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Champions League

BVB gegen Man City chancenlos? Diese drei Gründe sprechen dagegen

Dominik Hager
Apr 5, 2021, 12:46 PM GMT+2
Gelingt Borussia Dortmund gegen Manchester City eine faustdicke Überraschung?
Gelingt Borussia Dortmund gegen Manchester City eine faustdicke Überraschung? | Lars Baron/Getty Images
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Bei Borussia Dortmund ist die Stimmung spätestens nach der 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt völlig im Keller. Sieben Spieltage vor Schluss liegen die Borussen satte sieben Zähler hinter einen Champions-League-Platz. Ausgerechnet jetzt wartet in der Königsklasse auch noch Manchester City auf den Tabellenfünften der Bundesliga.

Eigentlich müsste man erwarten, dass der BVB gegen das furios aufspielende Team aus England chancenlos ist. Allerdings gibt es auch Gründe, die den Dortmundern (ein wenig) Hoffnung machen können.

1. Haaland in der Champions League nicht zu stoppen

Erling Haaland
Ballert Haaland auch Manchester City aus dem Wettbewerb? | Pool/Getty Images


Man könnte meinen, dass Erling Haaland noch einmal einen Gang höher schaltet, wenn er vor dem Anpfiff die Champions-League-Hymne hört. Der norwegische Angreifer schoss sein Team mit zehn Toren im Alleingang ins Viertelfinale. Damit führt er die Torjägerliste in der Königsklasse souverän an.

Mit seinem Körper und seiner Athletik ist der Youngster eine Naturgewalt und von keiner Abwehr der Welt komplett in den Griff zu bekommen. Der 20-Jährige hat zudem keine Angst vor großen Namen und agiert eiskalt. Dies bekam zuletzt schon der FC Sevilla zu spüren, dem Haaland vier Tore einschenkte. Zudem ist der Torjäger vor allem auswärts kaum zu bremsen. In der Bundesliga erzielte er 14 seiner 15 letzten Tor auf fremden Platz.

Bleibt er sich seiner Linie treu, könnten die Borussen eventuell mit einem oder zwei Auswärtstreffern im Gepäck zurückreisen. Einen derartigen Knipser hat Manchester City bei aller Qualität nicht im Kader. Treffsicherster Akteur in der Königsklasse ist bisher der Rechtsaußen Ferran Torres (vier Tore).

2. Manchester City könnte am eigenen Ballbesitz ersticken

Pep Guardiola
Pep Guardiola und Manchester City stehen für einen balldominanten Stil. Dies bringt jedoch auch Gefahren mit sich. | Chloe Knott - Danehouse/Getty Images


Haaland und Co. könnten auch davon profitieren, dass Manchester City einen sehr balldominanten Stil fabriziert. Die Borussen müssen das Spiel demnach nicht selbst gestalten. Gerade dieser Punkt war in der Bundesliga eines der Hauptprobleme der Dortmunder. Hingegen sah man in der Vergangenheit oftmals sehr gut gegen favorisierte Gegner aus, die versuchen, Ball und Gegner laufen zu lassen.

Die Dortmunder besitzen zweifellos die Qualität, gezielte Nadelstiche zu setzen. Dies liegt vor allem an Erling Haaland, der bei Konterversuchen wie ein Torpedo anzieht und seine Gegenspieler abschütteln kann. Auf der anderen Seite ist Manchester City bekannt dafür, in K.o.-Spielen am eigenen Ballbesitz geradezu zu ersticken. Meist wird zu viel klein-klein gespielt und zu selten aufs Tor geschossen. Hierbei fehlt der gnadenlose Abschlussstürmer, der in der Königsklasse so wichtig ist.

Schaffen es also Emre Can, Mats Hummels und Co., hinten den Laden zusammenzuhalten, könnte die Dortmunder Schnörkellosigkeit durchaus über das verkünstelte Man-City-Spiel triumphieren. Den Ball ins Tor zu tragen funktioniert eben auch nicht immer. Gerade wenn hinten ein Mats Hummels steht, der in wichtigen Spielen noch immer eine richtige Wand sein kann.

3. BVB mit klarem psychologischen Vorteil: Man City unter Druck

Borussia Dortmund
Nach der bitteren Pleite gegen Frankfurt muss nun eine Trotzreaktion her. | Pool/Getty Images


Die jüngsten Negativ-Erlebnisse müssen gegen Manchester City nicht unbedingt von Nachteil sein. Ein angeschlagener Boxer schlägt ja bekanntlich besonders wild um sich und kann auch den Skyblues eine ordentliche Delle verpassen. Jedenfalls gehen die Borussen als ganz klarer Außenverteidiger ins Spiel und können eigentlich nur positiv überraschen.

Trotzdem wird die Elf von Edin Terzic natürlich bis unter die Haarspitzen motiviert sein. Der BVB will sich in der Königsklasse unbedingt von seiner besten Seite zeigen. Verstärkt wird dieser Effekt durch die große Gefahr, in der kommenden Saison in der Europa League spielen zu müssen. Darauf hat das Team, wie Emre Can nach der Frankfurt-Partie sagte, "gar keinen Bock".

Es ist also eine klare Trotzreaktion zu erwarten, bei denen Kräfte freigesetzt werden, die man sonst gar nicht vermuten würde. Am Ende bestünde ja auch über die Königsklasse die Möglichkeit, sich als Titelverteidiger zu qualifizieren.

Manchester City hat solche Sorgen dagegen nicht. Der Klub hat 14 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten und kann sich den Meistertitel nur noch selbst wegnehmen. Genau dieses Phänomen birgt jedoch Gefahren. Während es in der Premier League nicht mehr wichtig ist, jedes Spiel zu gewinnen, benötigen sie in der Königsklasse die absolute Spannung. Diese ist jedoch nicht auf Knopfdruck abzurufen.

Der zweite schwere mentale Aspekt ist, dass die Cityzens quasi verpflichtet sind zu gewinnen. Nachdem man es trotz eines starken Kaders nie ins Champions-League-Finale geschafft hat, ist der Druck in diesem Jahr unermesslich. Von den Skyblues wird nichts Geringeres als der Titel erwartet. Mit dieser Erwartungshaltung kam die Guardiola-Elf in den letzten Jahren nicht zurecht. Auf psychologischer Ebene hat es Dortmund also mit Sicherheit viel einfacher.

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