WM

DFB-Elf vor schwerem WM-Auftakt: Die Japaner im Gegner-Check

Dominik Hager
Japan wird ein harter Auftaktgegner für Deutschland
Japan wird ein harter Auftaktgegner für Deutschland / Mark Metcalfe/GettyImages
facebooktwitterreddit

Am Dienstagnachmittag wird es für das DFB-Team ernst. Der WM-Auftakt für die Elf von Hansi Flick steht an und der Gegner stellt gleich mal einen echten Härtetest dar. Nach dem WM-Aus 2018 durch die Niederlage gegen Südkorea, geht es erneut gegen einen Gegner aus Ostasien. Gemeint sind natürlich die Japaner, die auf dem Papier eine ganze Ecke stärker aufgestellt sind, als die Südkoreaner. Ein schlechtes Omen für die DFB-Elf? Wir möchten die Ausgangslage in einem Gegner-Check bewerten.


Die Nationalmannschaft aus Japan gehört zu den Stammgästen bei Weltmeisterschaften. Zwar blieb man in der Qualifikation einen Zähler hinter Saudi-Arabien zurück, qualifizierte sich aber dennoch standesgemäß als Gruppen-Zweiter für das Großevent in Katar. Seit der WM 1998 wechseln sich bei den Japanern die Resultate "Aus in der Vorrunde" und "Aus im Achtelfinale" regelmäßig ab. Bleibt das Muster bestehen, so streichen die Japaner diesmal wieder in der Vorrunde die Segel. Dass man international konkurrenzfähig ist, hat jedoch die WM 2018 eindrucksvoll gezeigt, als das Team im Achtelfinale nur mit 2:3 am Mitfavoriten Belgien gescheitert ist. Zuvor konnte sich Japan in der Gruppenphase gegen Senegal und Polen behaupten.

Die Bilanz gegen Deutschland

In der Fußball-Historie ist es erst zweimal zum Duell Deutschland - Japan gekommen. Im Dezember 2004 gewannen die Deutschen unter Jürgen Klinsmann souverän mit 3:0. Kurz vor der WM 2006 im eigenen Land, trafen die beiden Teams erneut aufeinander. In der BayArena gelang den Japanern dann immerhin ein 2:2-Unentschieden. Wirkliche Rückschlüsse auf die Gegenwart lassen sich daraus aber natürlich nicht ziehen.

Die beste Aufstellung von Japan

Die Stärken von Japan

Japan kommt traditionell über eine gefestigte und kompakte Mannschaftsleistung. Das Team harmoniert, spielt diszipliniert und kämpft füreinander. Zudem sind die Akteure in der Regel taktisch und technisch gut ausgebildet und neigen nur selten zu Unkonzentriertheiten oder Fehler. Dies macht die Westasiaten zu einem sehr unbequemen Gegner.

Wirft man einen Blick auf den Kader, dann dürften die Stärken im offensiven Mittelfeld liegen. Mit Leuten wie Kamada, Kubo, Minamino und Doan verfügt man über technisch starke und quirlige Spieler, die jederzeit für ein Tor gut sind. Zudem stehen aber auch einige Akteure im Kader, die die defensive Stabilität sichern können. Im Fokus stehen dabei insbesondere Arsenal-Star Tomisayu und die Bundesligaspieler Itakura und Endo.

Die Schwächen von Japan

In Sachen Athletik und Physis gibt es nur wenige Spieler, die auf europäischen Niveau gegenhalten können. Die meisten Spieler im Kader sind eher klein und schmächtig und kommen über eine gute Spielintelligenz. An Zweikampf- und Kopfballstärke hapert es hingegen etwas.

Zudem gibt es auf dem Papier mehrere Problempositionen. Im Tor steht mit Daniel Schmidt ein Keeper, der lediglich in der belgischen Liga aktiv ist. Nicht ganz so stark ist zudem die Linksverteidiger-Position besetzt. Der einzige nominelle Linksverteidiger ist der schon 36-jährige Yuto Nagatomo. Dieser besitzt aber immerhin die Erfahrung von 138 Länderspielen.

