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DFB-Team bereit für die WM? 5 Problemstellen, die nach Antworten verlangen!

Dominik Hager
Hansi Flick hat bis zum WM-Start noch einige offene Fragen zu lösen
Hansi Flick hat bis zum WM-Start noch einige offene Fragen zu lösen / Alex Grimm/GettyImages
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Nur noch zwei Spiele in der Nations League gegen Ungarn und England stehen an, ehe das DFB-Team ins WM-Abenteuer startet. Zwar wartet kurz vor dem Turnierstart noch ein Test gegen den Oman, jedoch sollten die wichtigsten Fragen bis dahin längst geklärt sein. Noch sind allerdings eine ganze Menge an Fragen offen, die praktisch jeden Mannschaftsteil betreffen. Hansi Flick hat schwere Entscheidungen zu treffen und wir hoffen natürlich, dass wir nach den Spielen gegen Ungarn und England ein wenig mehr Klarheit über die fünf folgenden ungelösten Problempunkte haben.


1. Rechtsverteidiger-Problem ungelöst

UEFA EURO 2020 qualifier group C"The Netherlands v Germany"
VI-Images/GettyImages

Das Problem in der deutschen Rechtsverteidigung ist seit dem Karriereende von Philipp Lahm präsent und scheint derzeit nicht zu lösen zu sein. Klar ist jedenfalls, dass Joshua Kimmich nicht nochmal rechts hinten auflaufen wird. Dies hat bereits bei der EM nicht funktioniert und würde zudem für zu viel Unruhe sorgen.

Während auf links David Raum regelmäßig starke Leistungen bringt und mit Robin Gosens sowie Christian Günter zwei Alternativen bereitstehen, gibt es auf rechts schlichtweg keinen geeigneten Spieler. Lukas Klostermann, der kurzzeitig die Nase vorne hatte, fehlt verletzt und müsste erst noch rechtzeitig in Top-Form kommen. Den eigenen Ansprüchen hinterher hinkt weiterhin Ridle Baku und auch ein Benjamin Henrichs zeigte zuletzt durchwachsene Leistungen. Der Leipziger ist wohl der einzige gelernte Rechtsverteidiger, der aktuell in Frage kommt, spielt bei RB aber auch nicht immer und vor allem nicht immer gut.

Naheliegend wäre demnach, dass ein gelernter Innenverteidiger die Rolle übernimmt und das DFB-Team ähnlich wie der FC Bayern asynchron aufläuft. Zur Wahl stünden Thilo Kehrer, Matthias Ginter, Antonio Rüdiger, Nico Schlotterbeck und Niklas Süle. Dabei kann man Schlotterbeck als Linksfuß und Rüdiger als geplanter Abwehr-Chef wohl ausschließen. Bei Thilo Kehrer reicht es eigentlich leistungstechnisch nicht für die Startelf. Süle und Ginter wären Optionen, sind aber offensiv ein Stück weit limitiert und werden Probleme gegen schnelle und dribbelstarke Gegner haben.

Flick könnte natürlich auch mit Hofmann rechts hinten spielen, jedoch ist das Duo Raum und Hofmann in der Außenverteidigung zu offensiv. Zudem ist gerade der Gladbacher nicht als guter Zweikämpfer bekannt und eine gute Option für die offensiven Außen.

2. Süle oder Schlotterbeck neben Rüdiger?

Niklas Süle, Nico Schlotterbeck
Alexander Hassenstein/GettyImages

Ähnlich wie beim BVB konkurrieren Niklas Süle und Nico Schlotterbeck um einen Stammplatz in der Innenverteidigung. Schlotterbeck erwischte den deutlich besseren Start in Dortmund und schien an dem zu Beginn auch verletzten Süle vorbeizuziehen. Inzwischen hat aber Süle aufgeholt und Schlotterbeck den ein oder anderen Fehler gemacht. Die kommenden Wochen bis zur Winterpause dürften definitiv interessant werden.

Derjenige, der beim BVB die bessere Performance hinlegt und konstant in der Startelf steht, hat auch im DFB-Team bessere Karten. Einen kleinen Bonus hat wohl der erfahrenere Süle derzeit noch. In Stein gemeißelt ist sein Platz aber nicht. Es könnten rein theoretisch auch beide spielen, zumal Süle ja ein Kandidat für die Rechtverteidigung wäre.

3. Bekommt die Fünferkette noch eine Chance?

Jonas Hofmann
Alex Grimm/GettyImages

Die Nationalmannschaft konnte mit Fünferkette bislang nur sehr selten überzeugen und auch Hansi Flick ist eher ein Verfechter der Viererkette. Trotzdem besteht das Problem des fehlenden Rechtsverteidigers. Mit einer Dreierkette und zwei Schienenspielern müsste man hingegen nicht lange darüber nachdenken, welche Personalentscheidungen zu treffen sind. Das Abwehr-Trio Süle, Rüdiger, Schlotterbeck würde von Hofmann auf rechts und Raum oder Gosens auf links flankiert werden. Somit hätte man zwei offensiv ausgerichtete Schienenspieler, die ihre Qualitäten auch einsetzen können.

Man darf gespannt sein, ob Hansi Flick in den Nations-League-Spielen eine solche Formation nochmal testet. In Summe ist das unwahrscheinlich, jedoch schadet es nie, zwei Optionen zu haben.

