegenseitig. In Abwesenheit von Kimmich konnte Goretzka beispielsweise bei weitem nicht so glänzen, weil er seine offensiven Fähigkeiten weniger ausspielen konnte und seine Defizite im Spielaufbau aufgedeckt wurden. Auf der anderen Seite ist auch Kimmich ohne Goretzka nicht so stark, weil dessen Laufstärke und Körperlichkeit Lücken stopft, die Kimmich alleine nicht zudecken kann.

Das gleiche Schema gilt für die Außenverteidiger. Dort kann Alphonso Davies, als einer der offensivstärksten Außenverteidiger weltweit, seine Qualitäten ideal ausspielen, wenn Benjamin Pavard auf der anderen Seite den absichernden Part abgibt.

Demnach sind die Bayern eine Truppe aus herausragenden Individualisten, die jedoch perfekt aufeinander abgestimmt ist. Eine (fast) unschlagbare Kombination.

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