Das wohl größte Problem ist das Fehlen eines klaren Goalgetters und Mittelstürmers. Japan verfügt über viele herausragende offensive Mittelfeldspieler, jedoch keinen international erprobten Vollstrecker. Ob eine echte Neun auf dem Platz stehen wird, ist fraglich. Dies kann zwar funktionieren, genauso gut aber schiefgehen. In Deutschland weiß man das nur zu gut.

Hier können die Japaner Deutschland weh tun

Japan verfügt über kleine, schnelle und dribbelstarke Offensivspieler. Damit kann man der deutschen Abwehr durchaus weh tun. Die meisten Spieler in der deutschen Defensive sind von der Statur ja doch eher Schränke, wenn man sich einen Niklas Süle oder Antonio Rüdiger ansieht. Bei schnellen Richtungswechseln ist das DFB-Team sicherlich verwundbar. Es ist auch davon auszugehen, dass Spieler wie Doan, Kubo oder Minamino der schwächelnden deutschen Außenverteidigung Kopfzerbrechen bereiten können.

Die Japaner sind in der Underdog-Rolle und werden sicherlich nicht die Kontrolle über das Spiel inne haben wollen. Vielmehr geht es darum, defensiv kompakt zu stehen und gefährliche Konter zu fahren. Genau darin liegen die japanischen Stärken, was durchaus zum Problem für Deutschland werden kann. Es ist bekannt, dass der offensiv geprägte Flick-Stil defensive Anfälligkeiten mit sich bringt. Arbeitet man nach Ballverlust nicht schnell genug nach hinten, wird es für die hoch positionierte Abwehr schwierig, die flinken Japaner noch aufzuhalten.

Hier ist Japan für das DFB-Team verwundbar

Es ist natürlich nicht von der Hand zu weisen, dass die deutsche Nationalmannschaft auf fast jeder Position besser aufgestellt ist, als die Japaner. Die individuelle Qualität von Musiala, Sané und Co. über 90 Minuten auszuschalten, dürfte beinahe unmöglich werden. Die meisten Offensivakteure auf deutscher Seite besitzen Vorteile in Sachen Sprintgeschwindigkeit gegenüber den japanischen Verteidigern. Insbesondere der Schalker Yoshida - der vermutlich in der Startelf steht - könnte zum Sicherheitsrisiko werden. Je nachdem, ob Tomiyasu außen oder innen spielt, könnte auch über die Außen immer etwas gehen. Hansi Flick lässt gerne über die Flügel angreifen, wo Sané und Gnabry ordentlich Druck machen werden. Lediglich dem besagten Tomiyasu wäre es zuzutrauen, solche Akteure aus dem Spiel zu nehmen.

Gute Chancen auf Torerfolge dürften sich auch bei Standardsituationen ergeben. Das deutsche Team ist im Schnitt deutlich größer und verfügt mit Kimmich und Raum über gute Eckball- und Freistoßschützen. Ob es das DFB-Team auch schafft, aus dem Spiel heraus die Größenvorteile zu nutzen, gilt es abzuwarten. Ein Brecher wie Niclas Füllkrug könnte der japanischen Defensive durchaus Kopfzerbrechen bereiten.

Letztlich ist auch unklar, wie stark Keeper Daniel Schmidt wirklich ist. Das DFB-Team hat mit Goretzka, Gnabry, Havertz und Sané mehrere Spieler, die aus der Distanz gefährlich sein können. Gegen kompakt verteidigende Japaner wird es sicherlich auch zu Schüssen aus der zweiten Reihe kommen. Auf Schmidt wird demnach immer wieder etwas zukommen. Niemand weiß, ob er dem gänzlich gewachsen ist.

Prognose:

Japan wird der erwartet unbequeme Gegener zum Auftakt und bringt Deutschland ganz schön in die Bredouille. Letztlich gelingt es dem DFB-Team allerdings, die individuelle Qualität einzubringen und sorgt spät, aber rechtzeitig für den so wichtigen ersten Sieg.


Alles zur WM 2022 bei 90min:

facebooktwitterreddit