Bayern München

Bayern-Sportchef Hasan Salihamidzic im Check: Das Negative überwiegt

Dominik Hager
Hasan Salihamidžić Hat beim FC Bayern nicht nur Gutes bewirkt
Hasan Salihamidžić Hat beim FC Bayern nicht nur Gutes bewirkt / AFP Contributor/GettyImages
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Hasan Salihamidzic übernahm im Jahr 2017 den Sportdirektor-Posten von Matthias Sammer und wurde zwei Jahre später zum Sportvorstand ernannt. In seiner Zeit beim FC Bayern hat der Bosnier bereits Erfolge und Misserfolge zu verzeichnen, weshalb er auch nicht unumstritten ist. Zeit, um ein wenig zu bilanzieren.


PRO:

Verpflichtung von Jamal Musiala

Musiala nach München zu holen, hat sich als goldrichtig erwiesen. Der Mittelfeldspieler wechselte im Sommer 2019 von der Chelsea-Jugend zum FC Bayern. Dort arbeitete sich der 19-Jährige in Windeseile von Bayern II zu den Profis nach oben. Inzwischen ist Musiala Leistungsträger im Nagelsmann-Team und überzeugt mit seinen fußballerischen Qualitäten auf jeder Position im Mittelfeld. Hasan Salihamidzic und Co. ist es zudem gelungen, mit Musiala rechtzeitig zu seinem 18. Geburtstag einen Profi-Vertrag auszuhandeln, weshalb der Spieler langfristig gebunden ist.

Verpflichtung von Alphonso Davies

Mit Alphonso Davies hat der Münchner Sportvorstand ebenfalls ein echtes Juwel an Land gezogen. Der Kanadier wechselte im Januar 2019 aus Vancouver zum FC Bayern. Nach einem halben Jahr bei Bayern II setzte sich der pfeilschnelle Linksfuß bereits in seiner ersten kompletten Saison als Linksverteidiger durch. Ein echter Glücksfall, zumal es hochveranlagte Linksverteidiger auch nicht an jeder Ecke gibt. Der Roadrunner war auf Anhieb ein wichtiger Bestandteil des Triple-Gewinns und gehört, wenn er fit ist, zu den besten Außenverteidigern der Welt. Am 21-Jährigen wird man in München noch viel Freude haben.

Triple 2019/20

Rein erfolgstechnisch hätte die Arbeit für Hasan Salihamidzic als Sportvorstand nicht besser laufen können. Die Münchner gewannen in der Spielzeit 2019/20 das Triple und sicherten sich im Anschluss die Klub-WM sowie den europäischen und nationalen Supercup. Alles kann im Vorfeld der Spielzeit also nicht schief gegangen sein. Zwar scheiterte der Sané-Transfer aufgrund der Kreuzbandverletzung des Spielers, jedoch sorgten Leihen von Ivan Perisic und Philippe Coutinho dafür, dass der Kader stark und breit genug für die großen Ziele daher kam.

Bayern vor Verpflichtung von Mazraoui und Gravenberch

Wenngleich die Verpflichtungen von Mazraoui und Gravenberch noch nicht fix sind, sieht es doch sehr gut aus. Der FC Bayern ist sich mit beiden Spielern offenbar weitgehend einig und ist damit drauf und dran zwei tolle Kicker zu verpflichten. Ein ablösefreier Mazraoui-Transfer könnte die Problemstelle hinten rechts beheben, während Gravenberch zu den größten Mittelfeld-Talenten in Europa gehört. Wenn diese beiden zukunftsweisenden Transfers klappen, muss man schon sagen: "Hut ab, Brazzo."


KONTRA:

Zerwürfnis mit Hansi Flick

Hansi Flick hat als Bayern-Coach eine echte Erfolgsserie gestartet, nachdem der Verein eigentlich eine sehr schwere Phase durchgemacht hatte. Die aggressive Spielweise des heutigen Nationaltrainers hat zwar für eine Flut an Gegentoren gesorgt, jedoch die Angelegenheiten mit brillantem Offensivfußball und einem energischen Pressing geregelt.

