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FC Bayern scheitert im DFB-Pokal an Holstein Kiel: Von einer Überraschung kann keine Rede sein

Jan 14, 2021, 3:01 PM GMT+1
Der FC Bayern ist erstmals seit November 2000 wieder in der 2. Runde des DFB-Pokals ausgeschieden
Der FC Bayern ist erstmals seit November 2000 wieder in der 2. Runde des DFB-Pokals ausgeschieden | Stuart Franklin/Getty Images
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Fußball-Deutschland atmet auf: Mindestens ein Titel wird in dieser Saison nicht an den FC Bayern gehen. Der Rekordmeister und -pokalsieger scheiterte in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Holstein Kiel, zog im Elfmeterschießen den Kürzeren. Allerdings war diese Niederlage zu erwarten, denn schon seit Wochen befinden sich die Bayern in einer an ihren Ansprüchen gemessenen Krise. Es ist nun die Hauptaufgabe von Hansi Flick, die Mannschaft wieder auf Kurs zu bringen.

Nach über 20 Jahren hat der FC Bayern wieder ein Zweitrundenspiel im DFB-Pokal verloren. Gegen mutige Kieler Störche kassierte der Triple-Sieger unmittelbar vor Schluss den Ausgleich, verpasste in der Verlängerung die Entscheidung und musste sich im Elfmeterschießen knapp geschlagen geben.

Wertet man das Pokal-Aus als Niederlage, haben die Bayern im Januar 2021 bereits mehr Spiele verloren als im gesamten Jahr 2020. Das zeigt einerseits, auf welch hohem Niveau die Mannschaft in den vergangenen Monaten gespielt hat, andererseits wird offensichtlich, dass sie kriselt. Oder sich schon in einer für ihre Verhältnisse handfesten Krise befindet.

Die Fehler sind Spiel für Spiel offensichtlich, die Mittel der Gegner immer effektiver. Kompakt verteidigen, den Bayern Tiefe nehmen, schnell und mutig nach vorne spielen - und schon taucht mindestens ein Spieler vor Manuel Neuer auf. Auch wenn die Mannschaft von Hansi Flick viele Spiele drehen konnte und daher erst die dritte Saisonniederlage kassiert hat, spielte Neuer in den vergangenen 16 Pflichtspielen nur ein einziges Mal zu Null: Im finalen Champions-League-Gruppenspiel gegen Lokomotiv Moskau (2:0).

FC Bayern: Die Gründe für das Tief liegen auf der Hand

Auf der einen Seite steigt die Anzahl der Gegentore, auf der anderen Seite treffen Robert Lewandowski & Co. immer seltener - auch, weil sich die Bayern immer weniger Chancen erspielen. Die Gegner haben unlängst erkannt, wie man die über weite Strecken des vergangenen Jahres so gefährliche Offensive bremst und was sich für Möglichkeiten ergeben, wenn man die erste Pressinglinie und anschließend noch das Mittelfeld überspielt hat.

Die Gründe für die abfallenden Leistungen sind ebenfalls bekannt: Dauerbelastung seit Mai, keine Sommerpause, mangelnde Qualität in der Breite, da das Trainerteam keine Zeit hatte, die Neuzugänge zu integrieren und einzelne Spieler sind seit Monaten außer Form. Flick bemüht sich zwar energisch darum, taktische Elemente anzupassen, macht allen voran aber nur von personellen Wechseln Gebrauch. Ein tieferes und kompakteres Positionsspiel, ein langer Ball zur Sortierung, ein tieferes Pressing - das war bislang nicht zu sehen; auch, weil die Trainingseinheiten fehlen, um diese Dinge einzustudieren.

Von einzelnen Reportern hört man allerdings auch von Motivationsproblemen. Die Mannschaft könne in Abwesenheit der Fans und angesichts des Triple-Erfolgs in der vergangenen Saison nicht mehr alle drei Tage die so wichtige Spannung aufbauen, um Spiele gegen vermeintlich kleinere Mannschaften mit der gewohnten Energie anzugehen. Von einem Charakterproblem kann dahingehend allerdings keine Rede sein - vielmehr liegt es in der Natur der Sache, dass man nach den großen Erfolgen in den vergangenen Jahren gesättigt ist.

Auf Flick wartet viel Arbeit

Flick hat viel Arbeit vor sich, wenn er die Saisonziele nicht gefährden will. Er wird Mittel finden müssen, um die Mannschaft wieder zu motivieren und ihren Ehrgeiz zu wecken, er wird seine Spielidee an den Corona-Spielplan anpassen müssen und formschwache Spieler insbesondere in der Defensive für längere Zeit auf die Bank versetzen.

Unter normalen Umständen würden Bayern-Fans in den kommenden sechs Bundesligaspielen mit sechs Siegen rechnen. Der SC Freiburg, FC Augsburg, FC Schalke, die TSG Hoffenheim, Hertha BSC und Arminia Bielefeld sind in der Regel zwar unangenehme Gegner, letztlich aber treue Punktelieferanten. Angesichts der derzeitigen Krise ist allerdings mit Punktverlusten zu rechnen. Ob Flick und die Seinen bis zum Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt und dem darauffolgenden Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Lazio Rom noch an der Tabellenspitze stehen werden, ist völlig offen. Denn der Weg zurück in die Erfolgsspur ist lang und steinig.

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