Manga spricht über seine Frankfurt-Zeit und seine Aufgaben beim FC Watford

Dominik Hager
Ben Manga soll den FC Watford in die Premier League führen
Ben Manga soll den FC Watford in die Premier League führen / Richard Heathcote/GettyImages
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Ben Manga war viele Jahre als Chefscout der Eintracht Frankfurt tätig und an zahlreichen Top-Transfers beteiligt. Als Markus Krösche jedoch auf Fredi Bobic folgte, schwand der Einfluss von Manga. Nach sechseinhalb Jahren entschieden sich Verein und Ben Manga dazu, den Vertrag aufzulösen. Nun ist Manga als Technischer Direktor beim FC Wartford aktiv. Im Interview mit dem Kicker hat dieser einige interessante Einblicke geliefert.


Seit der Ankunft von Krösche war eigentlich schon klar, dass der Weg von Manga bei der Eintracht beendet ist. Die Meinungen zum Thema Scouting gingen zu weit auseinander, um gemeinsam an einem Strang ziehen zu können. Dementsprechend war die Trennung eine logische Konsequenz. Immerhin hat der Ex-Frankfurter auch eine interessante Aufgabe in Watford gefunden.

“Manchmal geht man einen Schritt zurück, um zwei nach vorne zu kommen. Ich glaube, dass es die richtige Entscheidung ist. Beim FC Watford bin ich der Sportverantwortliche, der ein klares Ziel verfolgt: den Aufstieg in die Premier League“, erklärte Manga, der einen Fünfjahresvertrag unterschrieben hat. Der Technische Direktor bezeichnete die Premier League als “größte Liga der Welt“, weshalb es ein “persönlicher Ansporn“ sei, dort als Sportverantwortlicher einen Verein zu führen. Als Tabellen-Vierter wäre der Aufstieg für den letztjährigen Absteiger noch möglich, jedoch beträgt der Vorsprung auf Rang neun auch gerade mal drei Punkte.

Der Aufstieg alleine ist jedoch nicht alles, was man von Manga in England erwartet. Von ihm sei gefordert, dass er “den Verein weiterbringe“, was er “mit neuen Inhalten, einer etwas anderen Struktur und der deutschen Mentalität“ bewirken soll.

Manga spricht über die Unterschiede zwischen England und Deutschland

Manga hat bereits festgestellt, dass die Dinge in England ein wenig anders laufen, als noch in Deutschland, weshalb er sich erstmal ein genaueres Bild verschaffen muss. “Hier haben wir drei Leute: den Besitzer Gino Pozzo, den CEO Scott Duxbury und mich als Sportverantwortlichen. Mein Ansprechpartner ist der Besitzer des Klubs, der CEO wird in allem, was wir machen, eingeweiht. Ich mache mir sportlich erstmal ein komplettes Bild: Was läuft gut? Was läuft schlecht? Anschließend setze ich meine Ideen um“, erläuterte Manga.

Dem FC Watford misslang es in den letzten Jahren Stabilität hineinzubringen, weshalb der Verein trotz teuren Transfers den Klassenerhalt nicht schaffte. Im Zuge dessen wurden binnen weniger Jahre auch zahlreiche Trainer entlassen. Unter Manga soll das jedoch anders werden.

“Ich habe mit dem Besitzer aber natürlich auch darüber gesprochen, dass so viele Trainerwechsel schon ein bisschen heftig sind. Das ist ein Hauptgrund, wieso er mich geholt hat: um eine Konstanz und klare fachliche Linie in die sportlichen Entscheidungen zu bekommen“, erklärte der Ex-Frankfurter.

Im Gegensatz zu einigen Zweitliga-Konkurrenten soll Manga im Januar keine 18 bis 20 Millionen Euro ausgeben. Vielmehr soll es so laufen wie in Frankfurt, wo man “Spieler wie Tuta, Evan Ndicka oder Daichi Kamada für zwei, drei, vier, fünf Millionen Euro geholt“ habe. Das Motto sei auch in Watford “jung, günstig und gut.“

Manga spricht über die Aufgaben der Scouts

In England wird die Arbeit von Manga ein wenig anders aussehen als noch in der Bundesliga. Was ein Chefscout in Deutschland genau macht, verrät er nämlich ganz genau. “Die Chefscouts leisten die Vorarbeit, am Ende unterschreiben aber Simon Rolfes, Marcel Schäfer und Sebastian Kehl die Verträge. Der Sportdirektor hat wenig Zeit, um überall hinzufliegen. Er muss bei der Mannschaft sein, am Trainingsgelände, im Büro. Also muss der Sportdirektor eine rechte Hand haben, die Transfers vorbereitet“, beschrieb er.

Klingt also nach einem stressigeren Job, als jenen, den Sportdirektoren bzw. Technische Direktoren haben. In diesem Zuge wird auch klar, warum Manga bei der Eintracht nicht mehr gefragt war. Schließlich war unter Bobic er der Scout, “unter Markus Krösche ist es Timmo Hardung.“

Manga spricht über Differenzen mit Krösche

Manga deckt außerdem auf, warum die Zusammenarbeit mit Krösche nicht wirklich geklappt hat.
“Ich möchte alles live sehen und bin kein Daten-Fan. Man kann die Daten allerdings nutzen, um die eigenen Eindrücke zu bestätigen oder zu widerlegen. Das machen wir auch. Ich möchte aber, dass meine Scouts jeden Tag oder zumindest jeden zweiten Tag in einem Stadion sitzen und sich vor Ort Eindrücke verschaffen“, erklärte er.

Demnach ist davon auszugehen, dass Krösche doch recht Daten-basiert arbeitet. Manga erwartet jedoch von seinem Scouting-Team etwas anderes, da man im Stadion “alles sieht, hört und alle Informationen bekommt.“ Demnach seien seine Scouts “überall“. Dabei betonte er jedoch, dass es in der Herangehensweise “kein richtig oder falsch“ gäbe.

Der Ex-Frankfurter möchte außerdem nicht gegen die Eintracht nachtreten und nun ein neues Kapitel einschlagen. Gegen einen Vorwurf rechtfertigte er sich dann aber doch. “Teilweise wurde geschrieben, ich sei medienscheu, aber das stimmt nicht. Alle Interviewanfragen wurden von der Eintracht abgeblockt, ich wurde darüber nicht in Kenntnis gesetzt“, verdeutlichte er. Dies habe er “erst von den Journalisten erfahren.“


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