Flick war einfach genau der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt, was seine grandiosen Erfolge bestätigen. Beendet wurde die Ära jedoch viel zu schnell, weil sich Flick und Salihamidzic zerstritten haben. Der Ex-Coach war unzufrieden mit der Transfer-Politik und wollte neue Stars und ein Mitspracherecht. Die Situation schaukelte sich derart hoch, dass Flick die Taschen packte.

80 Mio. Euro für Lucas Hernandez

Qualität kostet seinen Preis, so viel ist schon klar. Lucas Hernandez bringt davon auch einiges mit. Für den Innenverteidiger aber 80 Millionen Euro investiert zu haben, stellt sich bislang als Fehler heraus. Der Franzose hat sich nach einem ganz schwachen Beginn gut reingebissen und gehört mittlerweile dem Stamm der Mannschaft an. Zudem überzeugt er mit seiner aggressiven Zweikampfführung, die ein Segen für das Team ist.

Von einem 80-Millionen-Mann muss in Sachen Ausstrahlung, Spieleröffnung und Handlungsschnelligkeit aber noch mehr kommen. Der Spieler ist ein guter Profi und variabel einsetzbar, aber im Endeffekt eher die Hälfte der einstigen Ablöse wert. Zumal man in München nicht dafür bekannt ist, in solchen Ablöse-Sphären zu schweben.

Eingeständnisse für Alexander Nübel

Schon allein die Verpflichtung von Alexander Nübel war absurd, angesichts der Tatsache, dass man mit Manuel Neuer über den besten deutschen Torhüter verfügt. Immerhin war Nübel aber ablösefrei, was die Sache etwas einleuchtender machte. Trotzdem hat der Transfer Ärger mit sich gebracht, weil Salihamidzic dem Keeper offenbar Spielzeit versprochen hatte. Ein enorm unkluger Schachzug, der nichts als Unruhe in den Verein gebracht hat.

Zu viel Mittelklasse-Transfers

Als FC Bayern ist man in der Pflicht, groß zu denken und Spieler an Land zu ziehen, die wirklich helfen. Spieler wie Bouna Sarr, Marc Roca, Michael Cuisance, Douglas Costa oder Omar Richards haben einfach nicht die nötige Qualität mitgebracht. Letztlich hat man dadurch zahlreiche Spieler im Kader, die Plätze blockieren und Gehalt fressen. Bedenklich ist zudem, dass sich der Sportvorstand oft bis zur Deadline Zeit ließ, um dann eine gefühlte Notlösung zu präsentieren.

Das Transfer-Theater um Callum Hudson-Odoi

Über mehrere Transferperioden hinweg gab es für Salihamidzic nur einen Spieler, den er unbedingt wollte. Die Rede ist von Chelsea-Außenstürmer Callum Hudson-Odoi. Der Münchner Sportvorstand klopfte bei Spieler und Verein mehrmals an und handelte dabei offenbar so unprofessionell, dass die Blues irgendwann überhaupt keine Lust mehr hatten, mit dem Bosnier zu verhandeln. Besonders verärgert hatten die Londoner die öffentlichen Aussagen des Sportvorstandes.

Während dieser Zeit hat man es verpasst, Alternativen in Betracht zu ziehen. Mit einem Transfer des jungen Engländers hat es zudem nie geklappt.

Schlechte Außendarstellung

Wer bei einem großen Klub in einer Führungsrolle fungiert, der benötigt auch eine starke Wirkung nach außen. Salihamidzic hat jedoch stets Probleme dabei, souverän aufzutreten und sich richtig zu artikulieren. Damit wirft er häufig kein gutes Licht auf den ganzen Verein. In Interviews spricht er zudem häufig über Dinge, die einfach unpassend sind. Denken wir nur an den unwürdig verkündeten Abschied von Jerome Boateng oder das Thema Lewandowski, das vom Sportvorstand einfach schlecht moderiert wurde.


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