Bayern München

Lewandowski und Gnabry sorgen für reichlich Transfer-Wirbel: Die Baustellen beim FC Bayern im Überblick

Dominik Hager
Die Transferphase hat begonnen. Kann Salihamidzic die Wünsche von Nagelsmann erfüllen?
Die Transferphase hat begonnen. Kann Salihamidzic die Wünsche von Nagelsmann erfüllen? / Matthias Hangst/GettyImages
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Der FC Bayern steht vor einer ganz spannenden Transferphase. Die ersten Züge haben die Münchner bereits gemacht, jedoch geht es in diesem Sommer auch noch um die ganz heißen Personalien. Robert Lewandowski möchte den Verein verlassen und Serge Gnabry könnte es ihm gleichtun. Zudem werden Namen wie Mané in München gehandelt. Für die Verantwortlichen gibt es einiges zu tun, denn auch in der Innenverteidigung und im zentralen Mittelfeld könnte ein Upgrade nötig sein. Wir geben einen Überblick darüber, was beim FC Bayern bereits passiert ist, noch passieren wird und was in der neuen Saison möglich ist.


Was ist schon passiert

Neuzugänge

- Noussair Mazraoui (ablösefrei)
- Ryan Gravenberch (Medizincheck bestanden, offizielle Bestätigung steht aus)

Der FC Bayern hat mit Noussair Mazraoui endlich eine Lösung für die rechte Abwehrseite gefunden, mit der man wohl für die nächsten Jahre sehr zufrieden sein kann. Der ehemalige Ajax-Spieler hat sowohl auf nationaler, als auch auf internationaler Ebene bewiesen, dass er ein großartiger Kicker ist. Der ablösefrei Maraokkaner ist defensiv stark, kann aber im Gegensatz zu Pavard auch auf dem Weg nach vorne etwas bewegen. Dies ist vor allem Julian Nagelsmann sehr wichtig. Pavard soll hingegen in die Innenverteidigung rücken, wo er sich ohnehin viel wohler fühlt. Durch den Neuzugang ist der FC Bayern sowohl für die Vierer-, als auch für die Dreierkette mit Schienenspielern gut gerüstet.

Praktisch fix ist zudem der Transfer von Ryan Gravenberch, der sich ebenfalls aus Amsterdam kommend dem FC Bayern anschließen wird. Der 20-jährige ist ein großes Versprechen für die Zukunft, aber auch schon für die Gegenwart. Der Niederländer bringt technisch und physisch eine ganze Menge mit, wird seinen Platz aber natürlich erst finden müssen. Trotzdem ist zu erwarten, dass er auf das Stamm-Duo im zentralen Mittelfeld mehr Druck ausüben kann, als der zu häufig verletzte Tolisso und Marc Roca es konnten. Die Ablöse wird in etwa 20 bis 25 Millionen Euro betragen.

Mit Joshua Zirkzee, Lars-Lukas Mai, Chris Richards, Adrian Fein und Ron-Thorben Hoffmann kommen zudem fünf Leihspieler zurück. Eine Rolle im Profi-Team könnten aber nur Zirkzee und Richards spielen. Zirkzee hat durchaus bewiesen, dass er großes Potenzial besitzt und eine Back-Up-Rolle im Angriff einnehmen. Richards ist ebenfalls als Back-Up auf der etwas dünn besetzten Innenverteidiger-Position geplant.

Abgänge

-Niklas Süle (ablösefrei)
-Corentin Tolisso (ablösefrei)

Für Niklas Süle und Corentin Tolisso keinen Cent Ablöse zu kassieren ist natürlich nicht ganz ideal. Noch blöder ist es, wenn der Spieler wie im Falle von Niklas Süle zum Hauptkonkurrenten Borussia Dortmund wechselt. Der Abwehr-Hüne wird definitiv ein Loch in die Münchner Hintermannschaft reißen. Der große, zweikampfstarke und abgeklärte Abwehrspieler war in der letzten Saison der stabilste Münchner Verteidiger.

Corentin Tolisso wird - wie inzwischen klar ist - den FC Bayern ebenfalls ablösefrei verlassen. Der Franzose hatte immer wieder gute Phasen, wurde jedoch zu häufig von Verletzungen zurückgeworfen. Dies gilt nicht nur für die abgelaufene Saison, sondern für seine ganze Bayern-Zeit. Aus diesem Grund haben die Bosse letztlich auch nicht mehr mit dem Franzosen geplant. Wohin es den vielseitigen Mittelfeldspieler verschlägt, ist noch nicht bekannt.

Welche Baustellen gibt es noch

Welche Baustellen es wirklich gibt, wird man erst wissen, wenn die Zukunftsfragen von Serge Gnabry und Robert Lewandowski geklärt sind. Lewandowski Eins-zu-Eins zu ersetzen wäre kaum möglich, weshalb man wohl mit zwei Spielern als Ersatz plant. Ein Angreifer soll ein klassischer Mittelstürmer sein, der körperlich stark ist, Bälle verarbeiten kann und Tore erzielt. Zudem könnte ein dribbelstarker und schneller Stürmer kommen, der in den gegnerischen Abwehrreihen Unruhe stiftet. Ein solcher Spielertyp könnte gleichzeitig auch Serge Gnabry ersetzen.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist wohl ein weiterer Transfer im Mittelfeld eingeplant. Julian Nagelsmann wünscht sich einen athletischen und deffensivstarken Mittelfeld-Mann, der besonders im Pressing über gehobene Qualitäten verfügt. Ein Transfer wäre jedoch eher ein “Nice-to-Have“, da mit Gravenberch bereits ein Tolisso-Nachfolger gefunden wurde.