4. Wer spielt neben Joshua Kimmich?

Leon Goretzka, Ilkay Guendogan
Stefan Matzke - sampics/GettyImages

Joshua Kimmich ist im Mittelfeld-Zentrum natürlich gesetzt. Stellt sich jedoch noch die Frage, wer der Nebenmann von Kimmich wird und ob eine Doppelsechs oder ein System mit einem Sechser und zwei Achtern zielführender ist.

Mit Ilkay Gündogan, Leon Goretzka und Jamal Musiala stehen drei Akteure zur Verfügung, die sicherlich gerne einen Stammplatz innehätten. Bei den kommenden Nations-League-Spielen kann Leon Goretzka Corona-bedingt nicht mitmischen, weshalb Flick eigentlich nur eine Variante bleibt.

Aufgrund der Tatsache, dass sowohl ein Duo Kimmich & Gündogan, als auch ein Duo Kimmich & Musiala zu offensiv ist, bleibt wohl nur die Möglichkeit, alle drei Spieler aufzustellen. Kimmich würde den Part auf der Sechs übernehmen, während Gündogang und Musiala auf der Acht ein wenig offensiver agieren könnten. Von den fußballerischen Fähigkeiten ist diese Zusammenstellung natürlich großartig. Alle drei Spieler sind enorm pass- und spielstark und besitzen mit ihrer Kreativität und Torgefahr auch Fähigkeiten, die Spiele entscheiden können. Problem bei der Sache ist lediglich, dass ein zweikampfstarker und robuster Abräumer fehlt und zumindest Kimmich sich in der Offensive zurückhalten müsste, was ihm nicht ganz so leicht fällt.

Leon Goretzka wird demnach in den Planungen sicherlich eine Rolle spielen. Der 27-Jährige ist körperlich deutlich robuster und auch Größer als die genannten Spieler und dadurch defensiv von den genannten Akteuren der stärkste. Fraglich ist aber, ob der frühere Schalker bis zur WM seinen Rhythmus und seine Form findet. Mit Goretzka könnte Deutschland wieder mit einer Doppel-Sechs spielen. Problematisch ist dabei jedoch, dass Goretzka spielerisch zuletzt einiges vermissen ließ und auch seine Distanzschüsse selten Wirkung zeigten. Goretzka ist ein Bremsklotz für das Passspiel und hält Kimmich durch seine Ausflüge nach vorne nicht den Rücken frei. Dieser wäre also erneut dazu gezwungen, defensiv zu denken.

Die einzige Möglichkeit, dem Offensiv-Drang von Kimmich freien Lauf zu lassen wäre es, einen anderen Spielertypen im Mittelfeld zu installieren. Hier könnte man über Julian Weigl nachdenken. Der Sechser hat in Gladbach bislang sowohl mit, als auch gegen den Ball einen guten Eindruck gemacht. Anders als Goretzka hält Weigl meist seine Position in der Zentrale und würde dem Team dadurch Stabilität verleihen, selbst wenn er kein richtiger Abräumer ist. Weigl auf der Sechs und Kimmich plus Gündogan/Goretzka/Musiala auf der Acht wäre in Summe stimmig. Dabei würde man aber auch viel Klasse auf der Bank lassen. Es ist unwahrscheinlich, dass Flick über einen solchen Schachzug nachdenkt, zumal Weigl nicht nominiert worden ist.

Für das Trio Kimmich, Gündogan und Musiala besteht in den nächsten beiden Spielen die Chance, sich vielleicht schon ein wenig festzuspielen.

5. Anordnung & Personal in der Offensive

Kai Havertz, Timo Werner
Marvin Ibo Guengoer - GES Sportfoto/GettyImages

Ähnlich schwierig wie im zentralen Mittelfeld, ist auch die Frage nach dem Personal und der Anordnung im Offensivbereich. Auch Julian Nagelsmann hat derzeit beim FC Bayern Probleme damit, die richtigen Spieler auf den richtigen Positionen aufzustellen. Zudem wäre da noch das Problem, dass es keinen klassischen Neuner gibt. Havertz erklärte zwar, sich auf der Neun sehr wohl zu fühlen, jedoch ist seine Torquote beim FC Chelsea (24 Tore in 100 Spielen) nicht gerade überragend. Gleiches gilt für seine Effizienz in der Nationalmannschaft (8 Tore in 28 Spielen).

Fakt ist aber eben auch, dass es bei Timo Werner an Treffsicherheit fehlt, Serge Gnabry nicht in Form und Thomas Müller kein Mittelstürmer ist. Unter Hansi Flick wird Müller dennoch gesetzt sein. Im 4-2-3-1 dürfte er auf der Zehn und im 4-3-3 auf halbrechts spielen. Ein 4-3-3 würden wohl Sané auf links und Havertz/Werner auf der Neun ergänzen. Im 4-2-3-1 würde rechts womöglich Hofmann ins Team rücken. Jamal Musiala, der in diesem Fall wohl nicht im Mittelfeld-Zentrum agieren würde, hätte aber die Möglichkeit für Sané oder den soeben genannten Hofmann zu starten. Prinzipiell darf man natürlich auch Serge Gnabry nicht abschreiben.

Eine funktionierende Offensive aufzustellen, ist für Flick das wohl größte Hexenwerk. Die kommenden Länderspiele werden interessante Einblicke liefern, weil alle Kandidaten nominiert wurden und fit sind. Doch auch die weiteren Entwicklungen beim FC Bayern werden eine Rolle spielen.


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