Sowohl was die Quantität, als auch was die Qualität betrifft, sind die Bayern in der Innenverteidigung nicht ideal aufgestellt. Mit Dayot Upamecano, Lucas Hernández und Benjamin Pavard verfügt man zwar über hochkarätige Spieler, jedoch nicht über einen Weltklasse-Innenverteidiger oder einen Abwehrchef. Hier wäre also noch Potenzial, wenngleich es an verfügbaren Optionen mangelt, nachdem beispielsweise Rüdiger und Schlotterbeck vom Markt sind. Letztlich ist ohnehin wahrscheinlich, dass im Abwehrzentrum nicht mehr viel passiert.

Welche Spieler werden gehandelt

Besonders heiß gehandelt wird derzeit Sadio Mané. Der Liverpool-Star soll einen Wechsel nach München anpeilen, jedoch besteht noch keine Einigung zwischen den Reds und den Bayern. Die Ablöse würde im Falle einer Einigung wohl bei 35 bis 40 Millionen Euro liegen. Mané könnte beim FC Bayern dafür sorgen, dass eine Art "Falsche Neun" in der Sturmspitze zum Einsatz kommt. Der schnelle, dribbelstarke und torgefährliche Spieler kann aber auch als hängende Spitze oder Außenstürmer agieren.

Ebenfalls sehr realistisch ist ein Transfer von Sasa Kalajdzic. Mit der Verpflichtung des Sturm-Riesens hätten die Bayern noch einen ganz anderen Mittelstürmer-Typ, der eine Alternative zu Mané darstellen würde. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Münchner im Falle eines Mané-Transfers auch Kalajdzic fixen möchten, da man dann genau die anvisierte Zwei-Stürmer-Lösung gefunden hätte, ohne zu viel Geld bezahlen zu müssen.

Im Laufe der letzten Wochen wurden aber auch noch zahlreiche weitere Stürmer-Namen genannt. Die teuren Lösungen für den Mittelsturm wären Romelu Lukaku oder Darwin Núñez. Mit Lukaku würde man einen körperlich enorm starken und robusten Stürmer verpflichten, der in den letzten Jahren schon enorm oft getroffen hat, allerdings auch schon 29 Jahre alt ist. Darwin Núñez wäre mit seinen 22 Jahren eine nicht ganz risikofreie Lösung, böte jedoch die Chance, dass man einen echten Top-Mittelstürmer für die nächsten zehn Jahre erhält. Wirklich konkret sind die Gerüchte zu beiden Spielern aber nicht. Gleiches gilt für Sebastién Haller, der wohl auch nicht wirklich auf der Liste steht. Der Name Cristiano Ronaldo tauchte zuletzt auf, kann jedoch gestrichen werden. Eher wären noch Jonathan David und Memphis Depay realistische Kandidaten.

Interesse besteht wohl grundsätzlich auch an den Außenstürmern Raheem Sterling und Ousmane Dembélé. Der City-Star wäre wohl enorm teuer, während Dembélé sehr viel Gehalt verlangt. Wirklich wahrscheinlich sind beide Transfers nicht. Sterling bleibt wohl bei den Skyblues, während der Franzose wohl zu einem Klub wechselt, der seine wahnsinnigen Forderungen erfüllt.

Sollte Serge Gnabry den Verein verlassen, bestände die Möglichkeit, dass man bei Raphinha oder Antony noch mal anklopft. Insbesondere der Ajax-Star wäre wohl eine der favorisierten Lösungen. Eine interessante Option ist natürlich immer auch Christopher Nkunku. Der Offensiv-Allrounder hat eine wahnsinnig starke Saison in Leipzig gespielt, wird jedoch wohl ziemlich sicher bis 2023 in Leipzig bleiben. Vielleicht ginge aber ja was bei Bundesliga-Kollege Diaby, der sich einen Wechsel vorstellen könnte, aber ebenfalls sehr teuer wäre.

Im Mittelfeld wünscht sich Julian Nagelsmann noch einen starken Pressing-Spieler, der wichtige Wege geht und Zweikämpfe gewinnt. Hierbei gilt wohl die Devise "Laimer oder nichts". Der Österreicher wird RB Leipzig voraussichtlich ein Jahr vor Vertragsende verlassen und wäre für einen Wechsel zum FCB vermutlich zu begeistern. Ablöse-technisch scheinen die beiden Klubs jedoch noch nicht ganz auf Wellenlänge zu sein. Realistisch wäre ein Preis um 20 Millionen Euro. Der Name Pogba fiel im Mittelfeld auch mal kurz, jedoch wird dieser wohl zu Juve wechseln. De Jong steht zudem vor einen Wechsel zu Manchester United. Bliebe noch das Gerücht um Gavi, das aber auch nicht sonderlich realistisch ist.

Was die Innenverteidigung betrifft, sind aktuell keine Gerüchte heiß. Guillermo Maripán war kurz im Gespräch, jedoch ist der Monaco-Verteidiger wohl keine ernsthafte Option. Ruhig geworden ist es auch um Jurrien Timber. Der 20-jährige Ajax-Youngster gehört zu den absoluten Top-Talenten mit internationaler Erfahrung, jedoch ist nicht klar, ob die Sache noch mal konkret wird. Auch über Turin-Verteidiger Bremer ist es zuletzt eher still geworden.

Allerdings werden einige Talente mit dem FC Bayern in Verbindung gebracht. Namentlich zu erwähnen wären der 17-jährige Abwehr-Riese El Chadaille Bitshiabu (PSG), der 18-jährige Rechtsaußen Julien Duranville (Anderlecht) und der 16-jährige Linksverteidiger Adam Aznou (FC Barcelona).

Wer könnte den FC Bayern noch verlassen

An erster Stelle ist hier Robert Lewandowski zu nennen. Der polnische Top-Stürmer möchte den FC Bayern verlassen, jedoch stellen die Münchner auf stur. Letztlich ist es aber dennoch wahrscheinlich, dass die Roten ihren Top-Stürmer für 40 Millionen nach Barcelona ziehen lassen. Zudem steht ein möglicher Abgang von Serge Gnabry auf der Agenda. Der deutsche Nationalspieler hat bislang alle Angebote der Bayern abgelehnt. Real und Arsenal zeigen Interesse, schielen aber wohl auf einen ablösefreien Transfer 2023. Dies möchten die Münchner unbedingt verhindern.

In der Offensive könnte es zudem zu einen dauerhaften Abgang von Joshua Zirkzee kommen. Der Niederländer möchte spielen, hat beim FC Bayern jedoch schlechte Chancen darauf. Der VfB Stuttgart hat wohl Interesse, jedoch ist beim 21-Jährigen Stand jetzt alles offen. Bei Chris Richards ist die Ausgangslage eine ganz ähnliche. Lars-Lukas Mai und Adrian Fein, die ebenfalls nach einer Leihe zurück kommen, haben keine Zukunft im Verein. Dies gilt wohl auch für Marc Roca und Bouna Sarr, die auch in ihrem zweiten Jahr beim FCB kaum zum Zuge kamen. Der Verein möchte für beide Kicker noch ein wenig Geld sehen.

Zuletzt wurde außerdem über einen Abgang von Omar Richards spekuliert, an dem der VfB Stuttgart interessiert sein soll. Ob sich der FCB vom Davies-Backup trennen möchte, ist jedoch unklar.
Relativ eindeutig ist ein Abschied von Torwart Christian Früchtl, der sich eine neue Herausforderung suchen muss und nach zuletzt schweren Jahren endlich als Stammtorwart im Profi-Fußball ankommen möchte.

Fazit: Was ist für den FC Bayern möglich?

Die Meisterschaft ist natürlich auch in der nächsten Saison Pflicht. Unabhängig vom Verlauf der Transferperiode sind die Münchner natürlich wieder der klare Favorit. Mit Mazraoui und Gravenberch hat man zudem schon gute Transfers sichergestellt, die den Kader verstärken werden. Der wohl bevorstehende Abgang von Robert Lewandowski macht die Chancen in der Champions League aber natürlich schlechter. Selbst ein Gnabry-Abgang würde diesbezüglich schmerzen.

Es wäre schon nötig, Top-Transfers zu tätigen, um die gleiche offensive Schalgkraft zu entfachen. Sollten aber tatsächlich Kaliber wie Mané in München auftauchen, ist mit dem FCB immer zu rechnen.

Fragezeichen gibt es jedoch auch weiterhin in der Defensive. Zwar hat man mit Mazraoui einen tollen Rechtsverteidiger bekommen und ist auf der linken Seite mit Alphonso Davies überragend aufgestellt, jedoch drückt der Schuh innen ein wenig. Mit Niklas Süle ist der beste Innenverteidiger der Vorsaison weg. Ob das Frankreich-Quartett Hernández, Upamecano, Pavard und Nianzou stark genug ist, um die CL gewinnen zu können, darf zumindest angezweifelt werden.

Wichtig wird aber auch sein, den Team-Spirit wieder hochzufahren und störendere Nebengeräusche zu vermeiden. Dies ist oftmals wichtiger, als elf Weltklasse-Leute auf dem Platz stehen zu haben.

Letztlich ist damit zu rechnen, dass die Bayern bei einer einigermaßen gelungenen Transferperiode national erneut dominieren. International muss hingegen schon alles passen, damit man eine Chance auf den Henkelpott hat. Die Chancen darauf waren in den letzten zehn Jahren meist besser, als es jetzt zu erwarten ist.

Prognose: Die Bayern holen das Double und scheitern im Champions-League-Halbfinale.

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